2020 Frankreich R85

Die Route Napoléon führt von Golfe-Juan am Mittelmeer hinauf in die bergige Landschaft von Grenoble. Hie und da erinnern Tafeln und Denkmäler an Napoleons Gewaltmarsch vom März 1815 nach Paris.

Vor 205 Jahren landete Napoleon heimlich in Golfe-Juan bei Cannes. Er war aus seinem Exil auf der Insel Elba geflohen, in seinem Gefolge waren 1200 Mann.
 
In nur sieben Tagen legte der grosse kleine Mann eine Strecke von über 300 Kilometern zurück, von Golfe-Juan nach Grenoble. Ohne Blutvergiessen. Städte und Dörfer ergaben sich oder zogen ihre Garnisonen ab.
 
Zwei Wochen später war er in Paris, regierte hundert Tage und dankte nach der Niederlage bei Waterloo zum zweiten Mal ab. Sechs Jahre später starb er auf seiner Verbannungsinsel St. Helena im Südatlantik.

Die Route Napoléon wurde 1930 ins Leben gerufen. Sie hält sich ziemlich genau an den Weg, den Bonaparte gegangen ist. Da der Imperator in Windeseile durch die Gegend zog, hat er kaum Spuren hinterlassen. In Grenoble bezeugen zwei Tafeln seine Präsenz, im Schloss von Malijai verbrachte er eine halbe Nacht, in Golfe-Juan steht eine Büste.

 
Da wir Paris nicht erobern müssen, starten wir in Grenoble, um dann auf der Route Napoléon (auch Route nationale 85) das Mittelmeer zu erreichen. Der Weg ist gespickt mit historischen Orten und Naturschönheiten.
 
Wir wählen die Etappen punktuell aus. In Vizille lockt das Schloss mit seinem herrlichen Park und dem Museum der Französischen Revolution. In Laffrey, auf der Prairie de la Rencontre, entschied sich Napoleons Schicksal:
 
Als sich die Royalisten ergaben, war der Weg nach Paris frei. Ebenso wichtig für sein Weiterkommen war zuvor die mächtige Festung von Sistéron. Wie durch Zauber befand sich dort am Tag, als der kleine Korse mit seiner Truppe vorbeikam, kein einziger Wachmann.
 
Die Besichtigung der Ruine lohnt sich nur schon wegen der fantastischen Sicht. Übrigens: Lamm von Sistéron ist europaweit bekannt und schmeckt, dank den kräuterreichen Wiesen, wunderbar.
 

Abwechslung ist auch hier angesagt. Aufregend sind die imposanten Gorges du Verdon mit der pittoresken Ortschaft Castellane. In Grasse, der Hauptstadt der Düfte, kann man etwa bei Gallimard sein eigenes Parfum mischen.

In Vallauris Golfe-Juan, wo seit über 2000 Jahren Tongegenstände hergestellt werden, lockt das Picasso-Museum (www.museesnationaux-alpesmaritimes.fr/picasso) mit dem Monumentalwerk «La guerre et la paix» sowie erlesenen Keramikobjekten des Meisters. Unweit des Strandes thront in einem kleinen Park Napoleons Büste. Hoch oben auf einer schlanken Säule schaut er grimmig in die Ferne.