Ancona / IT – Münstertal / Schweiz

Die Gemüselastwagen mit Tomaten und Gurken beladen kommen in Ancona zügig vom Schiff. Die grossen Gurken in ihrem Camper hintennach. Die typische italienische Ordnung verlangt von uns wegen einer Baustelle unmittelbar vor der Autobahneinfahrt diese wieder zu verlassen. Da kommen uns bereits die Tomaten und Gurken entgegen.
„Hallo kleine Gurken, wie geht’s? Gut geschlafen?“ tönt es unserseits über die Leitplanke hinweg.
„Svizzera?“ hör ich noch immer einen italienischen Ordnungshüter auf Frage wo es zur Schweiz gehe sagen: Na klar, alles geradeaus!

„Mein Brummi schleicht die Autobahn, von Süd nach Norden ab“ tönt es aus unserem Autolautsprecher. Die Freiheit haben wir nun wieder und bleiben deshalb stur auf der langsameren Seite bei den Lastwagen. Im Stop and Go Verkehr sind die Langsameren bis Rimini schneller als die „Ferraristi“ auf der Ueberholspur. Viele Baustellen verzögern für manchen Italiener heute Samstag den Weg in die Ferien. Mit drei Spuren etwa 60 km vor Bologna ändert sich dies und es kommt Fahrgefühl auf. Bis Rimini haben wir ja nur Anlauf genommen. Ab jetzt überholen uns gar die Ferraristi die wir wenig später wieder rechts überholen. Einer hängt in der Mittelleitplanke mit nur noch drei Rädern. Der Abschleppwagen ist bereits vor Ort. Wahrscheinlich auf Vorbestellung des Ferraristi.

So neigt sich der sonnige Tag seinem irdischen Ende entgegen. Es wird langsam aber sicher dunkel als wir im Vintschgau nach einem Stellplatz in der Gegend von Lana Ausschau halten. Wir finden trotz Navi und genauen Koordinaten keinen Platz nur andere Camper die wahrscheinlich dasselbe tun wie wir. Also weiterfahren ins Engadin.

Sowohl Italienische- wie Schweizer Zöllner haben ihre Posten bereits verlassen. Wahrscheinlich sind sie zusammen Kartenspielen gegangen jedenfalls liegen die Zollämter heute unbesetzt und alleine gelassen an ihrer Grenze und wir reisen zügig in die Schweiz ein.

Bei Tschierv ziehen wir jedoch unsere persönliche Grenze. Bei der Suche nach der Einfahrt verlangt Heidy, dass ich sie aussteigen lasse. Weil sie kaum Anstalten für eine Suche vornimmt bin ich der Meinung, sie habe ihre Grenze bereits hinter sich gelassen.
Gemeinsam schaffen wir aber dennoch die letzten 50 Meter zum Camping hoch und stellen das Fahrzeug einfach ab. Mit Ferienträumen von fernen Stränden schlafen wir schnell ein.

Am anderen Morgen werde ich feststellen, dass die Hinterräder geradewegs in einem Bachverlauf stehen. Glücklicherweise fehlt hier jedoch das Wasser. Es wartet noch hoch oben in den Wolken bis wir sein Bett verlassen haben.

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Ueberfahrt von Igoumenitsa nach Ancona

Noch zwei Stunden. Dann haben wir die 15 stündige Ueberfahrt geschafft. Das 204 Meter lange Schiff der Superfast VI hat eine Menge Platz für Gemüselastwagen und Touristen. Die Gurken und Tomaten in Euronorm sind besser dran als die Touristen mit Camping on Bord.

Die Kühlaggregate der Lastwagen laufen ununterbrochen und tragen dazu bei, dass die ständige Temperatur von ursprünglich 33.9 Grad Celsius nur allmählich und erst am anderen Tag gegen 30 Grad sinkt. In diesem höllischen Lärm – nur leicht übertönt vom ständigen Brummen der Schiffsmotoren – ist bei dieser Hitze an schlafen nicht zu denken.

Ach, wäre ich doch nur eine Gurke! Dann hätte ich wenigsten einen gekühlten Liegeplatz in Euronorm und müsste mich nicht mit überhitzten Touristen in ihren schäbigen Wohnwagen herumschlagen. Die einfache Fahrt kostet ja mehr als der Anhänger Wert hat. Darum kümmern sie sich auch einen Scheiss um das Verbot, dass Kochen und Heizen auf dem Schiffsdeck strengsten verboten ist. Wenn sie schon während den Strandferien nie gekocht haben müssen sie doch wenigsten hier vor Publikum zeigen, dass Sie das können?

Ueberhaupt scheint mir die Reiserei während den Hauptzeiten wiederum ein Stück frugaler geworden zu sein. Den Gesellschaften fehlt offenbar das notwendige Geld um das Abfertigungspersonal zu stellen. Ein Mann wäre ein Mann (oder Frau). Einzig die Polizei verschaffte sich mit Cis-Gis-Tönen ein bisschen Durchsetzungsvermögen um die herumlungernden Touristen in Schach zu halten. Nur widerwillig verzogen sich diese dann gemütlich.

Noch eine einzige Stunde bis Ancona und wir sind unserem Camping on Bord entflohen. „Der Brummi fährt die Autobahn von Nord bis Süden ab“ tönt es dann wieder ab CD und ein bisschen Freiheit ist wieder Unser.

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Kalampaka – Igoumenitsa /GR

Heute Dienstagmorgen fahren wir auf der Hauptstasse E92 hoch zur Autobahn E90 Igoumenitsa – Thessaloniki. Diese kurvige Bergstrecke von insgesamt etwa 40 Kilometer wird als gefährlich eingestuft, da sie viel Schwerverkehr aufweist, teilweise eng und unübersichtlich ist. Doch heute haben wir Glück. Nur wenig Verkehr behindert uns und so erreichen wir problemlos die Autobahn nach etwa 1 Stunde.

Die Superautobahn durch das Gebirge von Ipauros ist derzeit von der Abzweigung von Meteora bis nach Igoumenitsa völlig kostenlos, doch die Griechen sind gerade daran, drei Zahlstellen einzurichten. Höchste Zeit also auch die Autofahrer an der finanziellen Misere von Griechenland beteiligen zu lassen.

Auf der Hochebene (660 müM) von Ioannina zeigt das Thermometer noch immer über 34 Grad. Die Sicht ist jedoch trüb, ein Zeichen für die hohe Luftfeuchtigkeit. Davon spüren wir im Camper allerdings nichts. Bei angenehmen 22 Grad und mit 100 km/h geht es auf und ab Richtung Westen, Kilometer um Kilometer. Nach etwa 200 davon geht es runter nach Igoumenitsa. Die Luft klart auf und wir landen geradewegs am geschlossenen Tor des Hafens nur weil wir nicht glauben wollten was uns das Navi ankündigte.

Im Hafenbüro der Anekline will Heidy das bestätigte Ticket umbuchen. Doch in den 2 Monaten die wir unterwegs sind hat sich Anekline mit der Geselllschaft Superfast zusammengeschlossen. Ob wir denn nichts von diesem Zusammenschluss mitbekommen hätten fragt entgeistert die freundliche Dame am Schalter. Neu müssten nun alle Tickets 72 Stunden vorher bestätigt werden. Am fraglichen Samstag sei die Fähre nach Ancona ausgebucht und ab sofort müssten wir uns an die Superfast Gesellschaft halten, die am Freitag hier um 2000 Uhr losfahren werde. Selbstverständlich ebenfalls mit Camping an Bord.

Nach einer Umbuchungsgebühr von Euro 108.60 (Anekline war ein ADAC-Schnäppchen) hatten wir unser neues Ticket bei Superfast. Gerade rechtzeitig 72 Stunden vor Abfahrt. Glücklich drehe ich unfreiwillig mit meinem Camper noch eine Hafenrunde in Igoumenitsa währendem Heidy am Bankschalter die immer günstiger werdenden Euros (Kurs 1.15) vom eigenen Konto abhebt. Dann finden wir ein schattiges Plätzchen mit Supersicht auf den Hafen um noch etwas zu essen.

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Bei den Mönchen der Meteora-Klöster und wieder zurück!

Nach dem Morgenessen verlassen wir etwa um 9 Uhr frohen Mutes den Camping und marschieren der Hauptstrasse entlang Richtung des etwa 1.5 km entfernten Zentrums von Kalambaka.

Eigentlich wollten wir von hier aus mit dem öffentlichen Bus zu den Meteora-Klöstern hochfahren. Ein Serviceangestellte eines Restaurants erklärte uns wo die Busstation sei. Weil sie den Fahrplan nicht kannte kam sie nach kurzer Zeit zurück und sagte uns, dass gemäss telefonsicher Anfrage beim Unternehmer heute erst um 1300 Uhr ein Bus verkehre.

Für 9 Euro karrt uns dafür ein Taxitunternehmer zum Kloster Metamórphosis hoch. Unterwegs erfahren wir dafür noch manch Wissenswertes nur keine Wahrheiten.

Die Meteora-Klöster bestehen aus 24 einzelnen Klöstern und Eremitagen, von denen heute nur noch sechs bewohnt sind. Die restlichen achtzehn Klöster sind entweder zu schwer zu erreichen oder wurden wegen Einsturzgefahr verlassen.

Die ersten nachgewiesenen Einsiedeleien gibt es in Metéora seit dem 11. Jahrhundert; Überlieferungen berichten sogar von einer Besiedelung bereits vor dem 10. Jahrhundert. Im Laufe der Jahre wuchsen diese Einsiedeleien zu einer organisierten Gemeinschaft nach Vorbild des heiligen Berges Athos zusammen und bildeten das Klostergebilde Doúpiani.

Mit der Ankunft des von Athos geflohenen Mönches Athanasios im Jahr 1334 begann der Aufstieg des Klosterlebens von Meteora. Zusammen mit seinem geistlichen Ziehvater Gregorios und 14 weiteren Mönchen gründete er 1344 das Kloster Metamórphosis, auch bekannt als Megálo Metéoro. Und genau dieses wollen wir heute Sonntag als erstes Kloster besuchen.

Der Gebäudekomplex des Megálo Metéoro ist mit etwa 60.000 m² das Größte der Metéora-Klöster. Es liegt 613 m über dem Meeresspiegel und ist noch immer von Mönchen bewohnt. Seinen Namen Metéoro (der Schwebende) erhielt der Fels vom Gründer des Klosters, dem Mönch Athanasios. Zuvor hieß das Plateau lediglich Platýlithos (breiter Stein). Bis zum Jahr 1923 war das Kloster nur über Strickleitern bzw. eine Seilwinde mit Netz zu erreichen. Heute führt eine Steintreppe mit 143 Stufen und ein Tunnel in den Gebäudekomplex. In der Hauptkirche sind Fresken aus dem Jahr 1552 erhalten geblieben. Sehenswert ist auch die Einsiedlerhöhle des Athanasius am Klostereingang.

Die Kraxelei bei den Steintreppen bei Temperaturen um die 40 Grad bringen uns ordentlich ins schwitzen. Heidy noch vorschriftsgemäss mit Jacke und ich in langen Hosen geben heute zusätzlich warm. Die vielen Leute oben bei den Kirchen und unten in der Küche geben noch zusätzlich Wärme ab. Selbst im Weinkeller spüre ich nichts von erfrischender Kühle. Dass auch Mönche einen guten Wein gern getrunken haben ist bekannt aber gesottener Wein? Nein danke.

Also Treppe runter und dann wieder rauf und Fussmarsch von etwa 15 Minuten zum nächsten Kloster Varlaám:

Das Mitte des 14. Jahrhunderts zunächst als Einsiedelei gegründete Kloster ist noch ebenfalls bewohnt. Nach dem Tod des ersten Einsiedlers blieb das Gelände zunächst einige Jahre ungenutzt. 1518 wurde mit dem Bau des Klosters begonnen der wahrscheinlich 1535 abgeschlossen werden konnte. Die Stifter des Baus legten testamentarisch die zönobitische Lebensweise fest.

Die erste koinobitische (zönobitisch) Mönchsregel stammt vermutlich von Pachomios (um 292–346) aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts.

Im Koinobitentum sind eine größere Anzahl von Mönchen zu einem Leben in räumlicher und asketischer Gemeinschaft unter einheitlicher Leitung und hinter hohen Mauern vereint. Die wesentlichen Merkmale sind die Gemeinsamkeit des Lebensraumes, die Gleichartigkeit der Kleidung und die Unterordnung durch Zucht und Gehorsam.

Der Tagesablauf im Kloster beruht auf dem Wechsel von Arbeit und Gottesdienst. Die militärische Ordnung ist nicht zu übersehen: es herrscht strenge Zucht, Pachomios übte die Prügelstrafe selbst oft aus. Dagegen gibt es eine gute Versorgung der Kranken und Bedürftigen, sowie eine Ausbildung für die Jungen. Die strenge Askese der Einsiedler tritt zurück zugunsten eines geregelten Gemeinschaftslebens.

Die Mönche sind in ein einfaches, dunkles Gewand gekleidet, das Schema. Es ist mit Lederriemen zusammengebunden, die als Symbol für die Bindung des Mönchs an die Gemeinschaft durch sein Gelübde gelten. Am Ende von Pachomios Wirken gab es 9 Männer- und 2 Frauenklöster, mit über 10.000 Mönchen und Nonnen. Er stand in regem Schriftverkehr mit den Verwaltern seiner Klöster. Dieser Klosterverband war eine große Wirtschaftseinheit, eine Art Produktivgenossenschaft deren wirtschaftlichen Leitung einem Großökonom sogenannten Verwalter unterstand. Er legte zweimal im Jahr seine Generalabrechnung vor.

Pachomios ist heute leider nicht im kühlen Vorraum zur Kirche anzutreffen sonst würde er noch immer mit eigener Hand für Ruhe sorgen.

Hier versuchen wir an der Tür zu den für Mönche vorenthaltenen Räumen dem Gesang der Gottesmänner zu folgen. Mit kräftigen Stimmen sind harmonische Klänge zu vernehmen die wir förmlich Aufsaugen. Geistige Kraft eben die uns Gut tut und nicht von palavernden Italienern in verbotenen Shorts gestört werden sollten. Pachomios fehlt eben heute überall.

Wieder untem am Felsen zum Kloster Varlaam haben wir offensichtlich einen Fussweg nach Kalambaka entdeckt. Er ist zwar nicht bezeichnet und auch nichts angeschrieben, doch geländemässig könnte es hier zur 10 Kilometer weit entfernten Stadt und damit zum Camping gehen.

Gegen 1400 Uhr wollen wir jedoch nur verpflegt und mit der notwendigen Tranksame in dieser Hitze das Wagnis eingehen. Eine einfache Skizze und unser Urteilsvermögen im Gelände ist alles was wir derzeit haben. Als Versicherung haben wir noch unser GPS-Händi und die Telefon-Nummer 1414 dabei. Ob allerdings hier im Dschungel der Meteora-Gipfel uns die Rega rausholen würden bleibt unbekannt.

Bald haben wir das Tor des Klosters erreicht und der Weg führt steil hinab in die Meteora Felsen hinein. Sollen wir nun dem nur obeflächlich verlegten Kanalisationsrohr folgen oder lieber links halten. Wir entschliessen uns für links doch dieser Weg endet gerade dort wo es nur noch mit Klettergurt weitergeht. Als zurück durch Dornen und Brennesseln zum Kanalisationsrohr. Dies scheint der richtige Weg zu sein denn auch Scheisse will ja auch in die Stadt.

Plötzlich hinter mir ein markergreifender Angstschrei von Heidy und ein gewaltiger Satz vorwärts. Reflexartig schreie ich gleich mit und bewege mich ebenfalls nach vorn. Dann ein Blick zurück und sehe keinen Elefanten nur seinen Rüssel am Boden schleichen.

Eine beinahe armdicke Schlange verfolgt Heidy. Die überraschend auftauchende, dunkel gefärbte, etwa 1 Meter lange Schlange ist wahrscheinlich selbst überrascht und verfolgt Heidy nur, weil es praktisch in der Fallinie nach unten geht. Wo sie herkommt und wo sie hingeht ist uns gleich. Ob giftig oder ungiftig ebenfalls.

Einzige Konsequenz: Heidy lässt ihr hochgeknöpften Hosenbeine wieder runter und wird etwas mehr schwitzen. Im Traum wird die Schlange sie nächste Nacht nochmals verfolgen. Vielleicht findet sie dann auch noch die Lautsprecher in den Bäumen des Campingsplatzes welche Vogelgezwitscher verursachen.

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Quer durch Griechenland (Alexandropolis – Epanomi (Thessaloniki) …

Am Donnerstag nehmen wir die etwa 400 Autobahnkilometer nach Thessaloniki oder genauer gesagt Epanomi unter die Räder. Hier soll uns nach dem Kloopapierstrand von Alexandropolis (Aussage von Heidy) ein Traumstrand winken.

Gut gerüstet und vollbeladen mit Trinksame aus dem Lidl-Laden von Alexandropolis geht es auf der E90 in Richtung Westen. Die Holperei wie in der Türkei hat merklich nachgelassen und wir können auch verschriftsgemäss wieder die rechte Spur verwenden.

Beim nächsten Tankstopp für Euro 1.63 den Liter Euro-Diesel wird auch gleich noch 6 Atü Luft in alle vier Reifen gepumpt. Damit scheint die Seitenwindempfindlichkeit des Ducato ebenfalls beseitigt zu sein. Allerdings nur bis zur Einfahrt des Verkehrs aus Bulgarien. In der Steigung kurz vor Thessaloniki haben die bulgarischen LW tiefe Spurrinnen „eingefräst“. Einmal drinnen und man kommt fast nicht mehr raus. Rumlungernde Bulgaren an den Tankstellen hatten wir schon und jetzt werden wir sogar noch von bulgarischen Spurrinnen „attackiert“. Einmal Türkei und retour reicht uns für dieses Jahr.

Heidy‘s Traumstrand liegt im Süden von Thessaloniki. Also zweimal mitten durch oder zweimal rundherum, nämlich heute beim Feierabendverkehr und morgen bei Arbeitsbeginn. Also gut, wir haben Ankara und Istanbul geschafft und werden auch Thessaloniki schaffen. Allerdings wartet hier dichterer und viel mehr Verkehr auf uns und dies erst noch auf viel engeren Spuren. Griechenland beginnt eben ab sofort zu sparen: An der Spurbreite.

Dafür geben sie noch immer viel Geld für neue Verkehrsführungen aus. Soviel, dass unser Navi immer wieder in der Ansage stockt weil es feststellt, dass da eine Einbahnstrasse ist und dort ein Feldweg aufgehoben wurde. Jedenfalls erreichen wir gegen Abend unseren Platz bei Epanomi ohne eine holperige Strecke befahren zu müssen.

Heidy hat einen Volltreffen gelandet. Es ist wirklich ein Traumstrand, allerdings mit einem 2D Livekonzert aus Riesenlautsprechern. Gestern erlebten wir Livegeschrei von Dutzenden von Kindern und heute?

Nachts wache ich mehrmals auf weil das Livegejohle – nicht etwa von Kindern – sondern von Erwachsenen für Erwachsene noch immer tönt. Strandferien sind eben definitiv nichts für Müssiggänger und Faulenzer. Hier wird Durchstehvermögen verlangt und das haben die „Komposchti“ und „Gruftis“ sowieso nicht?

Dafür können sie noch immer früh aufstehen und altes Brot vom Vortag mit Konfi „schmieren“ wenn die anderen noch am bach(k)en sind.

Wir jedenfalls geraten so direkt in den Arbeitsverkehr und dank Heidy und Navi auch wieder raus. Nachdem wir den Verkehr zur Grossstadt hinter uns gelassen haben, Euro 6.- bezahlten geht es auf der E90 alsbald wieder aufwärts. Eine fantastische Autobahn mit zahlreichen Tunnels bringt uns von Meereshöhe auf über 800 müM. Und dies im 6. Gang und mit 100 km/h. Toll, was heute alles (der Dukato) möglich macht.

Jäh werden wir nach Verlassen der Autobahn und hinunter nach Trikala und den Meteora-Klöstern daran erinnert wie es früher war. Schmale Bergstrassen mit heute natürlich viel mehr Schwerverkehr. Den 6. Gang können wir in Pension geben dafür ist Gang 2 bis maximal 3 gefragt. Kurvig, steil bergab und entgegenkommende Lastwagen welche am Berg keinen Kilometer an Geschwindigkeit hergeben und selbst unübersichtliche Kurven noch links fahrend andriften verlangen von uns dafür besondere Vorsicht.

Nicht verwunderlich, dass Heidy noch immer auf dem Garden Camping von Kalampaka die Lautsprecher ausfindig macht welche Vogelgezwitscher verbreiten sollen. Ich warte sehnlichst darauf, dass dieselben Vögel unsere Sonnenstore nicht mehr verschei…. Entschuldigung verdrecken wird.

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Ausreise aus der Türkei

Von Camping Semizkum kommend fahren wir durch den Ort und dann bewusst verkehrt durch eine übersichtliche Einbahnstrasse in die Unterführung einer Autobahn. Von dort gelangen wir auf die richtige, westwärts führende Fahrspur.

In der Türkei sind solche Fahrmanöver alltäglich. Wir empfinden dies inzwischen auch nicht mehr als gefährlich weil jeder Rücksicht auf den anderen nimmt und keineswegs auf sein Recht beharrt.

Bis zur Grenze sind es noch ca. 180 km die wir zu etwa 90 % alles auf der linken Fahrspur zurücklegen. Die rechte Fahrspur ist von den Lastwagen derart mit Löchern übersät, dass wir unser Fahrzeug schonen wollen. Die wenigen PW’s können ja immer noch rechts ausweichen und uns überholen.

Bei Kesan haben wir die etwa 4000 km lange Roundtour durch die Türkei abgeschlossen und bei Ipsala erreichen wir den Grenzfluss Evros. Beim türkischen Grenzkontrollposten auf einer Flussinsel gelegen herrscht überhaupt kein Gedränge. Nach einer streng bewachten Eingangskontrolle werden wir zur eigentlichen Zollabfertigung vorgelassen.

Dort hämmert uns ein sitzender Beamter je 3 Stempel in unsere Pässe und fragt gleich wie bei der Einreise ob wir allenfalls ein Motorrad mitführten. Dann können wir bereits die Ausgangskontrolle passieren und über eine weitere Brücke zum griechischen Zoll fahren.

Hier werden wir von 3 LW gestoppt die aufgereiht offensichtlich auf irgendetwas warten müssen. Als uns ein Reisecar überholt und in einer unübersichtlichen Kurve vorfährt ziehen wir nach. Dann geht es auf griechischen Seite durch ein Wasserbad (vor 28 Jahren war es genau umgekehrt) und wir reihen uns in die Spur für EU und CH-Bürger ein.

Ein PW mit SRB-Schildern versperrt dabei beide Spuren. Dahinter warten genau vier Fahrzeuge die nun alle ungeduldig werden. Vermutlich sind die Papiere des Serben nicht in Ordnung und ein Palaver geht los. Kommt hinzu, dass die weiteren mitfahrenden Personen mit ihrem Fahrzeug die gesamte Grenzkontrolle lahmlegen. Endlich wird vom nachfolgenden Lenker das Fahrzeug halbwegs zur Seite geschoben. Heidy ist mit den Pässen bereits ausgestiegen und möchte sie zeigen. Der griechische, offensichtlich gestresst scheinende Zollbeamte schnauzt sie an und will wissen was sie als EU- bzw. Schweizer-Bürger damit möchte. Weiterfahren lautet doch die Devise was uns mit unserem breiteren Fahrzeug unter kräftiger Mithilfe der Hupe schliesslich gelingt. Der Serbe wird zur Seite gepustet und wir können endlich zur griechischen Endkontrolle vorfahren.

Gleich darauf sind wir auf der griechischen Autobahn Richtung Alexandropolis und machen beim ersten Rastplatz halt. Erstaunt bin ich ob der Sauberkeit auf den Rastplatz Toilletten. Ueber einen Monat habe ich kein so sauber wirkendes Pissoir gesehen wie hier.

Dabei ist gerade ein Mann des Unterhaltsdienstes dabei den Rastplatz vom Unrat oder was dafür gehalten wird zu reinigen. Mit einem normalen Stubenbesen findet er ein paar Blätter die ihm ins Auge stechen und weggeräumt werden müssen. Auf einer überdeckten Bank stillen wir unseren Hunger und nach einer halben Stunde sind wir bereits auf dem Camping von Alexandropolis. Welch eine Wohltat?

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Westwärts – Richtung Heimat!


Gestern kamen bei mir erstmals Zweifel auf, ob wir für dieses Jahr das richtige Reiseziel gewählt hätten. Meine Erinnerungen an die Türkei von früher waren vielleicht etwas zu stark geprägt von persönlicher Nostalgie. Heute kamen wir jedoch zum endgültigen Schluss: Wir wollen westwärts – da liegt unsere Heimat!

Generell haben Touristen hier nichts zu befürchten. Sie sind schliesslich diejenigen die das Geld ins Land bringen. Und doch fühle ich mich hier nicht mehr vollständig frei. Die ständige Indoktrination der offiziellen muslimischen Türkei durch die immer präsenten Lautsprecher zehren an meinen innersten Nerven. Gott sei Dank kann ich die immer gleich klingende, sirenartige und gebetsmühlenhafte Sprache der Muezine nicht verstehen. Heute wollen wir westwärts solange es die Lage noch erlaubt.

Früh stehen wir auf, programmieren der Navigation unser letztes Ziel (in der Türkei) und geben heute Sonntagmorgen unserem Fiat Dukato nochmals genügend Treibstoff für die Fahrt über die Berge Richtung Westen. Die erste Tankstelle beglückt unser gar mit einem Literpreis von TL 3.28 was etwa Fr. 1.70 entspricht.

Auf der vierspurigen, gut ausgebauten Schnellstrasse sind heute wiederum viele Pferdefuhrwerke, Traktoren oder Einachser unterwegs. Uns schien es als würden alle einen Sonntagsausflug machen, denn die Ladebrücken der Gefährte waren nicht mit Waren sondern mit Menschen beladen. Der Verkehr ist jedoch gering sodass diese Gefährte für uns kein Hindernis darstellen.

Schnell haben wir die Autobahn Ankara – Istanbul erreicht. Auf der Gegenseite sehen wir immer öfter Staus. Heute ist für die Türken Ferienbeginn und sie wollen eben Ostwärts. In Istanbul werden wir auf die nördlich liegende Bosporus-Brücke geleitet. Alles verläuft wie bei uns in den Grosstädten etwas hektisch nur dass die Türken das Wedeln eben nicht auf Skipisten sondern auf der Autobahn vollziehen.

Bereits gegen Mittag erreichen wir den total überfüllten Campingplatz von Semizkum am Marmarameer. Uns wird vorrerst ein provisorischen Platz zugewiesen den wir für die kommende Nacht gleich beibehalten.

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Die Türkei ist „LAUT“ geworden!

In den vergangenen 30 Jahren bereisten wir die Türkei in Abständen zum Dritten mal. Jedesmal bei einer Idividualreise über mindestens 6 Wochen schien es mir, dass sie nun wieder ein bisschen „LAUTER“ geworden sei. Diesmal war sie jedoch unüberhörbar „LAUT“.

In der Alltagskultur changiert bekanntlich die Türkei zwischen zwei Polen: Der Bewahrung von traditionellen Werten und der raschen Übernahme westlicher Lebensstile.

Auch für uns waren die Unterschiede zwischen dem Leben auf dem Lande und in den Städten geradezu ein Schock. Seitdem das System staatlich garantierter Preise aufgegeben wurde, sind die Einkommen der Landbevölkerung ins Bodenlose gefallen. Lehrer in den Städten verdienen immerhin noch etwa Euro 650.- wogegen die Spitzenlöhne in Touristenrestaurants bis über Euro 3000.- liegen. Dass die verarmte Landbevölkerung immer mehr in die Städte drängt ist verständlich.

Darum stellt man heute in der Türkei im wahrsten Sinne des Wortes eine
„Zerrissene Gesellschaft“ fest.

Der Vormarsch islamisch geprägter Einstellungen als verbindendes Glied ist daher unübersehbar. Jährlich werden etwa 1500 neue Moscheen gebaut und die Schulabgänger auf den religiösen Iman Halip Schulen liegt inzwischen bei über 100‘000. Während noch im Jahre 2008 versucht wurde diesen Trend zu unterbrechen und die AKP Partei ihres Führers Erdogan zu verbieten hat Erdogan bei der Abstimmung vom 19. Juni 2011 demokratisch die absolute Mehrheit nur knapp verpasst. Sobald er diese Errungen hat, wird er die Verfassung nach seinem Gutdünken ändern und vermutlich einen islamischen Gottesstaat ausrufen. Notabene ohne weitere Befragung des Volkes.

Die allgegenwärtigen Lautsprechersysteme der Muezine laufen schon heute auf Hochtouren. Zum Tagesanbruch (etwa 0415 Uhr) wird die Bevölkerung zum Gebet gerufen, ebenso etwa um 1345, 1645 und 2045 Uhr. Dazwischen werden aber noch ganze Predigten verlesen (3/4 Stunden) und das in einer Lautstärke, welche auch drinnen ein Weghören schwierig sein dürfte. In Annamur beispielsweise konnten wir miterleben wie wir bis auf 20 Zählen konnten bis das letzte Lautsprechersystem zu unseren Ohren drang. Dies gibt etwa die Leistungsfähigkeit der über 7 Kilometer hörbaren Lautsprecher wieder. Auf dem Burgberg von Bergamon waren die gleichen Ansagen von Bergama mehrfach und verzögert eindeutig durch ein zentrales System zu vernehmen.

Der Umgang mit den islamischen Geboten hat sich in der letzten Dekade sehr stark verändert. Die ständige Benutzung der Lautsprecher auch für nicht religiöse Durchsagen wird zwar die Bevölkerung abstumpfen und schläfrig machen aber es wird für viele ein böses Erwachen geben. Der syrischen Präsident Assad wird vermutlich seinem Freund Erdogan nicht mehr beistehen können genauso wie der Lybische Präsident sein Zelt nicht mehr im Garten der Villa Berlusconi in Rom aufstellen wird.

Unser Umgang mit der Bevölkerung war praktisch ausnahmlos freundlich und zuvorkommend. Eine ältere Muslimin die in Akcakoca das Absperrband in Sichtweite der Polizei zerriss um uns auf der Ehrentribüne Platz anzubieten war sicher nicht typisch, doch die Hilfsbereitschaft bei der Suche noch irgendetwas war immer ehrlich und zweckmässig. Doch auch die Pfiffe eines vielleicht 10 Jährigen an Heidy war für sie zwar lästig doch weil er gelernt hat, dass Frauen generell behandelt werden dürfen wie es einem Mann zusteht vermutlich für ihn als Kind ebenfalls ehrlich gemeint.

Darum hoffe ich auch, dass die europäische Staatengemeinschaft eine homogene Gemeinschaft des Abendlandes bleibt und die Türkei als das angesehen wird was sie ist. Ein islamischer (Gottes)-Staat.

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Festival von Akcakoca / Türkei

Hier an der Schwarzmeerküste ungefähr bei 41-05-31 Nord und 031-06-64 Ost erleben wir eine Fremdenverkehrs-Stadt mit einem Einschlag des gegenüber liegenden Landes der Ukraine. Zwar liegen etwa 10 km vor der Küste Bohrtürme für Erdgas und Erdoel (ABD Kanada und TPAO Türkei) die Küste hat jedoch ihren Ursprung beibehalten und ist relativ wenig mit Bauruinen übersät.

Heute Freitag sind wir per Zufall an ein lokales Fest gestossen, das immerhin in einem Büchlein des Fremdenverkehrsvereins Beachtung findet.

Das „Turizm ve Findik Festivali“ ist ein Fest mit Ansprachen von Lokalpolitikern, Militärangehörigen, Künstlern und Sportler. Wir werden Zeuge der gesamten Veranstaltung mit etwa 100 Zuschauern. Für uns interrasant sind die vielen Polizisten und auch eine Politesse welche die Veranstaltung begleiten. Trotzdem empfindet offenbar eine muslimische Frau keinerlei Respekt vor der Obrigkeit und zerreisst vor uns brutal das Absperrband um uns auf die Ehrentribüne zu lotsen. Wir aber lehnen dankend ab und bleiben lieber etwas im Hintergrund.

Bereits bei der Fahrt vom Camping in die Stadt wollte der Dollmus-Fahrer partout kein Geld dafür. Vielleicht wegen dem Fest oder einfach weil er uns eine Freude machen wollte.

Rote Maulbeeren

Morus rubra (Roter Maulbeerbaum)
Erst ein hungriger Türke machte mich auf eine Frucht aufmerksam welcher er direkt vor uns naschte bzw. gierig ass.
Der ca. 10 Meter hohe Baum hatte weisse bis rotgefärbte ovale Beeren welche etwa 2 cm lang sind. Sie könnten zur Gattung des roten Maulbeerbaumes gehören. Allerding soll diese Gattung in den USA vorkommen und nicht in Europa. Blätter und Stamm stimmen mit Wikipedia genau überein und ihr Geschmack ist süsslich.

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Safranbulo – Karabük – Zonguldak – Akcakoca / Türkei

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Schulhausplatz von Safranbolu entschliessen wir uns durch das pontische Gebirge direkt ans Schwarze Meer zu fahren.

Tiefe Schluchten und Baustellen wechseln sich entlang einer Eisenbahnlinie ab.

Nach etwa 150 km oder 3 ½ Stunden erreichen wir Zonguldak und finden eine neue, prächtige Schwarzmeerküste im Aufbruch vor. Schöne öffentliche Anlagen wechseln sich mit schäbigen Privathäusern ab. Auch das Wetter trübt sich ein und so sind wir froh als wir nach weiteren 100 km Akcakoca und dem entsprechenden Zeitaufwand erreichen.

Eigentlich wollten wir hier ein paar Tage ausruhen, doch die Baustelle auf dem Campingplatz Tecel (Tecel erhält einen Gasanschluss) ist es mit der Ruhe vorbei.
Während dem Nachtessen sehen wir immer mehr Delphine an der Steilküste miteinander spielen und ein Gewitter überzieht uns.

Als heute der Bauläum weitergeht und hinter uns ein Arbeiter zusätzlich noch mit der Aufbereitung eines riesigen Stapels Holz beginnt steht unser Entschluss fest.
Morgen geht es weiter. Wohin wissen wir noch nicht, einfach der Schwarzmeerküste entlang.

Soeben ist eine Investorengruppe auf dem Platz zur Besichtigung erschienen. Ob sie Zuschlagen und das Kleinod erwerben wissen wir nicht. Das schlechte Englisch des Chefs wird aus unserer Sicht dazu aber nicht reichen.

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Safranbolu / Türkei

Ein Kleinod besonderer Art ist das Städtchen Safranbulo in den westlichen Ausläufern des Pontischen Gebirges. In historischer Zeit verdankte die Stadt ihren Wohlstand an der Nebenroute der Seidenstrasse. Als Karawanenstation entwickelte sie sich zu einem bedeutenden Handelszentrum für Lederwaren und vor allem von Safran das zu den wichtigen Erzeugnissen der Region gehörte.

Bis zum Ende des Osmanischen Reiches stellten die Griechen einen Drittel der Bevölkerung. Mit der Aussiedlung von etwa 1.3 Million Griechen aus der Türkei 1923 begann der Verfall. Seit 1980 werden die Häuser zumeist als Wochenendsitze oder Pensionen wieder restauriert. Heute gehört die Altstadt der Liste des Weltkulturerbes an.

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Aksaray – Gölbasi (Ulasan Hotel/Camping – Safranbolu (Otopark)

Die zwei Ueberführungs-Etappen von Aksaray nach Gölbasi bzw. weiter nach Safranbolu bestanden bis Ankara mehrheitlich aus guten bis sehr guten 2 spurigen Schnellstrassen.

Kurz nach der Abfahrt überholen wir zwei auf dem Seitenstreifen fahrende Pfedegespanne in gleicher Richtung. Wenig später kommt uns ein kleiner Lastwagen entgegen. Auf Grund der riesigen Staubfahne die er hinter sich herzieht offensichtlich in schnellem Tempo. Weil der Lastwagen auch noch die Normalspur benutzt muss ich auf die Ueberholspur ausweichen. Beim Kreuzen grüssen wir uns freundlich. Zwar nur kurz, denn wir sind etwa mit 90 km/h unterwegs und er vielleicht mit 70. Da hat man nicht viel Zeit einander ausgiebig zu begrüssen.

Die Vortrittsregeln auf Autobahnen und mehrspurigen Schnellstrassen weichen offensichtlich gegenüber dem europäischen Verkehr ab. Derjenige der die Spur wechselt oder wechseln muss hat Vortritt. So kommt es nicht selten vor, dass wir auf der Ueberholspur fahrend plötzlich praktisch anhalten müssen, weil ein langsam fahrender Lastwagen diese Spur ebenfalls benutzen will oder muss. Langsam heisst meistens an Steigungen bei LW Schritttempo. Im 3. oder 4. Gang heisst das bei unserem Ducato eben 70 bis 90 km/h.

Grundsätzlich sind Schnellstrassen gleich ausgebaut wie Autobahnen. Gegenüber mautpflichtigen Autobahnen haben Schnellstrassen innerorts immer auch Lichtsignale. Diese werden meistens durch ein Blinklicht angekündet und sind mit 50 km/h vorsignalisiert. Kommt man 90 km/h daher und lässt das Fahrzeug auf 50 km/h verzögern lauert die Gefahr viel eher von hinten. Dann brausen die schweren Brummer links oder rechts an einem vorbei denn bremsen könnten sie auf das Lichtsignal hin so oder so nicht. Beginnt das Lichtsignal gelb zu blinken weiss man, dass in etwa 5 Sekunden Rot folgt. Auch hier gilt, dass Rot Halt bedeutet, doch nur dann wenn nicht unmittelbar dahinter ein LW folgt. Eine Schnellbremsung könnte eine Auffahrkollision bedeuten. So scheint es weit weniger gefährlich zu sein bei 3 Sekunden bei Rot über die Kreuzung zu blochen als bei Rot anzuhalten. Ueberhaupt schien mir, dass eine Reduktion der Geschwindigkeit auf die vorgeschriebenen 50 km/h gefährlich ist, weil immer dann die hinter einem aufschliessenden Lastwagen gefährlich nahe aufschliessen und bei einer Vollbremsung mit Sicherheit nicht mehr anhalten könnten.

6-spurige Schnellstrasse bei Gölbasi

Die letzte Hürde auf diesen etwa 200 km zwischen Aksaray und Gölbasi bei Ankara ist die Ueberquerung der 6-spurigen Autobahn. Die Zufahrt zum 4 Sterne Hotel Ulasan erfolgt zwar über eine Nebenstrasse doch zu dieser kommt man nur, wenn man am richtigen Ort die Autobahn überquert.

Praktisch auf den Meter genau gibt uns das Navi diese Stelle bekannt. Wir fahren also auf dem Seitenstreifen langsam auf diese Stelle zu und warten eine Verkehrslücke ab. Dabei sehe ich, dass im geöffneten Mittelstreifen dieser zu kurz ist um unseren Camper aufzustellen. Wir müssen also ihn auch längs aufstellen, damit nicht etwa das Heck in die 2. Ueberholspur ragt. Diese ersten drei Spuren sind geschafft und nun muss nur noch die aus Ankara führenden 3 Spuren überquert werden. Sicher mit über 120 km/h brausen Pw mit einen Abstand von etwa 1 Meter an uns vorbei. Auf der Gegenseite wartet ebenfalls ein Pw der die Autobahn überqueren will. Als keine PW’s mehr in Sichtweite auszumachen sind, wird der Versuch gewagt die 3 Spuren zu überqueren. Ein einzelner Lastwagen ist zwar in Sichtweite, doch etwas langsamer als die PW. Camper also aus der Gegenrichtung in die Querrichtung stellen und die Autobahn zum Hotel Ulasan überqueren. Nochmals geschafft, doch morgen muss die gleiche Prozedur nochmals gewagt werden. Dann jedoch mit kaltem Motor.

Camping beim Ulasan Hotel Gölbasi

Auf der hinteren Seite des Ulasan Hotels – direkt neben einer Natel Antenne – mit Blick auf den Mogan Gölü (See) werden wir die nächste Nacht verbringen. Wir sind alleine hier und trotzdem ist es uns wohl. Heidy macht noch ein paar Züge im Swimmingpool bevor wir anschliessend im Hotel zu Nacht essen.

Auch sind wir in der riesigen Hotellobby alleine und im Restaurant erscheinen später noch zwei türkische Gäste. Die geben den 1. aufgetischten Gang gleich wieder zurück wobei ich beobachten kann, dass der Kellner auf dem Weg zur Küche selbst einen Happen vom Teller probiert.

Eine Eigenheit des türkischen Alltages ist, dass man weder auf Campingplätzen noch in Hotels eine Quittung erhält. Zwar wird auch im Restaurant immer eine Quittung in einem Behältnis präsentiert in die man das Geld legt, doch nicht nur Geld sondern auch die Quittung behält der „Verkäufer“ immer für sich. Im Hotel Ulasan präsentierte er die Rechnung gleich im Doppel. Weder Original noch die Durchschlagskopie durfte ich trotz Bitte nicht behalten. Eben andere Länder andere „eigenartige“ Sitten (Steuerumgehungen).

Auf dem offiziellen Parkplatz in Safranbulo werden wir die nächste Nacht verbringen. Der Parkplatzwächter verlangt zuerst TL 20.- dann reduziert er jedoch auf TL 15.-. Wenigsten bekommt man dafür ein Ticket.

Als zwei weitere Camper direkt auf dem Schulhausplatz übernachten, fühlen auch wir uns Sicher. Ausnahmsweise ohne Stromanschluss werden wir nach einem regnerischen Abend die Tagesschau konsumieren und anschliessend uns im Camper ins Bett legen. Uns wird wieder einmal bewusst wie konfortabel wir reisen.

Ein paar Stunden zuvor konnte ich beobachten wie 4 türkische Frauen auf dem Parkplatz des Carfours-Einkaufscenters in Karabük auf der hinteren Sitzbank eines kleinen Renaults Platz fanden. Dies war mir schon ein Rätsel aber als dann noch eine junge, zwar schlanke, westliche gekleidete Frau mit Händy sich schlichtweg quer auf die Oberschenkel der 4 türkischen Frauen legte stockte mir der Atem.

Jetzt erst wurde mir klar: Mit einem menschliche Airbag auf den Knien muss man sich nicht mehr anschnallen. Ich glaube auch nicht, dass Renault bei den türkischen Auto’s serienmässig auf der Rücksitzbank 5 Sicherheitsgurte anbietet. Jedenfalls ging das kleine Auto hinten kräftig in die Knie.

Bei einer allfälligen Panne muss sich der Fahrer ab sofort nicht mehr um das Abschleppen kümmern. 6 Frauen als Schiebepferde stehen ab sofort jederzeit und kostenlos zur Verfügung.

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Göreme – Nevsehir – Derimkuyu – Nevsehir – Aksaray / Türkei

Nach 5 Tagen auf dem Panorama Camping bei Achmet wollen wir weiter. Dabei möchten wir auf dieser Etappe die grösste unterirdische Stadt in Derimkuyu besuchen.

Heute ist Sonntag und bereits gestern haben die Einheimischen markant an ihrer Zahl zugenommen. Zudem soll die unterirdische Stadt am Montag geschlossen sein. Also früh aus den Federn damit die 39 km dorthin möglichst bis 0800 Uhr bewältigt werden.

Rechtzeitig aber doch später als geplant kommen wir in Derimkuyu an und lösen ein Ticket für den freiwilligen Kriechgang in die 10 Stockwerke tiefe Stadt. Gleich am Anfang der Besichtigung treffen wir auf einen inoffiziellen Führer welcher natürlich gegen enstprechendes Salär die Stadt zeigen möchte. Erstens sollen die offiziellen Wege gut ausgeleuchtet sein und zweitens mit roten Pfeilen nach Unten und blauen nach Oben gekennzeichnet sein. Wir aber glauben diese Tour von alleine zu schaffen.

Gleich nach dem Start stellen wir fest, dass offenbar früher die Leute viel kleiner gewesen sind, denn auch auf allen Vieren schlage ich hin und wieder mal meinen Kopf an der Decke an. In dem Gang zum Teufel nach unten ist eine Umkehr für mich unmöglich, weil ich mit meinem kleinen Rucksack einfach keinen Platz zum Wenden finde.

Immer wieder faszinieren mich die Mühlsteine mit denen sich die cleveren Bewohner vor Feinden schützten. Aehnlich einem Reduit habe sie die Steine von Innen wenige Dezimeter zur Seite gerollt und den Gang damit verschlossen. Gleich mehrere Stockwerke nacheinander hatte so einen Verschluss. Ebenfalls faszinierte mich das natürliche Belüftungssystem. Die Städte waren übrigens durch ein Kilometer langes Tunnelsysteme untereinander vernetzt.

Je tiefer wir kommen desto mehr beleuchtete Gänge führen in eine Sackgasse. Dafür fehlen die entsprechenden Markierungen. Entweder sind wir bereits vom Kriechgang zu müde um richtig zu sehen oder einfach vernebelt. Jedenfalls wünschten wir jetzt einen Führer, aber der ist weit über uns. Um unsere Kräfte zu schonen wird Heidy als Kundschafterin vorausgeschickt und falls sie etwas findet kann es weitergehen. Doch sie kehrt immer wieder zurück.

Plötzlich sehe ich Bilder von Chilenischen Bergarbeitern welche ein paar Monate im Stollen verschüttet und nicht mehr raus konnten. Nur schon der Ausfall des elektrischen Lichtes wäre hier katastrophal. Wir haben zwar unsere LED-Lampen bei uns aber nichts zum Essen. Weil wir eine kreuzähnliche Stelle im Stollen finden sind wir uns sicher am untersten Punkt angelangt zu sein. Die Stadt ist noch nicht gänzlich erforscht und das wollen wir heute auch nicht selbst tun doch weiss man, dass sie bis etwa 100 Meter tief gehen soll. Ueber uns liegen also lediglich 40 Meter Tuffstein. Oder sind es etwa mehr?

Plötzlich sehen ich wieder einen blauen Pfeil und der führt ja bekanntlich nach oben. Wenig später fühlen wir eine gewisse Feuchtigkeit im Stollen. Ein Zeichen, dass hier die warme Luft von draussen auf die Kalte von Innen trifft. Nach langem hören wir auch wieder Stimmen und das Licht brennt immer noch. Wir haben noch einmal Glück gehabt. Alle Chilenischen Bergarbeiter wurden schliesslich auch gerettet und wir kommen ebenfalls wieder ans helle Licht.

Wir waren gut 2 Stunden unterwegs und stellen fest, dass wir nur gerade etwa 50 Meter zurückgelegt haben. Trotzdem sind wir ausnahmslos glücklich.

Die Lust auf Experimente ist für heute gedeckt. Wir entschliessen uns den ca 40 km längeren Umweg zurück nach Nevshehier unter die Räder zu nehmen und nicht den direkten nach Aksaray. Auf dem dortigen Mocamp stellen wir unseren Camper ab und reinigen ihn von Aussen mit dem mitgeführten 30 Meter langen Schlauch. Erstmals seit langem haben wir wieder einen passablen Wasserdruck dafür. Die folgende Nacht werden wir ganz alleine auf dem riesigen Gelände schlafen und unsere Berichte schreiben. Das lenkt uns etwas ab.

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Weltkulturerbe UNESCO (Freilichtmuseum Göreme)

Heute Samstag wollen wir den Museumspark von Göreme besuchen. Das versteckte Areal war zur Blütezeit des Byzantinischen Reiches ein Zentrum frommer, weltabgeschiedener Mönchsgemeinschaften.

In Felswänden und Tuffkegeln entstanden damals zahlreiche Kirchen und Klöster, deren Architektur und Ausmalung einzigartig sind und von der UNESCO auf die Liste der Weltkulturerbes gesetzt wurden.

Gleich beim Eingang fallen im Gegensatz zu vielen anderen Sehenwürdigkeiten rund um Göreme die vielen Baustellen auf. Hier werden offenbar die Altertümer nicht einfach ihrem Schicksal überlassen sondern überall wird ausgebessert und dem Erhalt des Kulturgutes die notwendige Beachtung geschenkt. Von wessen Geld wäre noch Interessant zu wissen.

Majestätisch begrüsst der Nonnenfelsen oder das Mädchenkloster den Besucher. Die bedeutende Karanlik Kalisi (Dunkle Kirche) deren Malereien vor einem Jahrzehnt mit Unterstützung der UNESCO restauriert wurde war Teil eines Klosterkomplexes und befindet sich weit oben. Neben dem Eintritt von TL 15.- muss diese Kirche noch extra mit TL 8.- berappt werden.

Die Malereien aus dem 11. bzw. 12. Jahrhundert zählen mit zu den Besten was sich in Göreme erhalten hat. Hier dürfen zwar Fremdenführer mit Laserpointern die Bilder erklären, fotografieren ist jedoch strengsten verboten. Trotzdem gelingt es mir – selbsverständlich ohne Blitz – ein paar verdeckte Aufnahmen zu machen. Für eine Amateurkamera – wie ich meine – gar nicht so schlecht.

Unterhalb der Kirche liegt ein Refektorium, wo die Mönche ihre Mahlzeiten einnahmen. Die aus dem Tuff geschnittenen Bänke und der Tisch ähnelt einer Abendmahlszene. Dann kommt eine Küche und diverse Vorratsräume.

Die Tokali Kalisi liegt ausserhalb des Museumsareals an der Strasse zu Göreme. Der Bau besteht eigentlich aus drei Kirchen unterschiedlicher Bauphasen. Die Malereien wurden im unteren Bereich durch Besucher beschädigt und sind nun durch hölzerne Einbauten geschützt. Auch hier ist fotografieren strengsten verboten.

Wir schliessen die etwa 8 km lange Wanderung bei 36 Grad vom Camping zum Museum und zurück im gleichen Restaurant ab wo wir mit Osama auf unserer Rundtour bestens gegessen haben. Diesmal aber mit Kebab im Tongefäss welcher vor unseren Augen aufgeschlagen und der untere Teil mit Fladenbrot serviert wird. Eine herrliche Speise mit einem Schluck Rotwein. Osama freut’s auch.

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Die lautlosen Unheimlichen?

Was sind den das für unheimliche Viecher welche im frühen Morgengrauen durch die Täler von Göreme ziehen?

Sie schleichen sich lautlos von Norden her an, haben zwar keine Beine und Räder und trotzdem kommen sie weiter. Dass sie leben hört man spätesten dann, wenn einer von Zeit zu Zeit tief Luft holt und mit hörbarem Gezische wieder ausstösst. Sie kommen gleich einer Invasion einer um den anderen. Die Schlange will und will nicht mehr enden.

Unten am Bauch hängen riesige Körbe welche menschliche Wesen mitführen. Kleinere Körbe fassen ein oder zwei, grössere bis zu 50 Menschen. Dichtgedrängt stehen sie im Korb. Keiner regt sich. Sie sind mückschen still und könnten gar nicht umfallen. Sie staunen bloss. Die hinteren können nicht mal auf die Erde gucken. Nur die Sicht zum Himmel steht ihnen – vielleicht offen – aber dann schauen sie direkt ins feuerspeiende Maul. Unheimlich?

Aber es ist kein Viech aus der Antike sondern modern und aktuell aus der heutigen Zeit. Die Einen sind unten, die Anderen oben. Diejenigen die unten sind wollen rauf. Die Oberen können angeblich nicht nach unten. Da sind schon viel zu viele. Hier spielt eben unsere heutige Gesellschaftsordnung mit.

Kaum steht die Sonne am Horizont geht ihnen förmlich die Luft aus. Am 5. Juni 1783 hatten die Gebrüder Montgolfier bereits das gleiche festgestellt. Mit Hühnern und einem Güggel hatten sie erste Versuche unternommen. Heute sind diese Tiere seltener als damals darum werden eben Menschen mitgenommen. Es könnte ja auch schiefgehen.

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Rund um Göreme / Türkei

Heute ist mit dem Vater von Achmet (Camping Chef) eine Tour um Göreme geplant. Um 1000 Uhr fahren wir mit seinem Minibus zuerst ins Dorf zu einem seiner Söhne. Diesen nehmen wir ein Stück weit mit und wir fahren weiter Richtung Avanos.

Mitten in einem Bachbett lassen wir den Bus stehen und marschieren zu einem der Tufftürme. Dabei begegnen wir einem zukünftigen Weinbauern, der gerade mit einem Pferd sein kleines Stück Land pflügt. Wahrscheinlich will er dort Reben pflanzen. Das Pferd scheint wenig Mühe zu haben, den sandigen oder besser gesagt die Tufferde zu pflügen. Unweit davon pflügt ein weiterer Bauer seine mit Gras überwachsenen Weinstöcke maschinell mit einem kleinen Traktor. Bei einem Sodbrunnen testet der Vater durch herablassen mehrerer Steine den Wasserstand. Der Stein fällt tief, sehr tief sogar und der Vater meint, dieses Jahr habe es viel zu wenig Wasser.

Es ist eines der unzähligen Tuff-Monumente mit einer ehemaligen Kirche darin das er uns zeigen möchte. Leider zerbröckeln bzw. zerfallen diese Türme immer mehr. Uebrigens, dies stellen wir im ganzen Gebiet von Göreme fest. Einerseits sind diese Türme der Witterung ausgesetzt und andererseits werden diese zweckentfremdet, das heisst beispielsweise hier wurde ein Reservoir eingebaut.

Weiter geht es Richtung Zelve. Bei unserem Turm mit Hut wo wir 1983 eine Foto mitsamt unserem Camper geschossen haben ist nun die Jandarma einquartiert. Rundherum sind lauter Verkaufsläden aufgebaut. Damals war nichts, einfach unberührte Landschaft. Heute wurde dieser wunderbare Naturpark kommerzialisiert. Dafür zerfallen die in Stein gehauenen Behausungen immer mehr. Trotzdem schiessen wir hier zahlreiche Fotos um alles zu dokumentieren. Spätere Generationen werden hier wahrscheinlich nur noch einen Sandhaufen vorfinden.

Der Schöpfer dieser Landschaft, der Erciyos Dagi schleuderte bei wiederholten Ausbrüchen unmengen von Tuffasche in das umliegenden Gebiete. Die Ablagerungen von verschiedener Festigkeit wurden durch Witterungseinflüsse geformt.

Im 7. Jahrhundert flüchteten die ersten Bewohner vor den Arabern hierher und gruben sich förmlich im weichen Gestein ein. Ganze Städte entstanden die wiederum untereinander durch Tunnels verbunden waren. Die Zugänge wurden mit riesigen Mühlsteinen verschlossen.

Die wichtigsten Kirchen und Klöster entstanden währende der Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert. Später setzte der Rückgang ein und 1923 wurden hier die letzten Christen evakuiert. Dann wurden diese Höhlen vergessen oder zweckentfremdet. Heute pflegt der Islam einzig seine später in Moschen umgebauten Kirchen und der Rest ist dem wohlwollen westlicher Institutionen ausgesetzt.

Gerade das Museum von Zelve ist ein Beispiel dafür. Für TL 10.- bekommt man eine zusammengefallene, ehemals fantastische und reiche unterirdische Stadt zu Gesicht welche nur noch im Ansatz erahnen lässt wie es einmal ausgesehen haben könnte. Die Witterung wird den Rest vollbringen und das ganze als Sandhaufen zurücklassen.

Die Einwohner können heute mit dem Tourismus und ihrer Landschaft viel Geld verdienen. Jeden Morgen steigen beispielsweise unzählige Ballone (über 44) auf und sehen die Täler von oben. Auch von unten sind die farbigen Ungetümer mit Körben von etwa 50 Passagieren im morgengrauen gut aus wie sie langsam in die Täler hinunterschweben, dort verharren und meistens auch wieder aufsteigen.

Wir aber setzten unsere Rundtour zum Kamel fort. Einer Gesteinsformation die den meisten Touristen wohl bekannt sein dürfte. Manche sehen darin ihr Ebenbild.

Dann geht es Richtung Avanos zu einer Manufaktur für Teller, Vasen, Weingebinden oder sonst noch für Dinge die Geld bringt. Inklusive einer „gratis“ Bruchgarantie für den Heimtransport.

Am Schluss besuchen wir noch den Felsen von Urgüp der ebenfalls Höhlen aufweist. Auch hier mussten einzelne Wege hinauf auf die oberste Plattform mit einer wunderbaren Aussicht gesperrt werden. Auf der Heimfahrt gegen 1600 Uhr fährt Vater Achmet noch an einem riesigen Stand für Viagra-Produkte vorbei und weil die Zeit noch reicht, sollen wir den letzten Weg der Strecke zu Fuss gehen. Er werde unten warten. Vielleicht will er testen, ob wir soeben Viagra gekauft und eingenommen haben.

Leider haben wir den Preis von Euro 150.- bereits am Vortag mit Achmet vereinbart. Obwohl er auf einem A4 Blatt 19 einzelne Punkte aufschrieb, wir aber darunter nichts vorstellen konnten, willigten wir ein. Im Nachhinein war diese ca. 20 km Fahrt mit dem Minibus viel zu teuer. Praktisch ohne Informationen des Vaters (kein Englisch, kein Deutsch) hätten wir eine solche Fahrt bei der örtlichen Info für TL 70.- pro Person günstiger und weit informativer haben können.

Aber Achmet dachte, Touristen haben ja Geld und wollen gemolken werden. Sie sind geduldig und müssen eh nie arbeiten. Jetzt erst ist mir klar, warum Achmet die 150.- Euro triumphierend vor unseren Augen schwenkte, als er sie in Händen hielt.

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Silifke – Mersin – Nidge – Nevsehir – Göreme / Türkei

Kaiser Friedrich der I. (Barbarossa) ertrank unweit der Zitadelle von Silifke 1199 anlässliche seines gewaltigen Kreuzzuges kurz vor der Wiedervereinigung mit den englischen und französischen Heeren in Kleinasien. Er hatte in Kämpfen gegen Byzanz und die Seldschuken die Passage durch Kleinasien bereits erzwungen.

Heute kämpfen keine Menschen mehr gegen das unwirtliche und schneebedeckte gewaltige Gebirge sondern unser Fiat Dukato Camper ab Meereshöhe bis auf etwa 1400 müM hinauf. Die neue sechsspurige Autobahn setzt zwischen Mersin und Adana zum grossen Sprung über den Taurus an und landet auf der nördlichen Seite auf einer Hochebene von etwa 1300 müM. Hier herrschen zwar immer noch Temperaturen von etwa 30 Grad aber die Luft ist viel trockener.

Am provisorischen Ende der Superautobahn kurz vor Nidge kämpft dagegen ein Anderer gegen sich selbst an. Als Heidy beim dortigen Autobahnbüro die KGS-Karte aufladen wollte, war es schwierig dies kund zu tun. Achmet verstand schliesslich was sie wollte und lud sie gleich zum Tee ein. Wir beide mussten im Aufenthaltsraum für Angestellte Red und Antwort geben und uns seine heutige Weltanschauung anhören. Es war zwar Mittagszeit und wir hatten Durst und Hunger doch Achmet redete und zeichnete weiter Seite um Seite auf seinem Block herum.

Was er eigentlich wollte war uns völlig unklar. Spätestens nach politischen Fragen verstanden wir uns gar nicht mehr bzw. wollten ihn nicht mehr verstehen und täuschten Eile vor. Das heisse Wasser für den Tee stand noch immer nicht bereit dafür kochte mein Wasser oben langsam. Schliesslich wollten wir ja noch nach Göreme. Achmet hat Zeit bzw. er krankt an Langeweile und als er meint, Göreme liege nur noch 1 Stunde von hier entfernt und unser Navi gleich mehr als 2 Stunden anzeigt ist unsererseits Schluss mit Tee-Gesprächen. Nach etwa einer Stunde und durstig nach irgendetwas, es könnte auch Tee sein fahren wir weiter um wenig später uns selbst zu verpflegen.

Uebrigens, türkischer Tee ist gut mit zwei Zuckern (wenn es Wasser dran hat).

Unterwegs, noch bevor wir die Autobahn Richtung Mersin erreichen kaufen wir bei einem Gemüsehändler ein. 5 Kg frisch gepflückte Erdbeeren kosten TL 6.-, wunderbaren Kirschen, Pfirsiche, Bohnen, Aprikosen alles wird gemeinsam gewogen und zum gleichen Preis angeboten macht zusammen inkl. 2 Brote etwa TL 15.- oder Fr 8.-. Zwangsweise leben wir in den kommenden 3 Tagen nur von Früchten und Gemüse. Und dies alles ohne EHCD. Wir sind und bleiben gesund.

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Begegnungen mit Menschen

Wenn einer eine Reise tut so kann er was erzählen:

In der Türkei leben neben- und miteinander viele Menschen mit unterschiedlichen Kulturen. Von den ca. 80 Millionen Einwohnern sind 70 % Türken, 20 % Kurden und ca. 2 % Araber.

99 % bekennen sich zum Islam, wovon etwa 70 % Sunniten und 30 % Aleviten sind.

Kulturell changiert die Türkei zwischen zwei Polen: den traditionellen Gebräuchen stehen eine rasche Modernisierung gegenüber. Pluderhose oder Mini, das ist hier die Frage?

Hier in Silifke baden Frauen in ihren traditionellen Gewänder neben türkischen Bikinischönheiten. Soeben konnten wir beobachten, dass eine Araberin ihr Gewand durch einen Adidas-Trainer mit Kapuze ersetzte und so baden ging. Ihr Mann trug sie im Wasser förmlich auf Händen was wiederum öffentlich als unschicklich gilt. Ihre 3 Kinder wird sie wohl arabisch erziehen wogegen ich persönlich beim Mann Tendenzen zu westlichen Formen erkenne.

Bei unserer gestrigen Ankunft hier auf dem Campingplatz waren die Türken auf der rechten Seite eher reserviert. Jedenfalls durften ihre drei Mädchen weder ihr Sonntagsgewand mit Badehosen noch seine Ehefrau ihre warmen Jeans gegen etwas Leichteres tauschen. Immerhin herrschte über 35 Grad im Schatten und die übrigen Campinggäste – ob jung ob alt – badeten in ihren westlichen (mit Ausnahmen) Badekleider. Selbst die junge Familie vor uns dessen Mann ständig sein Kleinkind beaufsichtigte und deren Frau mit ihrem 2. Knaben von etwa 10 Jahren nach ersichtlich anfänglichen Hemmungen im nicht zu weiten Bikini ausgiebig badete. Mir schien gar, der Knabe habe seine Mutter ausserordentlich gern. Nicht nur war er mit seinen 10 Jahren kein Flegel sondern ausserordentlich nett zu seiner Mutter und las gar jeden Wunsch von ihren Augen ab. Wollte sie telefonieren, brachte er ihr das Handy, wollte sie baden ging er mit so lange sie wollte und brauchte sie Sonnencreme holte er auch diese und cremte sie ein.

Eine etwas andere Art von Begegnung hatten wir in Anamur. Hier lernten wir die beiden Schweizer Fredi und Christina kennen. Sie haben ihren zweiten Wohnsitz quasi hier in der Türkei während sie den grösseren Teil ihres Lebens im Aargau verbringen.

Ihren häufigen Kulturwechsel geniessen sie offensichtlich förmlich und sind in der Zwischenzeit echte Türkei Kenner geworden. Jedenfalls orientierten sie uns über Telefon und Mail über die weitere Reiseroute nach Kapadokien und den Vansee. Derzeit verbringen sie ihre Ferien in ihrer eigenen Wohnung in Limonlu, fahren aber noch diese Woche wieder westwärst in die Schweiz zurück. Im Winter werden wir uns Wiedersehen und unsere Erfahrungen über Land und Leute austauschen.

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Spuren im Sand: Meeresschildkröte bei der Eiablage

Heute abend gehen wir mit Hilfe von Frau Pervin Kilinc (www.anamurdragonmotel.com) auf die Suche nach Meeresschildkröten welche für ca. 2 Stunden den Strand aufsuchen und Eier ablegen.

Es ist der 17. Juni gegen 2230 Uhr als die Suche beginnt. Die ersten Spuren finden wir schnell, doch diese führt wieder zurück ins Meer. Sie dürfte von irgend Jemanden gestört worden sein. Vielleicht ein streunender Hund oder auch ein Mensch der das richtige Verhalten nicht kennt. Damit wird auch klar, warum die Gendarmeri den nächtlichen Zugang zum Strand sperrt und auch schon mal einen Hund erschossen hat.

Der Vollmond scheint kräftig und trotzdem finden wir keine weiteren Spuren. Ist vielleicht der heftige Wind schuld welcher landwärts den Sand mit Wasser getränkt hat? Schildkröten legen ihre Eier nur im trockenen Sand ab. Wir wollen bereits aufgeben und lassen Frau Kilinc alleine weiter suchen. Sie soll uns mit der Taschenlampe ein Zeichen geben falls sie doch noch eine findet.

Kaum eine Viertelstunde später kommt das erwartete Zeichen und als wir losmarschieren, kommt Frau Kilinc uns bereits entgegen. Bis zur ersten Eiablage sollen wir uns absolut ruhig verhalten und sie ja nicht stören. Auch sie könnte dann wieder ohne ihre Eiablage zu verrichten zurück ins Meer krabbeln.

So schleichen wir uns also von hinten an und knien uns ca. 4 Meter hinter ihr im Sand. Trotz hellem Mondschein können wir bloss die Umrisse einer etwa 1.20 Meter im Durchmesser liegendes Schild entdecken die mit den hinteren Flossenbeine unter sich ein etwa 20 cm breites und 30 cm tiefes Loch budelt. Nach etwa ½ Stunde ist sie damit fertig. Die Ablage ihrer etwa 200 3 cm grossen Eier scheint nun zu beginnen. Frau Kilinc geht näher ran und entfernt hinter der Schildkröte ein wenig Sand. Tatsächlich wird ein etwa 10 cm langer Rüssel sichtbar und aus diesem kommt im sekundentakt ein Ei um das Andere. Sie sind weiss und glänzen im Mondschein wegen dem Sekret welches gleichzeitig ausgestossen wird. Soeben erleben wir also die 66ste Schildkröte am Strand von Dogan bei der Eiablage.

Wir gehen näher ran, knipsen unsere Lampen an und versuchen nun Fotos und Videos zu machen. Jetzt kann die Schildkröte die Eiablage nicht mehr unterbrechen. Trotzdem wollen wir sie bei der Geburt ihrer Nachkommen nicht unnötig stören und machen nur von hinten aufnahmen. So geht es eine halbe Stunde weiter. Ab und zu plumpsen gleich drei oder vier Eier miteinander ins Gelege. Das 30 cm tiefe Loch wird langsam voll. Aus dem Gelege werden erst im August die Jungen schlüpfen und dann nach frühestens 20 Jahren wieder hierher zurückkommen und ihrerseits für Nachwuchs sorgen.

Plötzlich schaufelt die Schildkröte mit den hinteren Flossen. Die Eiablage ist beendet. Wir helfen ihr dabei indem wir Sand Richtung Gelege schaufeln. Selbstverständlich wäre sie dazu selbst in der Lage und nimmt es besonders gründlich bei der Absicherung ihres Geleges.

Nach etwa einer viertel Stunde hören wir das Klatschen der vorderen Flossen als diese beim Schaufeln von Sand an ihren Panzer knallen. Wir klatschen innerlich mit ihr und danken ihr für das grandiose Naturschauspiel welches wir miterleben durften. Die massige und geschätzte 100 Kg schwere Schildkröte dreht sich langsam Richtung Meer. Sie hinterlässt eine etwa 1.5 Meter breite Wanne, krabbelt sich aus dieser Vertiefung und etwa nach 2 Stunden kehrt sie im Schritttempo ins Meer zurück. In den nächsten 100 Jahren wird die noch junge Schildkröte wieder kommen und noch mehr Eier ablegen bis es immer weniger werden und sie eines Tages nicht mehr in Lage sein wird es bis hierher zu schaffen. Danke liebe Schildkröte „Caretta caretta“.

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Ruhetag in Anamur/ Türkei

Auf dem Campingplatz Dragon in Anamur direkt am Fusse des Taurus erleben wir zusammen mit 2 deutschen, 1 holländischen und einem slowenischen Ehepaar den ersten Ruhetag im Osten der Türkei. Teilweise haben sie hier bereits letzte Weihnachten erlebt und es ist nicht sicher ob es eine Weitere gibt.

Vom 1. bis 3. Jh. war dieses Anemoiren/Eski Anamur die wichtigste Stadt des rauen Kilikiens. Später wurde sie verlassen und im 12. Jh. wiedererbaut. Daraus stammt auch die Burg Anamur (Mamura Kalesi) gleich nebenan mit ihren zinnenbewehrten 36 Türmen und Mauern und entspricht genau den Ritterburgen aus Kinderträumen.

Heute aber ist Waschtag und auch Heidy beteiligt sich daran genau gleich wie 3 andere Partien. Wiederum wird der Abend von 4 Partien mit einem preiswerten Nachtessen Menu für TL 12.50 pro Person abgeschlossen. Gemüsesuppe mit gemischtem Salat, Geflügel mit Reis und Kartoffeln sowie 1 Lt Mineralwasser und Wassermelone für umgerechnet etwa Fr 7.00 kann sicher als preiswert bezeichnet werden.

Gleich nebenan direkt bei der Burg befindet sich der Paradis Campingplatz. Leider ist dieser gar nicht mehr paradiesisch und so wird dieser auch nicht mehr aufgesucht. Wenn trotzdem, dann soll es Camper geben die zum Dragon wechseln. Es spricht sich eben weit im Land herum.

Frau Pervin Kilinc ist eine freundliche und gut englisch sprechende Frau die das Drogan Otel und Restaurant führt und auch besitzt. Zusammen mit ihrer Verwandtschaft führt sie das Otel mitsamt Camping umsichtig und sicherlich auch gewinnbringend. Wir danken ihr jedenfalls, dass wir bei ihr ein paar wunderbare Tage verbringen durften.

In der vergangenen Nacht waren wieder riesige Schildkröten zur Eiablage an Land gekommen, haben ein Loch gebudelt und sind dann wieder verschwunden. Obwohl gegen 2300 Uhr Frau Kilinc an unseren Camper klopfte, mochten wir nicht mehr aufstehen und haben das Schauspiel verpasst. Diese Nacht soll uns dies nicht mehr passieren.

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