Vorsicht Taschendiebe – Ein bulgarisches Märchen

katedrale1Es war einmal an einem warmen Tag im Juni, südlich des Siebenbürgentals im fernen Sofia als die drei wackeren Mannen – nennen wir sie Moritz, Hanspeter und Fredi auf einer Stadtbesichtigung die dortigen Markthallen besuchten. Drei schmale Türen versperrten komischerweise den Zugang zum Konsumtempel. Achtung, Vorsicht denkt sich noch Hanspeter der sein Schweizergeld mit Kreditkarten gut gesichert hinter Reissverschluss in seiner Weste trug. Auch Fredel – so will Fredi nämlich genannt werden – nicht weniger vorsichtig, versteckt seine Leva in der Hosenbeintasche. Der vorsichtige Hanspeter hat in seiner oberen Westentasche – getrennt vom CH-Geld aber mit einfachen Knöpfen gesichert – auch noch Euro dabei. Ein paar Hundert braucht man schliesslich schon auf so einer weiten Reise.
Links, rechts, links – schwuppe di putz, drei Jugendliche verursachen bei den drei schmalen Türen ein Gedränge. Dabei wollen sie gar nicht rein. Nein, nein aber als Hanspeter in den Markthallen steht, ist er all seine Euro’s bereits los. Doch glücklicherweise weiss er dies noch nicht und so denkt er sich – schön diese Markthallen in Sofia, fast wie bei uns im Glattzentrum.

Plötzlich ein urchiger Fluch von Fredi; „Wär hangend dänn da a mim Bei?“ Ebenfalls so ein Halbwüchsiger mit nicht gerade ehrenhaften Absichten. Durch den Fluch von Fredi wird auch der tapfere Moritz aufmerksam. Er kann gerade noch sehen wie Fredi’s Geldbörse davonrennt. „Du Hure verdammte Schlingel“ schmettert Moritz der Geldbörse, bzw. dem Jugendlichen hinterher. Er rennt ihm nach was das Zeug hält. Geschafft, eingeholt aber der Junge zeigt seine leeren Hände und Hosentaschen.

„Ig keini Börse, nichts, gar nichts, unschuldig“ oder so ähnlich tönt es dem tapferen Moritz entgegen. „Verdammte Scheisse“ denkt sich auch Fredi, wir müssen die wenigen Leva wohl nach Schweizer Recht ordentlich abschreiben und die Kreditkarten können wir ja sofort telefonisch sperren lassen.

Wie aus dem Nichts steht wenig später ein kleines wifes Dingerchen vor den wackeren Luzerner-Mannen und streckt ihnen zwei Geldbörsen entgegen. „Das ist doch Meine?“ denkt sich Fredi und prüft den Inhalt ob das wohl zutreffen könnte? Tatsächlich, ein paar Leva, alle Kreditkarten auf Fredi’s Name, Super. Das Dankeschön an das kleine Fräulein hängt schon an seinen Lippen. Dann stockt er und muss einfach staunen über die doch so ehrlichen, bulgarischen Nachwuschs-Taschendiebe. Träume ich jetzt oder ist dies alles wirklich wahr?

 

 

 

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