Breitbanderschliessung und Glasfaser im Engadin

Derzeit werden die bestehenden Stromleitungen an 12 Baustellen im Unter-Engadin in den Boden verlegt. In Scuol gibt es bereits einige von «mia Engadina» betriebene Hotspots.

Der nicht kommerzielle Verein «mia Engadina» unter der Leitung von Jon Erni, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Schweiz, Geschäftsbereich Public Sector (seit Januar 2017, früher Sunrise) verfolgt diese Arbeiten genau und plant mit «mia Engadina Marketing SA» ein Bündel von Breitbandangeboten auf den Markt zu bringen.
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Historisches Altfinstermünz an der „Via Claudia Augustus“

Alles begann im Jahr 15. v. Chr., als der römische General Drusus der Ältere – Adoptivsohn von Augustus – begann die Pfade der Kelten, Räter und Etrusker zur ersten richtigen Strasse über die Alpen auszubauen.

FinstermuenzDieses immense Werk von der Hauptstadt der römischen Provinz Raetia, Augusta Vindelicorum (heute Augsburg) bis nach Venedig wurde erst 60 Jahre später, nämlich 46/47 n. Chr., durch Drusus Sohn – Kaiser Claudius – fertig gestellt um den raschen militärischen Nachschub zu ermöglichen, aber auch die Menschen an der Adria und dem Po mit denen in den Donauebenen im Norden des Reichs zu verbinden und den Warenverkehr zu erleichtern.
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Historisches WM-Gold für Dario

Dario

Dario

Dario Cologna ist Weltmeister. Der Schweizer gewinnt an den Titelkämpfen im Val di Fiemme die Goldmedaille im Skiathlon.
Dario Alonzo Cologna , geboren am 11. März 1986 in Santa Maria Val Müstair ist Langläufer mit Abitur und Sport-Soldat. Er gewann als erster Schweizer überhaupt den Gesamtweltcup im Langlauf.
Sein Depüt im Skilanglauf-Weltcup begann er am 26. November 2006.


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Jungsteinzeit oder Neolithikum von 4000 – 1800 v.Chr.

Göbekli Tepe – Türkei

Die Jungsteinzeit oder Neolithikum war eine Epoche der Menschheits-geschichte deren Beginn mit dem Uebergang von Jäger und Sammlerkulturen im hiesigen Raum vor etwa 4000 Jahren zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen definiert ist.

Der Übergang zur neolithischen Wirtschaftsweise vollzog sich weltweit in drei unterschiedlichen Perioden. Vor etwa 12‘000 Jahren wurde vor allem an den Südrändern von Taurus- und Zagrosgebirge in der Türkei die nomadische Lebensweise im Zuge von Ackerbau und Viehhaltung gegen Sesshaftigkeit in Dorfgemeinschaften eingetauscht. Der Ackerbau schuf die Grundlage zu einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Nahrungsproduktion und Vorratshaltung führten zu einer grösseren Unabhängigkeit von der natürlichen Umwelt und bilden damit die Basis für ein Bevölkerungswachstum.

Während der letzten Würm-Kaltzeit (Eiszeit) vor etwa 115’000 bis 20‘000 Jahren floss der Berninagletscher mit einer Mächtigkeit von etwa 1400 Metern das heutige Engadin hinunter und teilte sich auf der Höhe von Zernez in zwei Ströme. Der Eine floss weiter das Tal hinunter und der Andere über den Ofenpass ins Münstertal. Selbst der Munt la Schera im Nationalpark war vom Gletscher bedeckt gewesen währendem der Piz Daint mit seinen knapp 3000 Metern eisfrei blieb. Noch heute weisen die Namen Munt (Hügel) auf eisbedeckte- und Piz auf eisfreie Berge hin.

Es ist daher nicht erstaunlich dass in dieser Gegend erst mit dem Zurückweichen der mächtigen Gletscher der jungsteinzeitliche Rastplatz unter dem Felsdach von Ova Spin in der Nähe von Zernez etwas später datierte wurde als das Neolithikum in der Türkei. Funde von diversen Feuerstein- (Silex) und Steinbeilen beweisen, dass auch höher gelegene Täler während der Jungsteinzeit – wohl zum Jagen – begangen wurden.

in Teilen Europas und Vorderasiens folgt der Jungsteinzeit die als Kupfersteinzeit oder Kupferzeit (Chalkolithikum, Äneolithikum) bezeichnete Periode. Bis heute gibt es keinen einheitlichen Namen für den Zeithorizont der frühen Kupferverarbeitung, was an der regional sehr unterschiedlichen Einführung der Kupferverarbeitung liegt.

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Zernez: Verkehrsknotenpunkt und strategische Lage bereits seit dem Mittelalter

Fürstenburg Burgeis

Der Vinschgau und das Münstertal waren seit dem Frühmittelalter zwischen dem Bistum Chur und der Grafschaft Tirol umstritten. Im 13. Jahrhundert erwarben die Grafen von Tirol die Landeshoheit über die Grafschaft Vinschgau-Unterengadin. Die Güter und Rechte des Bistums Chur blieben jedoch unangetastet. Sie konzentrierten sich vor allem im Obervinschgau. In Mals bestand ein bischöfliches Gericht für die Untertanen, die sog. «Gotteshausleute». Ein bischöflicher Hauptmann residierte auf der Fürstenburg in Burgeis.

Im späteren 15. Jahrhundert erwarben die Habsburger immer mehr Herrschaften und Rechte im Prättigau und Schanfigg, so dass sich ihre Landeshoheit langsam in ganz Bünden durchzusetzen schien. König Maximilian I. von Habsburg vereinigte schliesslich die römisch-deutsche Königswürde, das gesamte habsburgische Erbland und Burgund unter einer Krone. Seit 1495 versuchte er im Deutschen Reich eine Reichsreform durchzusetzen, um die zentrale Gewalt zu stärken. Die Eidgenossen verweigerten jedoch deren Umsetzung und setzten sich in Opposition zum Reich und zu Habsburg. 1497/99 schlossen der Gotteshausbund und der Graue Bund deshalb ein Bündnis, das klar gegen die weitere Ausbreitung der Macht Habsburgs in Graubünden gerichtet war.

Burgruine Rotund (oben) und Burgruine Reichenberg

Für Maximilian I. war während des ganzen Schwabenkrieges eindeutig die Eroberung des Engadins und des Münstertals das wichtigste Ziel. Ende März stiessen Truppen des Königs und des Schwäbischen Bundes plündernd und zerstörend ins Münstertal bis hinauf an den Ofenpass bei Zernez vor. Der bischöfliche Hauptmann auf der Fürstenburg, Benedikt Fontana, musste fliehen, die Äbtissin des Klosters St. Johann und weitere 33 Engadiner wurden als Geiseln verschleppt. Im oberen Vinschgau zwischen Mals und Glurns sammelte Maximilian dann im Mai ein Heer von 12’000 Mann, um den entscheidenden Schlag gegen die Drei Bünde auszuführen. Zum Schutz des Heerlagers war zwischen Taufers und Laatsch eine starke Letzi errichtet worden, die den Engpass der Calven sperrte, wo der Rambach aus dem Münstertal in das Etschtal hinausfliesst. Der Festungswall war stark gebaut und mit zahlreichen Geschützen bestückt.

Auf Drängen Benedikt Fontanas beschlossen die Drei Bünde schliesslich, der Bedrohung durch das habsburgische Heer entgegenzutreten. Am 11. Mai wurden die habsburgischen Truppen vom Ofenpass wieder vertrieben. Am 17. Mai zog dann die Hauptmacht der Bündner von Zuoz aus mit 6300 Mann ins Münstertal. Als sie am 21. Mai vor der Letzi ankamen, beschlossen sie sofort anzugreifen, weil die Verpflegung der Truppe im kargen Gebirge über längere Zeit unmöglich war und Maximilian I. mit einem weiteren Heer auf dem Weg in den Vinschgau war. Im Haus «Chalavaina» wurde in einem kurzen Kriegsrat ein Schlachtplan entworfen – daher die rätoromanische Bezeichnung der Schlacht als «battaglia da Chalavaina».

Burgruine Rotund

Von den etwa 12’000 Mann auf Gegenseite waren etwa 2000 auf der Letzi selbst stationiert, um die 1200 italienische Söldner deckten die rechte Flanke und 200 Tiroler besetzten die Marengobrücke hinter der Letzi. Vor der Letzi befand sich ausserdem die Burg Rotund bei Taufers, die ebenfalls mit habsburgischen Truppen bestückt war. Der Rest der Armee war als Reserve in der Etschebene zwischen Burgeis und Glurns auf die Dörfer verteilt.

Ähnlich wie in der Schlacht bei Frastanz die Eidgenossen, wählten auch die Bündner bei der Calven eine Umgehung anstelle des aussichtslosen Frontalangriffs auf die Letzi. Mit Hilfe von einheimischen Führern aus dem Münstertal stieg ein 2000–3000 Mann starkes Kontingent der Bündner unter den Hauptleuten Wilhelm von Ringk und Hans von Lumerins über den 2300 m hohen Schleinigerberg, um dem Gegner in den Rücken zu fallen. Gleichzeitig sollte die Hauptmacht dann auf ein Zeichen hin die Letzi angreifen. Ein Problem stellte dabei die Burg Rotund dar, von der aus das Manöver klar zu erkennen gewesen wäre. Deshalb begann das Umgehungsmanöver erst nach Mitternacht, weshalb sich Teile der Truppe im Dunkeln verirrten und statt direkt auf Laatsch hinunter zuerst ins Arundatal vorstiess.

Die Bündner erreichten bei Tagesanbruch das Etschtal, wo ihnen sofort habsburgische Truppen entgegentraten. Als jedoch das Gerücht aufkam, es seien über 30’000 Bündner im Anmarsch, brach Panik aus und ein Teil der Truppen floh, ein anderer wurde aufgerieben. Die Bündner stiessen sofort zur Marengobrücke vor, wo sich jedoch die Flüchtenden mit den Tirolern vereinigten und hartnäckig Widerstand leisteten. Trotz mehrstündigem Kampf konnte die Brücke nicht eingenommen werden, wodurch der Angriff von Hinten auf die Letzi nicht stattfand.

Schlacht an der Calven

Die Bündner Hauptmacht vor der Letzi hatte in der Zwischenzeit zwar das verabredete Zeichen zum Angriff erhalten, aber die Anführer zögerten den Angriff hinaus, da sie hohe Verluste befürchteten und warten wollten, bis der Kampf hinter der Letzi entbrannt wäre. Als Nachricht über den schlechten Verlauf des Umgehungsmanövers eintraf, versuchten die Bündner mit einem Frontalangriff die Letzi zu überrennen, was ihnen nur mit grossen Verlusten gelang. Dabei fiel auch der bischöfliche Hauptmann Benedikt Fontana. Er gilt seither als Bündner Nationalheld. Die Bündner sollen – unter Anführung von Oberst Hartwig von Capol – durch Fontanas Tod angestachelt die Letzi endlich überwunden haben. Die Verteidiger an der Letzi wandten sich nun zur Flucht und rissen auch die italienischen Söldner mit sich.

Schlacht an der Calven

Die Bündner verfolgten die Fliehenden bis weit in den Vinschgau hinunter. Zahlreiche fliehende Landsknechte kamen dabei in den reissenden Schmelzwasserfluten der Etsch um, als die Brücken unter ihrem Gewicht zusammenbrachen. Über 5000 Mann aus Schwaben, Tirol und Italien sollen gefallen sein. Demgegenüber hatten die Bündner etwa 2000 Tote zu verzeichnen.

Die Bündner plünderten das ganze obere Etschtal bis nach Schlanders und brannten die Dörfer Mals, Glurns und Laatsch nieder. Alle männlichen Bewohner über 12 Jahren wurden niedergemacht. Zur Vergeltung folterten die Tiroler die 38 Engadiner Geiseln in Meran zu Tode.

Kapelle St. John, Taufers

Als die Bündner die Letzi an der Calven endlich zerstört hatten, zogen sie am 25. Mai mit ihrer Beute, darunter 300 kleinen und acht grösseren Geschützen wieder über den Ofenpass. Vier Tage später traf König Maximilian mit einer weiteren Armee im völlig zerstörten Glurns ein. Als Rache liess er 15’000 Mann ins Engadin vorrücken, die jedoch bald wieder umkehren mussten, weil die Bündner alle Vorräte weggeführt und die Dörfer verbrannt hatten.

Die Niederlage an der Calven war der entscheidende Sieg der Bündner im Schwabenkrieg. Da Maximilian seine schwäbischen Bundesgenossen nicht zu einer Entsendung von grösseren Verbänden nach Graubünden gewinnen konnte, musste er bald wieder an den Bodensee zurückkehren. Die Bündner konnten dann im Frieden zu Basel zwar nicht wie erhofft die habsburgischen Rechte im Zehngerichtebund und im Gotteshausbund ablösen, aber die weitere Ausbreitung Habsburgs war endgültig gestoppt.

Der Sieg an der Calven gilt zudem als eigentliche Geburtsstunde des Freistaats der Drei Bünde, der sich 1524 endgültig festigte. Der obere Vinschgau blieb als einziges Gebiet fest in der Hand Habsburgs und 1618 mussten die Bünde dieses Gebiet endgültig aufgeben.

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Geschichte des Unterengadins

Das Unterengadin und insbesondere die Region um Zernez hat nebst dem klassischen Nationalpark und der schönen Landschaft auch eine interessante Geschichte zu bieten. In loser Folge wird deshalb auf dieser Blogseite versucht, wichtige Stationen der letzten 2000 Jahre von der Antike bis zur Neuzeit herauszugreifen und möglichst lesbar zu beschreiben.
Anstoss war das Buch „Zernez ist mehr als nur der Nationalpark“ von Gion Filli aus dem Jahre 1985. Gion Filli hat den Satz geprägt:

  • Wer einmal in Zernez übernachtet, kommt immer wieder; es sei denn, dass er es vorzieht hier sesshaft zu werden.
Galgen von Zernez

Galgen von Zernez

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Sperre Ova d‘ Spin – Militärgeschichte aus dem 2. Weltkrieg



Ova da Spin wird als „schönste Sperrstelle“ in ganz Graubünden bezeichnet. Dies wegen der einmaligen und eigenwilligen Tarnung der zwei Hauptwerke. Sie steht am Rande des Nationalparks und sperrte die Ofenpassstrasse gegen Angreifer von Süden.

Der als mittelalterliches Gemäuer getarnte Bunker Ova d’Spin Strasse wirkte die 9 cm PAK (Panzerabwehr-Kanone Kaliber 9 cm) und ein Maschinengewehr auf das gegenüberliegende Sprengobjekt der Ofenpassstrasse. Das zweite Maschinengewehr wirkte in Richtung auf den Bunker Ova d’Spin Nord.

Dieser Bunker steht zwar exponiert auf einer Geländekante auf 2042 müM in der Mitte der etwa 1.5 km breiten Sperre. Dank seiner Tarnung als wild gezackter Felsvorsprung ist er aber kaum zu erkennen. Mit seinen drei Maschinengewehren konnte Richtung Ove Spin Strasse, nach vorne und in Richtung der Stellung Brastouch, dem nördlichen Abschluss der Sperre, geschossen werden.

In der Sperre Ova d’Spin sind sehr gut erhaltene Stellungen aus dem 1. Weltkrieg sichtbar, in Form von Schützengräben und drei betonierten Waffenstellungen. Teilweise sind sogar die mit Holz präparierten Schützenscharten erhalten geblieben.

Die mehrstöckigen Bunker aus dem 2. Weltkrieg waren autark ausgerüstet, dh. Schlafplätze, sanitäre Anlagen, Wasser und Lebensmitteln waren in genügender Anzahl gebunkert. Strom für Licht und Lüftung wurde von einem Diesel-Motor geliefert deren Tank ’s aus Sicherheitsgründen an unterschiedllichen Orten montiert waren.

  • N46 40.621 E10 09.659; Ova d’Spin Strasse,
    Bewaffnung: 9 cm Pak plus 2 Mg, 16 Mann Besatzung
  • N46 41.032 E10 09.887; Ova d’Spin Nord,
    Bewaffnung: 3 Mg, 15 Mann Besatzung
  • Stellung Brastouch, Bewaffnung: 1 Mg, 8 Mann Besatzung
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Militärische Befestigungswerke als Rückgrat während des 2. Weltkrieges im Bündnerland

Festungswerk Lavin

Blick aus Festungswerk Lavin - Unterengadin

Die Grenzbrigade 12 konnte während des 2. Weltkrieges im bündnerischen Raum auf insgesamt 5 Artilleriewerke, ca. 50 Infanteriesperrwerke und über 150 befestigte Einzelobjekte zurückgreifen. Dazu gehörten auch ca. 150 zur Sprengung vorbereitete Brücken, Felsgalerien und Tunnel.

Bunker und Festungswerke wurden an taktisch bedeutsamen Orten und Engnissen errichtet. Unter Ausnützung des starken Geländes war damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Verzögerung eines gegnerischen Angriffes gewährleistet. Die nach dem Krieg aufgefundenen Angriffspläne der Bündnispartner Hitler und Mussolini machten deutlich, dass eine Bedrohung im Bündnerland echt bestanden hatte. Dass es nicht dazu kam, dürfte nicht zuletzt auf die umfassenden Verteidigungsvorbereitungen, der Kampfinfrastruktur und den Wehrwillen unseres Volkes zurückzuführen sein.

Die unversehrten Werke wurden nach dem Krieg bis 1995 in ausgezeichnetem und dauernd einsatzbereitem Zustand gehalten. Sprengobjekte waren stets geladen und die Munition in den Festungswerken alle 6 Jahre ausgewechselt und anschliessend wieder versiegelt. So hätte beispielsweise der grosse Tunnelbrand im Bereich des Südportals des Gotthard-Strassentunnels am 24. Oktober 2001 noch weit höhere Schäden verursachen können, wären die dort installierten militärischen Sprengfallen durch die Hitze ausgelöst worden.

Im Laufe der Zeit haben die im 1. oder im 2. Weltkrieg entstanden Festungswerke an Kampfwert verloren. Die moderne Kriegstechnik mit ihrer ungeheuren Waffenwirkung, den Lufttransport- und Geniemitteln machten eine ständige Überprüfung notwendig. Im Zuge der Armeereform 1995 wurde eine grundlegende Anpassung der Führungs- und Kampfinfrastruktur festgelegt. Sie sah vor, dass nebst wenigen Neubauten zur Ergänzung der vorhandenen und weiterhin nutzbaren Anlagen erstellt und zugleich viele aus dem 2. Weltkrieg stammende Anlagen liquidiert wurden.

Die Meisten der bis vor kurzer Zeit noch militärisch genutzten Objekte wurden deshalb desarmiert und stillgelegt. Sie sind Zeugen ihres einstigen operativen Stellenwertes und ihres Militärengineerings bezüglich Bauweise, technischer Einrichtung und Funktion und somit einer militärhistorischen Erinnerung wert.

Die Grenzbrigade 12 wurde Ende 1994 aufgelöst und der letzte Kommandant Brigadier Fritz Meisser mutierte zum Präsident der Militärhistorischen Stiftung Graubünden.

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Das unabhängige Rätien und die Schweiz im Zeitalter der Französischen Revolution um 1800

Soziale Situation in Rätien und der Alten Eidgenossenschaft

Tagsatzung um 1531 bis 1799

In weiten Teilen des unabhängigen Rätiens und der Eidgenossenschaft waren die einfachen Landleute von der politischen Mitbestimmung ausgeschlossen. Sie durften kein Gewerbe betreiben das die städtischen Zünfte konkurrenziert hätte. Die Bauern waren nach wie vor Leibeigene der gnädigen Herren und es herrschte immer noch eine Feudalgesellschaft. Sie wurden mitsamt dem Hof den sie bewirtschafteten wie Vieh und Fahrhabe gehandelt, mussten Frondienste verrichten und wurden von verhassten Landvögten hochmütig behandelt und schikaniert – ziemlich genau so, wie sie es seit der Gründungszeit der Eidgenossenschaft den habsburgischen Vögten vorwarfen! Es erstaunt denn auch nicht, dass es zu Aufständen kam und dass die unterdrückte Landbevölkerung sich dabei – wie schon im Bauernkrieg von 1653 – auch auf den Freiheitshelden Wilhelm Tell berief.

Ganze Bevölkerungsteile waren unzufrieden und so sind 1719 bis 1722 der Aufstand von Werdenberg gegen Glarus und 1755 derjenige der Leventina gegen Uri zu verzeichnen.

Lediglich im Toggenburg konnten sich die Bürger einige neue Rechte erkämpfen. Aber schon 1782 erzwang eine Truppe von 11’000 französischen, bernischen und piemontesischen Soldaten die Wiederherstellung (Restauration) der alten Adelsherrschaft.

Die Aufklärung
In der Folge kamen im 18. Jahrhundert immer mehr Persönlichkeiten aus dem Kreise der herrschenden Familien zu neuen politischen Vorstellungen. Zürich wurde ein Zentrum der deutschsprachigen Aufklärungsliteratur mit Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger. Schliesslich kam es 1761 zur Gründung der Helvetischen Gesellschaft. Die Gründer Isaak Iselin aus Basel, Salomon Hirzel, Salomon Gessner und Johann Heinrich Schinz aus Zürich trafen sich von nun an jährlich in Bad Schinznach um gemeinsam Geschichte und Zukunft der Schweiz zu diskutieren. In seiner Präsidentenansprache von 1777 forderte Johann Georg Stokar aus Schaffhausen ultimativ einen zentralistischen schweizerischen Einheitsstaat und gleiche Rechte für alle Bürger der Schweiz.

Es folgten weitere Forderungen, wie beispielsweise 1790 die Aufhebung der Leibeigenschaft in Basel und Hallau oder die Verweigerung des Zehnten 1793 in Gossau SG (Zall nünt, du bist nünt scholdig). 1794 erhoben sich auch die Bauern im noch immer selbständigen Rätien gegen Herrschaft, Kirche und Feudalherren.

Einfluss der Französischen Revolution
1797 verlangte die Landbevölkerung des Baselbiets – unterstützt von liberalen Politikern aus der Stadt – Freiheit und Gleichheit. Der Rat zögerte zunächst. Nun drohten die Revolutionäre offen mit einer französischen Intervention, steckten die Schlösser Waldenburg, Farnsburg und Homburg in Brand und zogen bewaffnet gegen Basel.

Die 1. Helvetische Republik von 1798 bis 1803
Nach dem Rücktritt des konservativen Bürgermeisters Andreas Merian war der zögerliche Rat endlich bereit, die berechtigten Forderungen der Landbevölkerung ohne Blutvergiessen zu erfüllen. Man führte eine Vereinigungsfeier durch. Peter Ochs reiste nach Paris um dort an einer Helvetischen Verfassung für die ganze Schweiz zu arbeiten. 121 Abgeordnete aus den Kantonen Aargau, Basel, Bern, Fribourg, Léman, Luzern, Berner-Oberland, Schaffhausen, Solothurn und Zürich versammelten sich am 12. April 1798 in Aarau um die Helvetische Republik auszurufen und ihre neue Verfassung formell zu beschliessen.

Frankreich hatte Genf, Neuenburg, Biel, den Jura und Mulhouse annektiert. Das Veltlin, Bormio und Chiavenna hatten sich von der Bündner Herrschaft schon im Juni 1797 losgesagt und sich der Cisalpinischen Republik angeschlossen. Die Verfassung der Helvetischen Republik war derjenigen der Französischen Republik sehr ähnlich, mit einem Parlament (zwei Kammern), einer zentralen Regierung (Direktorium) und einem obersten Gericht. Die föderalistische Struktur der Schweiz wurde völlig eliminiert. Äusseres Zeichen der Anlehnung an das französische Vorbild war die Einführung einer Trikolore [dreifarbige Flagge] in den Farben grün-rot-gold.

Helvetische Republik 1799

Die Urschweiz war bei der Gründung nicht dabei und lehnte die Helvetische Republik ab. Man wollte sich die neue Verfassung und den zentralistischen Einheitsstaat nicht von den Franzosen aufzwingen lassen. Die Revolutionäre aber versuchten die neue Ordnung mit Hilfe von französischen Truppen durchzusetzen, Uri, Glarus und Schwyz nahmen die Helvetische Verfassung vom 28. 3. 1798 erst an, als die Franzosen in grosser Überzahl anrückten und sie keine Hilfe fanden. Nidwalden wehrte sich bis zuletzt. Stans wurde erobert und ging in Flammen auf. Viele Kinder wurden zu Waisen. Die helvetische Regierung errichtete in einem ehemaligen Kloster ein Waisenhaus unter Leitung des berühmten Erziehers Johann Heinrich Pestalozzi, der zum Vater der allgemeinen Volksschulbildung in der Schweiz wurde.

1798 schlossen die Drei Bünde ein Militärbündnis mit Oesterreich. Frankreich betrachtete dies als Neutralitätsbruch.

Im März 1799 marschierten französische Truppen in der Surselva und im Unterengadin ein wobei es zu heftigen Kämpfen kam. Der Aufstand im Mai 1799 gipfelte in der Niederlage von 6’000 Oberländern in der Schlacht von Reichenau. In diesem und weiteren Gefechten fielen auch 638 Einheimische. Die Dörfer Tamins und Disentis wurden von den französischen Soldaten in Schutt und Asche gelegt. Sie rächten sich blutig an der Zivilbevölkerung für Massaker, welche die Bündner an französischen Gefangenen verübt hatten. Während dieser Geschehnisse erlangte Anna Maria Bühler heldenhafte Berühmtheit als „Kanonenmaid von Ems“. Beim Rückzug durch ihr Dorf griff sie in die Zügel der Pferde welche ein französiches Geschütz zogen, so dass die Bauern die Kanone erobern konnten.

Löwenapotheke in Steyr

Der Waffenstillstand zwischen Österreich und Frankreich, dem der Friede von Lunéville folgte, wurde am 25. Dezember 1800 in Steyr in der heutigen Löwenapotheke unterzeichnet. Der Krieg endete mit dem Frieden von Lunéville. Österreich musste Graubünden-Rätien räumen. Das Gebiet der „Drei Bünde“ wurde als Kanton Rätien in die Helvetische Republik integriert.

Um sich gegen die reaktionären Kräfte (vor allem aus Österreich-Ungarn) zu schützen, schloss das Direktorium der Helvetischen Republik mit Frankreich ein Militärbündnis ab. In Wirklichkeit wurde die Helvetische Republik aber durch das Bündnis in die Napoleonischen Kriege hinein gezogen und zum Kriegschauplatz fremden Mächte.

Besetzung durch fremde Truppen
Der französische General Napoleon Bonaparte hatte Italien im 1. Koalitionskrieg (1792-1797) gegen die Koalition von England, Österreich, Spanien und Deutschland erobert und 1797 die Cisalpinische Republik in Norditalien gegründet, der sich u.a. die Bündner Untertanengebiete (Veltlin und Bormio) anschlossen. 1799 putschte sich Napoleon mit einem Staatsstreich in Frankreich an die Macht.
Im 2. Koalitionskrieg (1799-1802) zwischen Frankreich und den Gegnern England, Österreich, Russland wurden Süddeutschland und Norditalien und – seit Jahrhunderten nicht mehr gekannt – die Schweiz zu Hauptkriegsschauplätzen. Die Österreicher gewannen eine erste Schlacht bei Zürich, die Franzosen dagegen die zweite, während der russische General Suworow eine Armee von 25’000 Soldaten von Italien über die verschneiten Alpen heranführte und schliesslich doch zu spät kam. Bei der Überquerung des Gotthardpasses, des Kinzigkulm, des Pragel-Passes und des Panixerpasses starben insgesamt etwa 10’000 Mann. In der gegen die Helvetische Republik eingestellten Zentralschweiz wird daher die Erinnerung an General Suworow bis heute hoch gehalten.

Trikolore 1. Helvetische Rupublik

Die französische und die helvetische Republik gewannen zwar den zweiten Koalitionskrieg von 1799, aber sie verloren den Frieden. Die Helvetische Republick brachte die Abschaffung der Leibeigenschaft und der politischen Untertanenverhältnisse, es wurde auch nach dem Vorbild des französischen „code penal“ ein einheitliches Strafgesetzbuch in Kraft gesetzt, das zahlreiche mittelalterliche Rechtsvorschriften ablöste und unter anderem endlich die Folter abschaffte. Die Volksschulbildung wurde stark verbessert – voll wirksam wurde diese allerdings erst über mehrere Generationen von Schülern hinweg, so dass die Voraussetzungen für eine moderne Demokratie eigentlich erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts richtig geschaffen wurden. Eingeführt wurde auch (ein erstes Mal) der Schweizer Franken, der als Einheitswährung einen grossen Münzwirrwarr ablöste.

Ende der 1. Helvetischen Republik 1803
Frankreich wurde eine Militärdiktatur des Generals Napoleon Bonaparte, die Helvetische Republik erlebte mindestens vier Staatsstreiche zwischen 1800 und 1802 und ging im inneren Chaos unter. Als Napoleon die französischen Truppen im Juli 1802 aus der Schweiz abzog, sahen die Föderalisten ihre Zeit gekommen: Am 1. August 1802 versammelten sich die Landleute von Schwyz, Nidwalden und Obwalden zur althergebrachten Landsgemeinde. Appenzell, Glarus und Graubünden stellten ebenfalls ihre alten kantonalen Institutionen wieder her. Selbst die Stadt Zürich stellte sich gegen die Helvetische Regierung. Vertreter des Ancien Regime kehrten aus dem ausländischen Exil zurück und führten mit Stecken und Werkzeugen behelfsmässig bewaffnete Bauern gegen die helvetischen Truppen in einen Bürgerkrieg („Stecklikrieg“). Sie erobertern den Aargau und Bern und kamen bis Payerne.

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Die Drei Bünde zur Zeit der Alten Eidgenossenschaft

Der Gotteshausbund, der Obere oder Graue Bund und der Zehngerichte Bund waren Reaktionen zu Problemen im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden und dauerte bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798. Diese Periode der Unsicherheiten im Kanton dauerten vom Mittelalter bis spät in die Neuzeit hinein.

Gotteshausbund
Als Bischof Peter Jelito alle seine Besitzungen gegen eine Rente an Habsburg übertragen wollte, reagierten die bischöflichen Untertanen gegen eine schleichende Übernahme des Bistums Chur durch das Haus Habsburg. Am 29. Januar 1367 gründeten deshalb die sogenannten Gottesleute in Chur den Gotteshausbund.

Unterzeichnet wurde die Urkunde von Abgesandten des Domkapitels, der bischöflichen Ministerialen, der Stadt Chur und der bischöflichen Gerichte Domleschg, Schams, Oberhalbstein, Oberengadin, Unterengadin und Bergell. Später schlossen sich weitere Gerichte an, beispielsweise 1408 das Puschlav und um 1450 die Vier Dörfer.

Das Unterengadin, Münstertal und der obere Vinschgau waren lange zwischen der Grafschaft Tirol und dem Bistum Chur umstritten. Während die ersten beiden die Herrschaft der Habsburger als Grafen von Tirol abschütteln konnten, schied 1618 das Gericht Untercalven (Chiavenna) als letzter Teil des Vinschgaus aus dem Gotteshausbund aus. Hauptort des Gotteshausbundes war die Stadt Chur.

Oberer oder Grauer Bund
Der Obere Bund, auch Grauer Bund genannt, entstand als Reaktion auf zahlreiche Fehden und Kleinkriege zwischen den Adelsgeschlechtern Belmont, Sax-Misox, Rhäzüns, Vaz, Werdenberg, dem Kloster Disentis und dem Bischof von Chur.
Am 16. März 1424 wurden die seit 1395 bestehende Bündnisse zwischen einzelnen Adligen und deren Untertanen in Trun als Oberer oder Grauer Bund auf ewige Zeiten verlängert.

Den Bund beschworen in Trun:
• Der Abt und das Gericht Disentis,
• der Freiherr von Rhäzüns für sich, seine Herrschaft Rhäzüns und die Gemeinden Safien, Tenna und Obersaxen,
• der Graf von Sax-Misox für sich und die Gerichte Ilanz, Gruob, Lugnez, Vals, Castrisch und Flims,
• der Graf von Werdenberg-Heiligenberg mit allen seinen Untertanen sowie die Gerichte Trins und Tamins,
• die Freien ob dem Flimserwald sowie die Gemeinden Rheinwald und Schams.
• Noch vor 1440 traten die Herrschaften Löwenberg, Thusis, Tschappina und Heinzenberg bei, denen der Graf von Werdenberg-Sargans ursprünglich den Beitritt untersagt hatte.
• 1441 schloss sich das Kloster Cazis an,
• 1480 die Nachbarschaften Mesocco und Soazza im Misox und
• 1496 als Letzter der Graf von Misox, Gian Giacomo Trivulzio, mit den Gerichten Misox und Calanca. Hauptort des Grauen Bundes war Ilanz.

Zehngerichtebund
Nach dem Aussterben der Grafen von Toggenburg schlossen deren Untertanen im heutigen Graubünden am 8. Juni 1436 einen Bund, der gegenseitige Hilfe und ewige Ungetrenntheit der Teilnehmer vorsah.

Beteiligt waren die Zehn Gerichte Belfort, Davos, Klosters, Castels, Schiers, Schanfigg (St. Peter), Langwies, Strassberg (Churwalden), Maienfeld (Stadt und Schloss) und Neu-Aspermont (Hohe Gerichtsbarkeit über Jenins und Malans). Hauptort des Bundes war der Flecken Davos. Auch dieses Bündnis richtete sich hauptsächlich gegen die Expansion Habsburgs nach Graubünden.

Ausnahmen
Nicht zu den Drei Bünden gehörten die Freiherrschaften Haldenstein und Tarasp. Landesherren über die Herrschaft Rhäzüns waren seit 1497 die Habsburger, das Gericht Rhäzüns verblieb jedoch im Grauen Bund.

Seit 1497/98 waren die Drei Bünde als Zugewandte Orte mit der Eidgenossenschaft verbunden. In den Mailänderkriegen gelang 1512 die Eroberung von Worms (Bormio), Veltlin (Valtellina) und Cleven (Chiavenna) als gemeinsame Untertanengebiete. Diese Talschaften gingen 1797 jedoch wieder verloren und gehören heute zu Italien.

Einen Spezialfall bildete die Bündner Herrschaft, die 1509 von den Drei Bünden als weitere gemeinsame Herrschaft erworben wurde. Die Mitgliedschaft der Gerichte Maienfeld und Neu-Aspermont im Zehngerichtebund blieb dabei bestehen, so dass die Einwohner gleichzeitig Untertanen und Herren über sich selbst waren.

Drei Bünde - Gerichte - Einteilung

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Das Unterengadin am Beginn der Neuzeit

Geschichte Graubündes am Beginn der Neuzeit

Lage in Europa
Die Neuzeit ist eine der drei historischen Grossepochen. Sie folgt auf das europäische Mittelalter und dauert bis heute an. Der noch heute gültige Gregorianische Kalender wurde Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Reform des Julianischen Kalenders entworfen und 1582 durch Papst Gregor eingeführt. Zuletzt stellte 1926 die Türkei auf den Gregorianischen Kalender um.

Am Beginn der Neuzeit prägten technische aber auch gesellschaftliche Veränderungen das Tagesgeschehen. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um Hegemonie und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus.

Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublick Deutschland statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Nach dem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang benötigten einige vom Krieg betroffene Territorien mehr als ein Jahrhundert, um sich von dessen Folgen zu erholen. Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648.

Die Bündner Wirren
Nach Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges begannen auch hier die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich. Dabei ging es hauptsächlich um die Kontrolle der Bündner Alpenpässe, aber auch um die konfessionelle Ordnung in Graubünden. Der Konflikt drohte zeitweilig auch die Eidgenossenschaft in den Dreissigjährigen Krieg hineinzuziehen.

Cardinal Richelieu

Kardinal Richelieu in Frankreich war damals katholisch, aber dennoch unterstützte er die protestantische Seite weil sich Richelieu durch die spanisch-habsburgischen Erfolge bedroht fühlte. Am 17. Februar 1623 schloss Frankreich mit Savoyen und Venedig ein Bündnis zur Befreiung Graubündens.
Frankreich zog ein Heer in Burgund zusammen und Jürg Jenatsch und Ulysses von Salis warben mit französischem Geld unter bündnerischen Flüchtlingen sowie eidgenössischen und französischen Söldnern ein 8000 Mann starkes Heer an, das dem französischen General François-Annibal d’Estrées, Marquis de Cœuvres unterstellt wurde.

Bereits 1618 erklärte das französisch gesinnte Strafgericht von Thusis die zum katholischen Glauben übergetretenen Brüder Rudolf Planta von Zernez und Pompejus Planta von Ardez für vogelfrei. Schloss Wildenberg in Zernez wurde zerstört und Pompejus 1621 im Schloss Riedberg ermordet.

In der Zwischenzeit erreichte der Gotteshausbund und der Graue Bund den Abzug der österreichischen Truppen unter dem Grafen von Sulz gegen Bezahlung einer Kontribution. Nur der Zehngerichtebund und das Unterengadin blieben besetzt. Erzherzog Leopold V. verkündete für die reformierten Bewohner ein Ultimatum, das eine Bekehrung binnen sechs Monaten oder die Auswanderung verlangte.

Am 28. Oktober 1624 besetzte Rudolf von Salis mit einem der Bündner Regimenter die Tardisbrücke, den Luziensteig, die Landquartbrücke und den Eingang ins Prättigau und sicherte so den Zugang nach Graubünden. Nach dem Einmarsch des Gros der Truppen de Cœuvres zogen die österreichischen Besatzungstruppen kampflos ab. Die acht Gerichte im Prättigau erneuerten die Bundesbriefe und die zurückkehrenden evangelischen Pfarrer ersetzten wieder die Kapuziner. Auch das Unterengadin wurde von österreichischen Truppen verlassen. Am 7. November beschlossen die Vertreter der Drei Bünde ihre Truppen mit den eidgenössischen und französischen Kontingenten unter De Cœuvres zu vereinigen. Die Truppen dieser Allianz besetzte das Engadin und zog über die verschneiten Pässe nach Bormio, Chiavenna und Tirano, wo De Cœuvres die Verbindung über den Apricapass zum verbündeten Venedig etablierte. So gelang noch im Dezember die Rückeroberung der ehemaligen Untertanengebiete ohne dass die päpstlichen Truppen ernsthaft Widerstand geleistet hätten. Nur die Burg von Chiavenna ergab sich vorerst nicht und wurde belagert. Verstärkt mit Nachschub, Waffen und Munition zog De Cœuvres von Tirano nach Chiavenna wo die Burg nach Artilleriebeschuss am 10. März 1625 kapitulierte.

Im Februar 1627 zogen sich die Franzosen aus dem Veltlin zurück und päpstliche Truppen besetzten dieses Gebiet. Die Bündner sahen sich aber vorerst ausserstande zu reagieren. Die Erbitterung über die Franzosen führte zu einer Annäherung an Erzherzog Leopold V., mit dem sie sich 1629 auf eine Erneuerung der Erbeinigung von 1518 verständigten. Leopold anerkannte die Zugehörigkeit der acht Gerichte und des Unterengadins zu den Drei Bünden, verweigerte aber die Religionsfreiheit der unter habsburgischen Herrschaft stehenden Gerichte.

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Grafschaft Tirol und Vogtei Münster im Mittelalter

Unterengadin als Teil der Grafschaft Tirol

Unterengadin als Teil der Grafschaft Tirol

Münstertal: Als Karl der Grosse sich anschickte, 772 das Langobardenreich zu erobern machte er den Churer Bischof Constantius zum weltlichen Verwalter von Churrätien. Im Sinn und Geist des Herrschers gründete der Churer Oberhirte am Ausgang des Ofenpasses ein Herbergekloster, um so den Zugang zum Vintschgau zu erleichtern. Dass daraus in der Hochblüte des christlichen Glaubens ein Zeugnis von internationaler Bedeutung entstand, war damals nicht abzusehen.

Im 10. Jahrhundert waren die Einflussbereiche von Kirche und Kaiser völlig unklar. Jede Gelegenheit wurde auf beiden Seiten dazu benützt, seinen eigenen Machtbereich auszuweiten.

Das Ende der Dynastie der Staufer und der Beginn des Interregnums (Zwischenherrschaf) im Reich markiert auch für das Gebiet der heutigen Schweiz den Übergang zum Spätmittelalter. Etwa um 1230 wurde der Gotthardpass durch den Bau der Teufelsbrücke zu einer Handelsstraße. Die Bündner Pässe waren allerdings weiterhin wichtiger.

Zernez: Der genaue Zusammenhang zwischen den Herren von Wildenberg und den Herren von Greifenstein ist nicht bekannt. Aufgrund der Wappen- und Besitzlage kann aber angenommen werden, dass die Greifensteiner direkt mit den Herren von Wildenberg-Sagogn verwandt waren zu welchen die Burgen Schiedberg bei Sagogn, Wildenberg bei Falera, Wildenberg bei Zernez, Freudenberg und Wartau im Sarganserland und Greifenstein bei Filisur gehörten. Angehörige des Hauses Wildenberg nannten sich also zeitweise auch Greifenstein und führten auch ein Wappen, das sich von demjenigen der Hauptlinie nur in Einzelheiten unterschied.

Galgen von Zernez

Galgen von Zernez

Helvetien: Für die römisch-deutschen Kaiser waren die Alpenpässe für die Kontrolle Italiens von entscheidender Bedeutung. Aus diesem Grund besaßen die Kaiser seit dem Frühmittelalter im Alpenraum umfangreiche Gebiete, die sie als Reichsgut direkt verwalteten und nicht als Lehen vergaben.
Das Aussterben mächtiger Adelsgeschlechter sowie die Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst begünstigten im 13. Jahrhundert die Verselbständigung der wichtigeren Städte und Talschaften der Schweiz. 1218 wurden Zürich, Bern, Freiburg und Schaffhausen nach dem Aussterben der Zähringer zu «Reichsstädten»; Uri (1231) und Schwyz (1240) erhielten ebenfalls das Privileg der Reichsunmittelbarkeit.

Europa: Nach dem Einfall der Goten ins Weströmische Reich wurden im Jahr 401 alle römischen Truppen zum Schutz Italiens aus den Gebieten nördlich der Alpen zurückgezogen. Die Herrschaft über die Westschweiz ging an das Reich der Burgunder über, die Zentral- und Ostschweiz wurde von den Alamannen kontrolliert und besiedelt, während die Alpengebiete noch weiter in der Hand kelto-romanischer Lokalherrscher verblieben. Einige römische Strukturen prägten die Schweiz über das Ende der römischen Herrschaft hinaus: Das Straßennetz, die römischen Siedlungen und die alte römische Raumeinteilung, insbesondere die kirchliche Organisation mit den Bistumsgrenzen.

Im Frühmittelalter fand dann die Feudalisierung statt: Die Bauern begaben sich in ein Erbhörigkeits-Verhältnis zu geistlichen oder adeligen Grundherren. Mit der Teilung des Frankenreichs Karls des Großen durch seine Enkel im Vertrag von Verdun mitte 9. Jh. kam die Westschweiz zuerst zu Lotharingien, dann zu einem neuen Königreich Burgund während die Ostschweiz als Teil des Stammesherzogtums Schwaben zum Ostfrankenreich, dem späteren Heiligen Römischen Reich deutscher Nation kam. Nach der Erwerbung Burgunds durch die Kaiserdynastie der Ottonen im 11. Jh gehörte das gesamte Gebiet der heutigen Schweiz zum Heiligen Römischen Reich.

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Von der Spätantike zum Mittelalter

Unterengadin ausserhalb von Raetia prima

Unterengadin ausserhalb von Raetia prima

Römisches Reich: Die Spätantike bildet den letzten Abschnitt des Altertums im römischen Reich, der zwar nicht mehr der „klassischen“ Antike angehört aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang spricht man dabei heute für die Jahre von etwa 300 bis 600 meist neutraler von einer Transformation des antiken Rom’s. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden das langsame Verschwinden vorchristlicher Kulte und Traditionen dar.

Raetia: Im frühen 4. Jahrhundert wurde Raetia in Raetia prima und Raetia seconda aufgeteilt. Raetia prima hiess damals auch nach ihrer Hauptstadt Raetia Curiensis. Nach dem Tod des Churer Bischofs Tello nutzte Karl der Grosse etwa im Jahre 774 die Gelegenheit, indem er dem Nachfolger Bischof und Rector Constantius eine Schutzurkunde ausstellte. Damit band man ihn wieder an die Königsherrschaft. Dessen Nachfolger Remedius kam dann bereits vom Kaiserhof. Den Tod des Remedius benutzte Karl schliesslich zur endgültigen Integration des strategisch wichtigen Churrätiens in sein Reich. Indem er eine Ausscheidung zwischen Reichs- und Kirchengut vornahm entzog er den Bischöfen von Chur praktisch die materielle Grundlage ihrer weltlichen Herrschaft. Weiter wurde in Churrätien die Grafschaftsverfassung eingeführt, also auch direkt die weltliche von der geistlichen Gerichtsgewalt geschieden.

Raetia Curiensis: Die Mark-Grafschaft ChurRätien bildete fortan einen Teil des fränkischen Reiches. Im Jahre 917 proklamierte Markgraf Burchard II. von Churrätien das Herzogtum Schwaben. Unter seinen Nachfolgern wurde Churrätien deshalb Teil des Herzogtums Schwaben.. Im 10. und 11. Jahrhundert bestanden in Churrätien drei Grafschaften: Oberrätien und Unterrätien, getrennt durch die Landquart und die Rätikonkette, sowie das Vinschgau welches auch das Unterengadin umfasste. Die Grafschaft über das Vinschgau fiel Mitte des 12. Jahrhunderts an die Grafen von Tirol, Oberrätien an die Grafen von Buchhorn und Unterrätien an die Grafen von Bregenz.

Muottas da ClüsUnterengadin: Etwa 2 km nördlich von Zernez ist aus der Spätantike die befestigte Siedlung Muottas da Clüs (46°43’7.80″N – 10° 5’23.90″E) aus dem Fritzens-Sanzeno-Kulturkreis bekannt. Sie richtete sich stark in Richtung des Val Camonica im Veltlin aus. Die Bewohner haben wohl Ackerbau und Viehzucht und über den Ofenpass bereits Handel betrieben. Von hier aus konnte man zudem den Transitweg über die Talfurche des Inn sperren und die Route Ofen-Flüela kontrollieren. Conrad hat von der „höchstgelegenen Festung des ganzen Raeterkreises“ gesprochen. Davon erhalten geblieben ist einzig eine etwa 150 m lange Trockenmauer die diese Siedlung umgeben haben könnte.

Bei einer Friedhofserweiterung bei der reformierten Kirche in Zernez fand man Grundmauern eines römischen Hauses und einer karolingischen Dreiabsiden-Kirche aus dem 8. Jahrhundert.

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Das Unterengadin als Teil von Raetia

Karte aus dem 1. Jh

Karte aus dem 1. Jh

Raetia war einmal eine römische Provinz, benannt nach den Rätern. Sie umfasste in den ersten Jahren n.Chr. das nördliche Alpenvorland zwischen Donau und Inn und reichte im Süden von den Tessiner Alpen über Graubünden und einen Teil Nordtirols bis zum oberen Teil des Eisacktals.
Die Räter waren ein Volk oder eine Gruppe von Völkern der Antike im Bereich der mittleren Alpen. Die deutsche Bezeichnung geht auf die seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. in antiken griechischen und römischen Quellen erscheinenden Rhaitoí bzw. Raeti zurück. Teils heißt es darin, die Räter seien durch die keltische Invasion der Poebene um 400 v. Chr. in die Alpen vertriebene und dort „verwilderte“ Etrusker gewesen.
Im Unterengadin siedelten vor allem Isarken, Tridentiner, Anaunen, Venosten, Sävaten und Laianken an.

Römersäulen auf dem Julier

Römersäulen auf dem Julier

Im 1. Jahrhundert v. Chr. waren die Helvetier ein keltischer Volksstamm welcher im heutigen schweizerischen Mittelland siedelte. Die Helvetier sind vor allem wegen ihrer wichtigen Rolle in den Berichten von Julius Cäsar über den Gallischen Krieg bekannt.
Beim Bau der Strassen im Alpenraum ging es den Römern nicht darum, neue Territorien zu gewinnen, sondern um Beherrschung, Ausbau und Unterhalt der Transitwege. Sie errichteten Zollstationen – die manchmal ältere Zahlstellen ersetzten – und erhoben die Quadragesima Galliarum, eine Gebühr von 2,5% auf alle Waren, welche die Alpen in beiden Richtungen überquerten. Mit Ausnahme einiger Verbände, welche die Strassen sicherten oder zum Stab der Provinzstatthalter gehörten wurden in der frühen Kaiserzeit keine Truppen im Gebiet der heutigen Schweizer Alpen stationiert und auch keine Siedlungen befestigt.

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