Weihnachten mit und ohne CORONA19

Nacherzählung

Am Montag, 15.9.2020 kam zum Wochenbeginn aus heiterem, blauem Himmel eine schreckliche Krankheit über mich, die mich noch lange begleiten sollte.

Offenbar zu früh aus dem Bett gestiegen holte ich beim Platzwart Wim oder Andris noch im Halbschlaf die bestellten frischen Brote für das heutige Zmorge. Heidy hat den Tisch noch nicht gedeckt und unter der schattenspendenden Markise als es mir wie ein Blitz durch Kopf fuhr: Die Toilette ist beinahe nicht leer – oder sogar mehr als voll. Wohin soll auch eigentlich mein bevorstehender Morgenstink hin. Also noch schnell, die Drecksarbeit erledigen und erst dann an die frischen Brötchen.

Gesagt-Getan und wir beide sitzen an der warmen frischen Morgen-Sonne. Der Speichel läuft mir im Mund zusammen und wenig später stockt meine Sprache.

Heidy reagiert sofort und wenig später ist der aufgebotene Dorfarzt mit Krankenwagen auf dem Platz. Diese Aufmerksamkeit kommt mir völlig ungelegen, wehre mich aber nicht dagegen, weil ich feststellen musste dass mir etwas Schweres passiert sein musste. Wenig später wurde ich vom Krankenwagen in den REGA-Heli KSRGR umgebetet und ab ging es über Zernez – Flülapass und diversen Berge direkt ins Kantonsspital Chur.

Woche 37 bis 39; Kantonsspital Chur:

Die ersten Wochen verbringe ich hoch oben im 10. Stock des Spitals, dort wo die Hirngeschädigten plaziert sind, das lebhafte Treiben der Helikopter Tag und Nacht sagt mir, dass hier allerhand los ist. Bequem im Spitalbett fahrend lerne hier den Alten und den Neuen Teil des Spitals kennen. Die topmoderne Maschine wo mir schmerzfrei eine Magensonde (PEG) platziert wurde bzw. die laute Magnet-Resonanz Maschine soll schöne Bilder liefern aber die Schönheit alleine macht mich nicht zufriedener oder gesünder.

Zielschlacht TG, ab Sonntag. 27. September 2020 bis Corona

Die ersten beide Wochen waren gekrönt durch je 2 Urlaubstage am jeweiligen Wochenende. Die gewaltigen Fortschritte in der Reha waren einzig überschattet von einem riesigen Lug und Betrug. Es mag ja sein, dass angeblich Geschädigte nicht immer ganz bei Sinnen sind aber vielleicht haben sie ein Gespühr für wichtigere Wahrnehmungen. Warum wird ausgerechnet bei mir regelmässig Blut abgezapft und offensichtlich untersucht; Ohne Grund wohl und warum der handelnde Arzt dabei immer so ein verschmitztes „Pokerface“ in seinem Gesicht hatte.

Spätesten als meiner Frau ausgerechnet an ihrem Geburtstag von namentlich bekannten Leiterinnen dahingehend informiert wurde dass ich an Corona-19 erkrankt sei.

Jetzt endlich war auch mir klar, warum mein Zimmerkollege B und ich seit Wiedereintritt derart isoliert waren obwohl Heidy noch am Sonntagnachmittag in der Klinik über die Unbenklichkeit eines Wiedereintrittes bezüglich Corona versicherte. Diese wurde verneint was sich nachträglich als Betrug erwies. Selbst als ich noch später bei meinem Hausarzt am 10. November getestet wurde war ich immer noch positiv. Jetzt war mir auch klar warum mein Zimmernachbar in der vorgehenden Woche derart krank war dass er sich die ganze Nacht übergeben musste.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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