Ein Leben nach dem Baukartell im Unterengadin!

Als Whistleblower im Fall des Bündner Baukartells zahlt Adam Quadroni einen hohen Preis: Er ging Konkurs. Er wurde verhaftet und in die Psychiatrie eingewiesen. Nach der Trennung von seiner Frau darf er die Kinder kaum mehr sehen. Nun zeigt sich immer mehr das Ausmass an Unrecht, das ihm widerfuhr.

Als Whistleblower im Fall des Bündner Baukartells zahlt Adam Quadroni einen hohen Preis: Er ging Konkurs. Er wurde verhaftet und in die Psychiatrie eingewiesen. Nach der Trennung von seiner Frau darf er die Kinder kaum mehr sehen. Nun zeigt sich immer mehr das Ausmass an Unrecht, das ihm widerfuhr.

Iris Zürcher, Hausärztin von Adam Quadroni, versteht nicht, dass er seine Kinder nicht ungehindert sehen kann. Nach der Trennung der Eltern Quadroni hatte sie dem zuständigen Regionalgericht geschrieben, dass die «enge Bindung zwischen dem Vater und seinen Kindern besonders geschützt werden müsse». Darauf sei nicht reagiert worden: «Das finde ich unglaublich», sagt die erfahrene Ärztin.

Auch Adam Quadronis Anwalt, Angelo Schwizer, kritisiert, dass die Verfahrensleitung des Regionalgerichts auf Schikane und Zermürbung ausgelegt sei. Adam Quadroni müsse um alles und jeden kämpfen: «Ich habe in einem Eheschutz, bei dem der Gegenstand des Verfahrens doch sehr beschränkt ist – Unterhalt, Kinderbelange, Zuweisung der Wohnung – noch nie einen derartigen Aktenumfang gesehen.»

Dass sich Adam Quadroni überhaupt Anwälte leisten kann, hat er Natanael Wildermuth zu verdanken. Nachdem der Student Anfang 2018 im Onlinemagazin «Republik» vom Schicksal des Whistleblowers gelesen hatte, startete er kurzerhand ein Crowdfunding, um ihn zu unterstützen. Innert kürzester Zeit kam eine Viertelmillion Franken zusammen. «Mir ist es wichtig, dass wir in der Schweiz Gerechtigkeit haben», sagt Natanael Wildermuth.

Auch der ehemalige Präsident des Bundesgerichts, Giusep Nay, wurde durch die Berichterstattung in den Medien auf das Schicksal von Adam Quadroni aufmerksam. Aus seinem Berufsleben weiss er, dass oft die Glaubwürdigkeit eines Whistleblowers in Zweifel gezogen wird: «Statt die Tatsachen anzugehen, die er offenbart hat, wird er ins Visier genommen», sagt der Bündner. Heute steht der pensionierte Bundesrichter Adam Quadroni bei.

Adam Quadroni lebt zurückgezogen in seinem Heimatdorf Ramosch im Unterengadin. Am Dorfleben nimmt er längst nicht mehr teil. Ab und zu hilft er bei einem Bauern aus und mistet frühmorgens den Kuhstall aus. Einer regelmässigen Arbeit geht der frühere Bauunternehmer nicht nach.

Viel Zeit verbringt er damit, Dokumente für die verschiedenen Untersuchungen zusammenzustellen, die im Gang sind – etwa die erste parlamentarische Untersuchungskommission des Kantons Graubünden. «Auf der einen Seite bin ich sehr froh, dass das jetzt gemacht wird», sagt er. Dafür habe er jahrelang gekämpft. Auf der anderen Seite kämpfe er um das Recht, seine Kinder zu sehen. «Es sind sehr viele Baustellen und das macht einen schon halb kaputt.»

Dass Adam Quadroni seine ehemaligen Kollegen des Bündner Baukartells hat auffliegen lassen, hat ihm Zuspruch, aber auch viel Ablehnung eingebracht. Öffentlich darüber reden, mögen im Bündnerland nur wenige. Eine von ihnen ist die Unternehmens- und Kulturberaterin Urezza Famos: «Ich finde, man sollte das Thema öffentlich im Tal diskutieren – auch die Rolle der Polizei, die Rolle des Richters – das würde Transparenz schaffen und vieles aufbrechen.» Nur so könne man aus den Fehlern lernen: «Wenn wir alle schweigen, lernen wir nichts.»

Auch ich finde, dass zu viele Behördenvertreter immer noch an der gleichen Funktion wie zu Zeiten des Bauskandals sitzen. Die Polizei – dein Freund und Helfer – zu denen ich normalerweise einen guten Draht empfinde, sollte sich von ihren eigenen Fehlern öffentlich distanzieren und das Vertrauen zur Bevölkerung im Unterengadin endlich wieder herstellen. Auch zBsp im Video mit Adam Quadroni. 

 

 

 

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