2000 Jahre Besiedlung zwischen Kempt und Hohenast

Vor etwa 2000 Jahren waren weite Teile unserer Landschaft der heutigen Nordostschweiz fast menschenleer. Die zurückgebliebenen Galloromanen lebten versprengt in weit auseinander liegenden Oertlichkeiten als um 700 eine verstärkte Besiedlung aus dem Norden von Allemannen einsetzte. Mit der gleichzeitigen Bekehrung zum Christentum wurden kirchliche und klösterliche Stützpunkte geschaffen.

Nach dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert wurden die Helvetier ein wichtiger Bestandteil der Alemannen und nahmen deren Dialekte an. Eine Zwangsassimilation ist in Frage zu stellen, da die spät erfolgte politische und wirtschaftliche Schwäche der Kelten zu einem freiwilligen Übergang führte.

Noch zur Römerzeit verschoben sie ihre Grenzen immer weiter Richtung Norden. Auch Adelige und im Gefolge ihre Gutswirtschaften gewann die Herrensippe der Allemannen im Gebiet Winterthur und oberem Zürichsee immer mehr an Selbstbewusstsein, auch weil die Zentralgewalt der Merowinger und Franken erlahmte.

Die Lage spitzte sich zu als König Pippin der Kurze (um 580–640) den hiesigen Adel konfiszieren liess. Fast panikartig versuchten die Grussgrundbesitzer ihre Güter unter die Obhut von Klöster zu stellen.
Grafstal spielte bei diesen Handänderungen eine wichtige Rolle:

Kirche in Grafstal

katholische Kirche in Grafstal um 1900

Am 10. September 745 schenkte Landbert dem Kloster St. Gallen in einer öffentlichen Gerichtsversammlung die von seinen Eltern geerbten Güter in Illnau, Effretikon, Mesikon, Uznach, Dürnten, Hinwil und Bäretswil sowie existirende Siedlungen in Ubikon westlich von Grafstal am Tonnenbach. Um 774 wurden von Landberts Vetter Blitgear Güter in Winterberg, Eschikon und Lindau ebenfalls dem Kloster in St. Gallen unterstellt.

Kurz vor der Jahrtausendwende wechselten diese Güter zum Kloster Einsiedeln. Im frühen Mittelalter in der Gegend um Grafstal zum Grafen von Kyburg die ihrerseits 1234 diese Güter dem Dominikanerinnen-Kloster in Töss schenkten.

In Winterberg etablierte sich ein Freiherrengeschlecht welches allerdings wegen der Nähe zur Kyburg im 14. Jahrhundert wieder verschwand.

Zur Römerzeit führte eine gute Römer-Strasse von Winterthur durch das Kempttal noch Pfäffikon an den oberen Zürichsee. Im Jahre 960 besass diese Route durchs Kenpttal einen strategischen Wert als Kaiser Otto der Erste seine königlichen Güter zu Pfäffikon dem Kloster in Disentis schenkte.

Damit wollte er verschiedene Stützpunkte auf dem neuen Weg über den Lukmanier nach Italien absichern.

Damals waren Strassen kaum mehr als eine von Pferdehufen gelockerte Piste welche bei nasser Witterung schnell einmal unpassierbar wurden. Die tiefen Karrengeleise sind auch heute noch teilweise sichtbar.

Die Franzosen waren die ersten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts welche begannen «Kunststrassen» zu bauen. Der Untergrund wurde mit einem Steinbett stabilsiert und mit einem hartgewalzten Belag aus Kies und Split versehen. 1791 gab es im Kanton Zürich erst 66 km Kunststrassen und zwar eine von Zürich über Bülach nach Eglisau und die Andere von Zürich über Brütten nach Winterthur und weiter nach Elgg.

Das Tal der Kempt konnte um 1800 im unteren Teil noch nicht befahren werden weil hier im heutigen Winterthur Töss zwischen Kempttal und der Stadt ein Sumpfgebiet war. Einzig ein unbequemer Fussweg führte von Grafstal nach Töss.

Die von Zürich nach Winterthur verkehrenden Postkutschen fuhren 1805 alle über Brütten und der Steig nach Winterthur.

Auf Kunststrassen rechnete man mit einer Tagesleistung von etwa 30 km für Fuhrwerke. Nach wie vor war die menschliche Fortbewegung mit 4,8 km pro Stunde das Mass aller Dinge.

Als vom 27. Dezember 1855 die Nordostbahnlinie von Oerlikon dreimal täglich nach Winterthur und zurück fuhr war es für die Passagiere erschütternd wie schnell die Bahn fuhr. Es wurde vor körperlicher und geistiger Verwirrung gewarnt weil der Zug in nur 39 Minuten diese Strecke über den Geländerücken bei Effretikon überwand.

1861 kaufte Michael Maggi die Hammermühle die neu an der Bahnlinie zwischen Zürich und Winterthur lag. Sein Sohn Julius übernahm 1869 den Mühlebetrieb und Mehlhandel. Der Leadertyp Julius Maggi wurde zwar von allem Anfang vor Rückschlägen nicht verschont und musste sein Ziel kochfertige Suppen zu erstellen fast wieder begraben. Beim Pröbeln verlor er viel Zeit und Geld und war zum Zahltag oftmals gezwungen, sein Leute zusammen zu rufen um ihnen erklären zu können, die Kasse sei leer.

1886 erfand Julius Maggi die Würze und im gleichen Jahr kam die erste Suppe auf den Markt. Damit wurde er weltweit bekannt. Der Inhaber und Patron wurde von allen Einwohner von Grafstal und Kemptal verehrt nur als er seine Tochter «Legimosa» nennen in Anlehnung an sein Legimosen-Mehl wollte, wehrte sich seine Familie vehement. Schliesslich tauften sie das Mädchen Beatrice.

Bereits am 19. Oktober 1912 verstarb Julius Maggi nur 66-jährig an einem Schlaganfall und wurde in Lindau beerdigt.

Bis 1963 waren die katholischen Pfarreien im Kanton Zürich immer noch als Privatvereine organisiert obwohl der Glaube und die Kleriker mit ihren Klöstern über Jahrhunderte Ordnung und Schutz für Alle boten.

Damals fehlten einfach die Strukturen einer vertrauenswürdigen politischen Macht und dazu waren weder die vielen Grafen, Könige oder Kaiser und nur die Kleriker und Klöster in der Lage.

Auch der habsburgische König und spätere Kaiser Friedrich III. unterstützte Zürich zwar im Kampf um das Erbe der Toggenburger im Alten Zürichkrieg und erhielt deshalb 1442 den grössten Teil der Grafschaft Kyburg zurück.

Zürich behielt nur das Gebiet westlich des Flusses Glatt, das von da an Neuamt genannt wurde. Die Habsburger mussten den Rest der Grafschaft Kyburg allerdings bereits 1452 wieder an die Stadt Zürich verkaufen. Der Stadtstaat Zürich gliederte die Grafschaft, mit Ausnahme der 1442 abgetrennten Obervogtei Neuamt integral in seinen Herrschaftsbereich ein und liess sie durch einen Landvogt regieren, der auf dem Schloss Kyburg residierte.

Ausgenommen war die unter den Habsburgern noch zur Grafschaft gehörende Stadt Winterthur, welche die Zürcher erst 1467 kaufen konnten und danach mit einem Sonderstatus als Munizipalstadt regieren mussten. Im Jahre 1512 erhielt die Herrschaft von Papst Julius II. eigens einen wertvollen «Juliusbanner» für die 1508–1510 im „Grossen Pavier Feldzug“ geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.

1711 beschloss der Rat der Stadt Zürch, dass von nun an die Ortschaften Winterberg, Kleinikon, Tagelswangen und Grafstal zur Pfarrei Lindau gehörten.

1798 wurde die Grafschaft als Verwaltungseinheit im Zuge der Helvetik und des Einmarsches der Franzosen aufgelöst.

1831 stimmte das Volk einer totalrevidierten Kantonsverfassung zu, worin die Grundlagen des heutigen zürcherischen Staates gelegt wurden. Im Umfang der Neuordnung wurde die Kirchgemeinde Lindau dem Bezirk Pfäffikon zugeteilt.

Die Kirchdörfer waren also für die Gründung der späteren politischen Gemeinden massgebend und zeigten damit auch die Anerkennung der Kleriker als Macht aus.

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