Abschaffung des Eigenmietwerts: Endlich geht es voran!

Der Eigenmietwert ist eine Schweizer Spezialität und in seiner Form weltweit einmalig.
1915 wurde er im Rahmen einer eidgenössischen Kriegssteuer eingeführt , um die ausbleibenden Zollerträge während des Ersten Weltkrieges auszugleichen.

Doch es ist ungerecht wenn man für die eigenen vier Wände eine Mietwertsteuer bezahlen muss, bei anderen Vermögenswerten aber nicht.

Die privaten Haushalte in der Schweiz weisen eine rekordhohe Verschuldung auf. Anfangs 2017 lag der Schuldenstand der privaten Haushalte bei rund 850 Milliarden Franken. Weltweit ist das im Vergleich mit Bruttoinlandprodukt ein absoluter Spitzenwert. Hypotheken sind dafür ein grosser Treiber. Der Eigenmietwert bei gleichzeitiger Abzugsfähigkeit des Hypothekarzinses setzt falsche Anreize.

Hans Heinrich Raths

Für viele ist Wohneigentum eine wichtige Säule der Altersvorsorge. Viele Eigenheim- und Wohnungsbesitzer haben dafür lange gespart und auf anderes verzichtet. Rentner werden heute durch den Eigenmietwert oft übermässig belastet, vor allem die, welche ihre Hypotheken teilweise oder ganz abbezahlt haben.

Wohneigentum ist zu fördern und nicht durch eine systemfremde Steuer zu bestrafen. Dazu kommt, dass Banken die Tragbarkeit von Hypotheken beim Eintritt der Hypothekennehmer ins Rentenalter überprüfen, was oft mit einer bösen Ueberraschung für Kreditnehmer endet, die zu wenig abbezahlt haben.

Damit die Vorlage schliesslich mehrheitsfähig wird, ist ein konsequenter Systemwechsel nötig. Ausnahmen sind die kantonale Förderung von energetischen Sanierungen und Massnahmen zu Denkmalpflege und ein befristeter Abzug für Hypothekarzinsen bei Ersterwerber.

Selbst genutztes Wohneigentum hat einen Anteil von rund 10 % am Wert aller Gebäude in der Schweiz. Selbstverständlich sind Investitionen in diese Gebäude für das Baugewerbe wichtig. Wenn Kühlschank oder Heizung defekt oder das Dach rinnt, hat eine Instandhaltung auch ohne Abzugsmöglichkeiten hohe Priorität. Der Abzug führt oft auch dazu, dass Renovationen etappiert statt auf einmal vorgenommen werden.

Dank der unermüdlichen Arbeit des Hauseigentümerverbandes ist die Abschaffung des eidgenössischen Eigenmietwertes im eidgenössischen Parlament auf gutem Weg. Läuft alles wie geplant, könnte eine Beseitigung der ungerechten Steuer per 2022 möglich sein.
(Meinung von Hans Heinrich Raths, SVP Kantonsrat, Pfäffikon)

Studien der Bank UBS

Die UBS hat in einer Studie die möglichen Folgen der geplanten Abschaffung der Besteuerung des Eigenmietwertes beleuchtet. Demnach würden Rentner und Käufer neuwertiger Wohnungen mit kurzfristigem Zeithorizont von einem Steuerwechsel deutlich profitieren. Entsprechend verursacht das Vorhaben milliardenschwere Steuerausfälle. Wer sanieren muss und höhere Hypothekarzinsen zahlt, wird dagegen belastet.

Die Bank rechnet aufgrund eines Systemwechsels kaum mit signifikanten Aenderungen der Eigenheimpreise. Bei den Hypothekarschulden wird eine Verlangsamung des Wachstum erwartet, aber kein Rückgang wie es in der Studie heisst. Mit der Umsetzung rechnet die Bank frühestens im Jahre 2022.

Eine Abschaffung des Eigenmietwertes und jeglicher Abzugsmöglichkeiten würde heute zu Steuerausfällen von rund 1.4 Milliarden Franken führen, schreibt die Bank weiter. Nach den Vorschlägen der Wirtschaftskommission des Ständerates werden sich die Ausfälle gar auf 2.5 Milliarden belaufen. Gemäss anderen Qellen und unter strikter Einhaltung der selbstbewohnten Eigentümer (ohne Zweitwohnsitz) könnte gar ein Nullsummen-Spiel resultieren.

Je nach Belehnungsgrad, Höhe der Hypothekarzinsen, Anteil des Eigenmietwertes und Höhe der Sanierungs- und Unterhaltskosten unterscheiden sich die Konsequenzen für die Eigentümer deutlich, heisst es weiter. Anhand von Fallbeispielen macht die Auswirkungen der geplanten Aenderungen deutlich. So rechnet die UBS in ihren auf mehrere Jahre angelegten Modellrechnungen für Rentner eine kantonale Bandbreite der Steuerersparnis zwischen 1’000 und 3’800 Franken jährlich.

Bei Eigentümern einer neuwertigen Wohnung mit 0 Prozent Abschreibung auf den Objektwert ergibt sich demnach eine Ersparnis von 850 bis 2’800 Franken. Bei einem Altbauobjekt mit Sanierungsbedarf und einer Abschreibung von 1,6 % Prozent dürften auch langfristig keine Steuerersparnisse anfallen. Die zusätzliche Belastung bewege sich zwischen 300 und 900 Franken pro Jahr.

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Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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