PCT 2017: Von Bishop/ Kalifornien nach Cascade Locks/Oregon, neue Einstiegsmarke nordwärts 2144 mi – Trout Lake – White Pass, Marke 2292 mi, gelaufene 1832 mi/2948 km

Die drei Tage in Bishop gingen mit den Vorbereitungen für Washington schnell vorbei. Mit der letzten Trailetappenberechnung wurde mir zum ersten Mal richtig klar, dass in fünf Wochen, mit den sieben Trailabschnitten und nach weiteren 505 mi/813 km die Zeit auf dem PCT zu Ende geht. Darüber nehmen Freude und Wehmut zurzeit den gleichen Stellenwert ein.

Endlich geht es wieder in die richtige Richtung. Der Trail führt in Richtung Norden! Der Reisetag mit dem Bus von Bishop zum Flughafen in Reno und dem Flug nach Portland in Oregon dauerte den ganzen Tag. Er verlief träge aber problemlos.

Am kommenden Morgen kaufte ich meine Lebensmittel für 4,5 Tage ein, fuhr in 2,5 Std. mit Bus, Cityzug und Uber-Taxi von Portland nach Cascade Locks und am frühen Nachmittag überquerte ich auf dem Trail die Bridge of the Gods, die über den Columbia River verläuft, der zugleich die Grenze zwischen Oregon und Washington bildet.

Bereits vor der Sierradurchquerung habe ich für mich vorgesehen, Washington alleine oder nur lose mit anderen Hikern auf dem Trail zu erleben. Die Verlockung der Freiheit ohne Anpassung und Kompromisse ist gross. Am Abend zuvor am Airport haben Françoise und ich uns verabschiedet. Sie erreichte Bishop rechtzeitig einen Tag vor dem Reisetag, benötigt in Portland jedoch noch etwas Erholungs- und Organisationszeit für die Zeit in Washington.

Im Cityzug auf dem Weg nach Cascade Locks kam ich wie üblich mit Leuten ins Gespräch. In einer Grossstadt wie Portland, weit weg vom Trail, fällt ein Rucksack wie meiner speziell auf. Generell sah ich in Portland nicht viele Backpacker. Das Interesse für den PCT im Zug war so gross, dass noch mehr Leute dazu kamen.

Einige erzählten von ihren Trail-Erfahrungen während einigen Tagen auf dem PCT, andere beglückwünschten meinen Entschluss für diese Auszeit und die bereits gelaufene Strecke und auf einmal kam Hektik auf, da einige mit mir ein Foto machen wollten. Eine Frau aus Schottland steckte mir vor ihrem Aussteigen noch schnell ihre Emailadresse zu, ich soll mich unbedingt nach meiner Ankunft in Kanada bei ihr melden. – Was der PCT einem so alles erleben lässt!

Der Höhenunterschied aus der High Sierra zum Start in Washington war immens. So auch die Temperaturen für den ersten Wandertag, der auf beinahe Meereshöhe begann. Eine aussergewöhnliche Schönwetterphase mit für diese Jahreszeit hohen Temperaturen in den Orten beglückt die Leute im südlichen Teil von Washington.

Auf höheren Höhen bis ca. 6000 ft (ca. 1800 m) sind die Nächte schon merklich kühler und am Tag braucht die Sonne länger, bis sie über die Berge scheinen kann. Die Temperaturen am frühen Morgen sind frisch, im Laufe des Tages sommerlich warm und die Schatten sind spürbar länger geworden. Vom sommerlichen Mittelkalifornien bin ich in den Herbst in den Bergen von Washington gekommen. In den Tälern ist der Sommer auch hier noch präsent. Übrigens, hier gibt es kaum Mücken!

Der Trail verlief in den ersten sechs Tagen meist durch den Wald. Hoch und runter, Mal an einem grossen Weiher vorbei, Mal war der Wald lichter und dann wieder dichter – mit der Zeit sehr langweilig. Der einzige Lichtblick war der Mount Adams, den man immer näher durch die Bäume sah und die herbstlichen Verfärbungen der Sträucherblätter.

Ab dem 7. Tag ging es hoch hinauf in die Cascades Range. Nach jedem Pass oder Sattel verändert sich die Bergwelt. Eine Aussicht schöner und mächtiger als die andere. Oft stehe ich auf der Durchgangsstelle auf die andere Bergseite und komme aus dem Staunen nicht heraus. Einfach nur gewaltig und wunderschön!

Das alleine auf dem Trail unterwegs sein, bedeutet für mich die absolute Freiheit. Ich geniesse diese Situation und komme sehr gut voran. Unterwegs habe ich bereits einige Hiker aus der Südkalifornienzeit wieder getroffen. Hikerfreunde aus dieser Zeit sollen zum Teil vor- oder hinter mir sein. Es wird spannend und die täglichen Gespräche, auch mit Kurzzeitwanderer, gehen nicht aus.

Die vielen Waldbrände in Oregon haben auch den PCT beeinträchtigt. Einige Male mussten die Hiker die Brandregionen umfahren. Aus der Ferne, von den Bergen aus, sieht man nun auch die grosse Rauchwolke und davon die vom Wind weitergezogenen Rauchschwaden vom Waldbrand in Südwashington. So wie ich gehört habe, kann zurzeit bis zum Snoqualmie Pass gewandert werden. Was dort anzutreffen ist, da unterscheiden sich die Aussagen in viele Richtungen. Mir scheint, die Situation, was den PCT betrifft, ist tagesabhängig. Spätestens Vorort werde ich erfahren, ob und auf welcher Strecke der Trail geschlossen ist.

Die Resupply-Orte um den PCT hier in Washington sind teilweise sehr klein und bieten nicht immer WiFi an. Es kann daher sein, dass es länger dauert, bis ich mich wieder melden kann.

PS: Text und Bilder; Christine

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