PCT 2017: Mammoth Lakes – VVR (Vermilion Valley Resort) – Muir Trail Resort – Bishop, Marke 1830 mi = gelaufene 1630 mi/ 2623 km

Mit schwerem Rucksack ging es am Trailhead über Mammoth Lakes in die High Sierra. Der Trail nahm schon bald wieder die gewohnte PCT Struktur an und ungeübte JMT (John Muir Trail) Wanderer waren nur noch wenige anzutreffen. Zwei schwierige Flussüberquerungen mit Wasser bis zur Schritthöhe beim einen und die Überquerung auf schmalem Baumstamm über dem tobenden Wasser beim anderen waren zu meistern.

Bei den Restlichen gab es nur nasse Füsse und Beine bis höchstens unter das Knie. Eine Woche vor der einen schwierigen Flussüberquerung ertrank dort eine weitere PCT Hikerin. Man fand sie einen Tag vor unserem Crossing. Ich kannte Tree nicht. Andere in meinem Umfeld schon. Eine junge Japanerin, die mit viel Freude und Motivation auf dem Trail unterwegs war.

Mit dem Schiff ging es unterwegs zum Resupply ins Vermilion Valley Ressort (VVR) über einen See. Die dortige Hikerbox war bekannter Weise mit guten Lebensmitteln so überfüllt, sodass wir für vier Tage nur noch einige Riegel nachkaufen mussten. JMT Hiker sind die netten Füller dieser Hikerbox. Sie senden sich Resupply Pakete dort hin und haben meist zu viel Essen dabei oder beenden dort den Trail. Das wissen die PCT Hiker zu schätzen.

In VVR legte ich das Foodprint (Zeltunterlage) zum Trocknen auf einen Felsen und vergass es dort. Dies kam mir in den Sinn, als wir schon zu weit weg waren. Mist! Ohne diese Unterlage nützt sich der Zeltboden zu schnell ab, der Boden ist kälter, dreckiger und vom Kondenswasser meist nass.

Auch dazu fand sich wieder eine Lösung. Ich fand einen amerikanischen Hiker mit einem Horizon Netz Handyvertrag. Alle Europäer haben einen AT&T Vertrag und damit hat man in der Sierra kein Netz. Ich konnte im Shop in VVR anrufen und bitten, dass man mir das Foodprint nach Bishop sendet. Für die Versandkosten wollte man von mir die Kreditkarteninformationen. Da hatte ich noch keine Karte. Der amerikanische Hiker übernahm sofort mit seiner Kreditkarte die Kosten und wollte von mir, unter der Aussage, er sei reich, die Kosten in bar nicht annehmen.

Die Sierra ist traumhaft! Viele Bergseen in einer wilden Bergumgebung. Die Pässe wurden immer höher. Der achte Pass auf 12’000 ft (3700 m), der Muir Pass, war auf dem PCT für mich leider der letzte. Ich kam entweder mit der Höhe nicht klar oder mein Körper forderte eine Pause.

Starke Kopfschmerzen, Schwindel und zu wenig Atem liessen mich nur langsam aufsteigen. Auch eine Übernachtung, allerdings auf etwa 3400 m, half nichts. Es war eine grosse Murkserei bis ich oben war. Der Abstieg ging etwas besser, aber mein Körper fühlte sich krank an.

Da ich nur für eine bestimmte Anzahl Tage Essen dabei hatten, konnte ich keinen Erholungstag einlegen. So musste ich vernunftsmässig vier Pässe früher vom Trail runter. Meine Trailpartnerin Françoise zog alleine weiter. Um Bishop zu erreichen, musste ich den Bishop Pass, auch auf 3700m, in ein anderes Tal überlaufen.

Erst übernachtete ich auf etwa 2600m und schlief sehr lange bis ich am anderen Morgen los ging. Es ging etwas besser, aber immer noch kam ich nur sehr langsam hoch. Die Gegend auf der anderen Seite des Passes war so schön, dass ich beschloss, meine Erholungsphase schon hier anzufangen.

Ich suchte mir einen schönen Platz für mein Zelt und schlief wieder sehr lange, bis ich gestern die letzten Meilen wanderte. Heute geht es mir schon wieder besser. Meine Zeit hier in Bishop geht bis Freitag früh. So kann ich gleichzeitig eine alte Muskelzerrung unter dem rechten Arm auskurieren, die ich mir vor einiger Zeit beim Rucksack aufsetzen zugezogen habe.

Mein Bärkanister brauche ich nun nicht mehr. Mit Freude habe ich ihn einem Hiker übergeben, der von Bishop aus nordwärts in die Sierra einsteigt. Mein Rucksack ist nun wieder um 1,2 kg leichter.

Kalifornien ist nun fertig durchwandert, jetzt geht es nach Cascade Locks in Oregon zur Grenze nach Washington. Es gibt dazu einiges vorzubereiten. Bus, Flug, Hotelübernachtungen, Resupply Packete usw. Heute wasche ich meine Ausrüstung. Seit Etna zum 2. Mal. (Ca. 900 Meilen). Dazu hat man normalerweise keine Zeit. Auch habe ich meine neuen Schuhe in Bishop zu suchen. Sie wurden rechtzeitig versendet, kamen bei UPS hier auch an, fanden jedoch den Weg zur Post nicht. Meine aktuellen Schuhe sind nach der Sierra und ca. 900 km nun wirklich nicht mehr zu gebrauchen.

Den größten Teil von Oregon lasse ich aus Zeitgründen aus. Es ist der flachste und langweiligste Trailabschnitt, so verpasse ich nicht viel und habe die Möglichkeit, Ende September vor dem Winteranbruch in Kanada anzukommen. Ich freue mich sehr auf Washington.

Wieder eine neue Umgebung mit dem Cascade Gebirge auf wesentlich niedrigeren Höhen als in der Sierra. Und endlich geht es auch wieder nordwärts! Die meisten Trailinformationen sind für NOBOs (Northbounders) ausgerichtet, was den Trailalltag wieder einfacher gestaltet und Kanada ist nun mal im Norden. Dort ist das Ziel!

Ich bin seit gestern wieder eine Kreditkartenzahlerin. Das Paket aus Deutschland hat mich auf Umwegen hier erreicht. Ohne Kreditkarte kommt man in Amerika nur sehr schlecht vorwärts.

Text und Bilder von Christine; Gute Besserung und vielen Dank für deinen Bericht vom 21. August 2017.

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Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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