PCT 2017: South Lake Tahoe – Kennedy Meadows North – Tuolumne Meadows – Mammoth Lakes, Marke 1744 mi = gelaufene 1544 mi/ 2485 km

Von Kennedy Meadows aus führte der Trail in die Anfänge der Sierra Nevada und dann weiter in den Yosemite National Park. Mit dem Sonora Pass habe ich den ersten von zwölf hohen, teilweise schneebedeckten Pässen überquert. Die Pässe gehen bis über 12’000 ft/3700 m.

Die Überquerung der Flüsse in den Tälern (ca. auf 8000 ft/2400 m) zwischen den Pässen benötigt viel Zeit. Oft ist bis zu einer halben Meile Fluss aufwärts oder abwärts eine geeignete Stelle zu suchen, um den Fluss zu durchwaten oder ihn auf einem Baumstamm zu überlaufen. Ist die Strömung zu stark oder die Wassertiefe höher als bis zu den Oberschenkel, ist auf den nächsten Morgen zu warten.

Über Nacht schmilzt der Schnee weniger und die Wassermenge im Fluss geht zurück. Das Schmelzwasser vom vielen Schnee in diesem Winter (in der Hight Sierra bis 23 Meter!) füllt die Flüsse noch ganz ordentlich. In vielen Wasserfällen und steilen Bächen stürzt das Wasser die Felswände hinunter. Der Trail wird oft zum Bach und muss durch Gestrüpp umlaufen oder über Felsen umklettert werden. Nasse Schuhe sind einem über den ganzen Tag meist sicher.

Und trotz den erschwerten Bedingungen in diesem PCT-Jahr ist die Bergwelt fantastisch! Ein Bergsee schöner als der andere, wunderbare Panoramen und viele traumhafte Meadows (Wiesen) auf den Hochebenen.

Ab Kennedy Meadows North ist bis Lone Pine ein Bärenkanister vorgeschrieben. Alle Lebensmittel und Toilettenartikel sind in diesem Kanister mindestens über Nacht aufzubewahren und ausserhalb des Zelts, einige Meter weg oder auf den offiziellen Campingplätzen in den Bären sicheren Kasten zu deponieren. Der Kanister schliesst duftsicher ab und kann von Bären nicht geöffnet werden. Die Gefahr einer Bärenattacke durch die Zeltwand wäre ohne Kanister zu gross. Ich war mir sicher, dass ich in Kennedy Meadows North einem nach Norden wandernden Hiker seinen Kanister abkaufen kann. Die meisten senden ihren Kanister von dort per Post nach Hause.

Irgendwie klappt es auf dem Trail immer! In der Hikerbox fand ich einen Bärenkanister. Alles was dort zu finden ist, ist kostenlos. Mit diesem Kanister hat schon Mal ein Bär „gespielt“. Am Deckel sind davon Spuren zu sehn. Nach einer gründlichen Waschaktion ist er nun mein und mein Rucksack ist um 1,2 kg schwerer. Wenn ich ihn nicht mehr brauche, landet er wieder in einer Hikerbox.

Als meine aktuelle Wanderpartnerin Françoise und ich in Kennedy Meadows North waren, fanden wir keine Hiker, die auch südwärts unterwegs waren. Für die Sierra-Etappen wollten wir uns mit einem bis zwei Hikern zu einer grösseren Gruppe zusammen tun.

Eine Woche davor soll es einige SOBO’s (Southbound-Hiker) gehabt haben. Nach Gesprächen mit Hikern, die die Sierras soeben durchwandert haben, wurde klar, dass wir unter den jetzigen, einfacheren Schnee- und Wasserbedingungen, die Etappen durch die Sierra Nevada auch zu zweit machen können.

Sodann ging es nach dem üblichen Duschen, Wäsche waschen und Resupply nach einer Übernachtung im Massenlager vom Kennedy Meadows Ressort am kommenden Morgen auf den nächsten Trailabschnitt.

Der Ort ist ein Traum für Pferdeliebhaber. Die Einrichtung des Haupthauses und die Nebengebäude einschl. der grossen Pferdekoppel erinnern an Bonanza. Die Reiter in voller Westernmontur inkl. Sporen an den Stiefeln laufen zusammen mit den Hikern über den Hof. Kennedy Meadows ist heute noch immer der Startort für Warentransporte auf Mullis in die Sierras.

Nach mehr als drei Monaten Hitze, Sonnenschein und blauer Himmel erlebte ich während einigen Tagen Schwüle mit Gewittern, etwas Regen und angenehmen kühlen Tagestemperaturen. Weniger angenehm ist es am Morgen das nasse Zelt einzupacken, nachdem es in der Nacht geregnet hat. Die Nächte sind nach wie vor mit meist unter 10 Grad C kalt und dies nicht nur bei Übernachtungen um die 9000 ft/2700 m.

Der bekannte John Muir Trail (JMT) verläuft auf seiner Strecke (ca. 210 mi /335 km) meist zusammen mit dem PCT von kurz vor Tuolumne Meadows bis zum Mt. Withney vor Lone Pine durch die Sierra Nevada. Einer der schönsten Streckenabschnitte des PCT.

Mount Withney ist mit 4421 m der höchste Berg der USA ausserhalb Alaskas. Der PCT verläuft jedoch nicht über diesen Berg. Auf dem bis jetzt gemeinsam verlaufenen Streckenabschnitt sah man vermehrt Hiker und der Trail war auffallend von grossen Ästen und umgefallenen Baumstämmen geräumt. Über die meisten Flüsse führten Brücken und die Trailbreite änderte sich von ca. 40 cm auf weit über einen halben Meter. Ich sah JMT-Hiker an ihren ersten Tagen leiden.

Blasen, der schwere Rucksack und die teilweise steilen Aufstiege verursachten grosse Mühen. Ich habe das alles auch mal durchgemacht und schon lange wieder vergessen. Erst im Vergleich zu den Neueinsteigern merke ich, wie die Tagesabläufe zur Routine geworden sind und wie schnell ich doch unterwegs bin.

Je näher der Trail zur Abzweigung nach Mammoth Lakes führte umso stärker nahm die Rauchbildung eines Waldbrandes im nahen Umfeld zu. Teilweise kratzte der Rauch bei den Aufstiegen im Hals und die Weitsicht war etwas eingetrübt. Laut Aussage eines Hubschrauberpiloten, der im gleichen Hotel in Mammoth untergebracht ist, ist das Feuer unter Kontrolle. Feuerberichte aus Oregon beschreiben dort die Lage um den PCT prekärer. Einige Trailabschnitte sind aktuell zu umlaufen oder gar zu umfahren.

Für den nächsten Trailabschnitt in der High Sierra rechne ich mit neun Tagen. Je nach Schnee- und Wasservorkommnissen in den zu überquerenden Flüssen und den steilen Auf- und Abstiegen werden wir pro Tag unsere Meilenanzahl reduzieren müssen. Je nach Verlauf melde ich mich wieder aus Bishop oder Lone Pine. Es werden die letzten 119 Meilen in Kalifornien sein.

Übrigens, die Bank hat zurecht meine Kreditkarte gesperrt. Die Karte wurde betrugsmässig kopiert und drei Mal in North Charolina eingesetzt.

Eine neue Kreditkarte wurde mir zugesendet. Leider haben wir uns in Tuolumne Meadows verpasst. Heute in Mammoth erhielt ich mit einer Überweisung über Western Union in kürzester Zeit nach einer langen Durststrecke Bargeld. Wie schön, wieder finanziell unabhängig zu sein.

Text und Bilder von Christine; Vielen Dank und weiterhin alles Gute!

Bonanza Song

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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