PCT 2017: Lone Pine, Mittelcalifornien (Ausstieg S-N bei 745 mi/1199 km) nach Ashland, Oregon (Einstieg S-N bei 1715 mi/2760 km und neu Marke N-S 944 mi/1519 km) – Etna Marke 1053 mi/1695 km = gelaufene 854 mi/1374 km

Nach ca. 12 Stunden Reise von Lone Pine nach Ashland, Oregon bin ich dort gut angekommen. Der Pacific Crest Trail kann man vom Süden nach Norden (Northbound) oder vom Norden in den Süden (Southbound) bewandern. In beide Richtungen wird er in Meilen durchgezählt. Ich bin nun nach Süden Richtung Sierras unterwegs und die Meilenangabe hat sich entsprechend geändert.

Der erste Wandertag unterwegs in Oregon war traumhaft! Alles grün, viele Wasserstellen und dicht bewachsene Wälder. Nur wenige Waldbrandschäden. Es roch nach Nadelwald und Wiesen, die Temperatur sommerlich warm und es zeigten sich nur noch wenige Schneefelder im Wald.

Am zweiten Tag erreichte ich die Grenze zu Nordcalifornien. Je höher der Trail an diesem Tag führte, umso mehr nahm der Schnee zu. In den Wäldern liegen ab 5600 ft (1700 m) noch bis ca. 2 Meter Schnee, ausserhalb, je nach Lage, bis über einem Meter. Ohne Micro Spikes (Trekking Steigeisen) ist ein Weiterkommen im Schnee, vor allem das Traversieren von Steilhängen, kaum möglich und ohne GPS kann der Trail nur schwerlich gefunden werden. Da noch fast keine Hiker hier gewandert sind, gab es keine Fussspuren. So ist der Trail nach GPS mühsam, hoch und runter, oft an steilen Schneehängen im Wald zu suchen oder über durchquerte Schneehänge wieder zu erreichen. Das Vorankommen brauchte Zeit. Eigentlich war das Switchen von Lone Pine nach Ashland gedacht, dem Schnee auszuweichen. Dies ist wohl nach diesem speziell harten Winter zurzeit noch nicht möglich. Durch den vielen Schnee sind viele Bäume umgeknickt oder entwurzelt und liegen quer über dem Trail oder im Schnee. Wenn man sie nicht umlaufen kann, ist das Überqueren manchmal ein richtiger Kraftakt. Das Schmelzwasser kommt in vielen Bächen, über weite Abhängen die Berge herunter oder sucht sich den Trail als Bachbett aus. Nasse Füsse waren an der Tagesordnung.

Einen ersten Teil dieses Berichts schrieb ich im Zelt, während ein heftiges Gewitter abends runter kam. Wir haben gerade noch rechtzeitig zwischen zwei grossen Schneefeldern einen trockenen Platz erreicht, wo die Zelte aufgebaut werden konnten. Im Schneegebiet sind trockene Zeltmöglichkeiten sehr rar. Wenn man einen Platz findet, so war oft ein enges Zeltaufstellen notwendig.

Die Marble Mountains sind durchquert. Auf der nächsten ca. sechstägigen Etappe weiter südwärts ist nur noch anfänglich an zwei Tagen mit einigen Schneefeldern in den Bergen zu rechnen. Danach ist der Weg über viele Meilen bis in die Sierras schneefrei. In der Zeit kann nordwärts der Schnee in den Cascades, Oregon, weiter schmelzen, sodass der Trail später hoffentlich schneefrei ist.

Vor drei Tagen ist mir beim Essen ein Zahnteil abgebrochen. Bin schmerzfrei, dennoch muss ich zum Zahnarzt. Habe morgen, Donnerstag einen Termin in einem Nachbarsort. Meine zwei aktuellen Trailpartner warten mit mir hier in Etna.

Der heutige zusätzliche Stopptag ermöglichte mir, nach zwei Monaten auf dem PCT, zum ersten Mal eine Reinigung aller Ausrüstungsgegenstände. Das Waschwasser vom Rucksack war schwarz! Ausserdem habe ich mein Resupply (Lebensmittelnachschub) heute schon erledigt. Die täglichen Essensportionen werden umfänglicher und schwerer. Das meiste ist wieder gepackt und wartet auf das Weiterlaufen am Freitagmorgen.

Unterwegs auf der letzten Etappe ging einer meiner Schuhe kaputt. Seitlicher Riss. Da hier in der Umgebung kein Geschäft Hikingschuhe führt, habe ich gestern per Express das gleiche Modell bestellt. Gemäss Versandüberblick sollten sie morgen hier eintreffen. Leider führte vor 10 Tagen der REI in Ashland nicht meine Schuhe. Da ich schon genügend Blasenschmerzen an den Füssen hatte, kommt aktuell nur das gleiche Schuhmodell in Frage. Einige Hiker haben bereits die Schuhe gewechselt und sich für ein anderes Modell entschieden. Manche haben dies wegen neuer Blasenbildung bereut. Einem, auf das dies zutrifft, hatte so starke Blasenschmerzen, dass er die schneefreien Gebiete der Marble Mountains mit Badeschlappen durchwanderte, die Schneezonen qualvoll mit den neuen Hikingschuhen, da die Micro Spikes an den Schlappen nur schwerlich halten. Habe ihn heute beim Einkaufen erneut getroffen. Er pausiert einige Tage. Dies nicht nur wegen den Blasen, seine Knöchel reagieren auf die grosse Belastung durch das haltlose Schuhwerk unter anstrengenden Bedingungen. Der Arme humpelt ganz schwer.

Es gibt unzählige Geschichten auf dem Trail. Die meisten im Alltag zu Hause undenkbar. Hier gehören sie zum Hikeralltag. Wenn einem unterwegs in der Wildnis etwas passiert, gibt es nur noch ein Weiter, irgendwie, mit dem was man zur Verfügung hat. Nur im Notfall, wenn ein Weiterkommen unmöglich ist, wird die Rettung mit dem Hubschrauber gerufen.

In den letzten drei Etappentagen traf ich unterwegs auf die ersten Northbounder (nordwärts Hiker). Alle haben die Sierras bis zu unterschiedlichen Stationen nordwärts umfahren und sind nun unterwegs nach Kanada. Die Ersten, die die Sierras bereits vom Süden Richtung Norden durchquert haben, sind in diesem Schneejahr hier noch nicht anzutreffen. Der Schneesituationsaustausch auf dem Trail ist neben dem Trailtratsch das Wichtigste. Immer weniger gute Thru-Trailbekannte sind auf dem Trail, ob nord- oder südwärts, noch unterwegs. Zurzeit trifft man eher Wanderer, die für einige Tage auf dem PCT sind. Die Unterhaltung läuft hier seitens dieser wesentlich distanzierter und unverbindlicher ab. Dabei fallen mir die beiden unterschiedlichen Lebensumstände auf dem Trail und im Alltag zu Hause auf. Die PCT-Zeit lebt sich so anders im Vergleich zum gewohnten Leben, wie ich es mir nie vorstellen konnte. Ich hoffe, etwas aus dieser Zeit mit nach Hause nehmen zu können.

Bearbeitet von Muck: Admair/Ullapool / Schoottland

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