PCT 2017: Aqua Dulce – Tehachapi (Marke: 566 mi/898 km)

Zum Glück gibt es Starbucks und Mc Donalds mit WiFi und Steckdosen! Bin gestern Nachmittag hier in Tehachapi angekommen und habe auf dem Zeltplatz am kleinen Airport, direkt an den Gleisen des Trailroad Trucks, auf grünem Gras (!) übernachtet. Gras ist schon was tolles! Dort gab es leider kein WiFi, aber eine Hochzeitsfeier.

Christine + Julia

Es war ein anstrengender Trailabschnitt. Bin zurzeit müde, vor allem müde Beine. Geht zum Glück vielen so. Nach sechs Wochen PCT und nicht mehr gross veränderter Umgebung, scheint dies eine normale Erscheinung zu sein. Trotz vielen, teilweise schwer erkämpfter Höhenmetern waren wieder viele Highlights dabei.

Nach spätestens drei Tagen auf dem Trail, wenn die Hiker wieder einen Resuplay-Ort (Nachschub-Ort) verlassen haben, sehen wir alle wieder sehr dreckig aus. Unglaublich, wie normal dieser Zustand geworden ist.

Während einer Mittagspause flog mir eine kleine Fliege ins Ohr. Anfangs krabbelte sie am selben Ort rum und ich dachte, sie fände den Ausgang wieder. Dem war nicht so. Sie lief in die falsche Richtung was mir grosse Schmerzen bereitete. Neben mir schliefen noch einige Hiker, die ich wecken und um Hilfe bitten musste. Erst wurde mit dem nur wenig vorhandenen Wasser das Ohr gespühlt. Dies überstand die Fliege. Zum Glück hatte jemand Salatöl dabei. Damit wurde das Ohr gespühlt und die Fliege verstarb… Bis heute hike ich mit toter Fliege im Ohr. Alle Wasserspühlungen brachten sie noch nicht zu Tage.

Apropos Fliege: Oft nutze ich auf dem Trail vor der Mojave-Durchquerung ein Insektennetz um den Kopf. Es gab lange Strecken, da flogen die Fliegen in Scharen um den Kopf. Nervig und schmerzhaft zugleich, da sie sich an die Haut saugten und dies schmerzte wie ein Stich.

Auf dieser Strecke erreichte ich die 500 Meilen Marke (805 km). War ein schönes Gefühl!

Wasserquellen sind zurzeit nur wenige vorhanden. Somit muss viel Wasser mitgetragen werden. Jeder Wasserrinsal wird mit Freude angesteuert, mag er noch so weit vom Trail entfernt sein. Wasserorte werden im Wasserreport veröffentlicht. Ob es aber aktuell dort noch Wasser gibt, weiss man erst am Ort selber. Deshalb ist immer noch eine Notwassermenge mitzutragen.

Seit der Erreichung der tiefsten Stelle der Mojave Wüste ist es sehr heiss. An der Sonne ca. 45 Grad C. Die Wüste musste erst durchquert werden und danach führte der Trail längs der Wüste entlang. 17 Meilen (27 km) bis zur ersten Wasserquelle. Soviel Wasser, wie man da tagsüber benötigt, ist nicht zu schleppen. Deshalb wird in der Nacht gewandert. Den Tag vor dem Tag/Nacht-Wechsel, verbringt man in Hiker Town, einem leider mittlerweile heruntergekommenen Ort. Dort traf ich übrigens ein Hiker aus Rheinfelden-Nollingen! Der Trail in der Wüste führt lange dem Aquädukt entlang, das Los Angeles eine riesige Menge an Trinkwasser liefert. Die beiden Nachtwanderungen war wieder eine schöne neue Erfahrung.

Auch nach sechs Wochen ist jeder Sonnenaufgang und -untergang eine wunderbare Sache. Wegen der Hitze wandere ich wieder zwischen 5 bis 6 Uhr los und komme erst oft nach Sonnenuntergang an. Über den Mittag wird eine lange Pause gemacht. In der Wüste gab während dem Tag eine Brücke den notwendigen Schatten. Da trafen ständig abgekämpfte, müde Deserthiker ein.

Manchmal gibt es nur wenig Möglichkeiten, um sein Zelt aufzubauen. Wenn man müde ist und nicht mehr weiterlaufen möchte, zwängt man sich auch zu dritt an einer Stelle für ein Zelt zusammen.

Ich hike immer in guter Gesellschaft. Seit Beginn sind Julia aus Dortmund und ich schon zusammen. Trotz des grossen Altersunterschieds, sie ist 28 Jahre alt, sind wir ein gutes Team. Dazwischen wechseln sich immer wieder die Mitwanderer. Man verliert und findet sich wieder, man lernt ständig neue Hiker kennen. Ich geniesse diese unkomplizierte, freie Situation.

Heute Abend geht’s los nach Kennedy Meadows (KM). Ich rechne so mit 7 Tagen. Da wird entschieden, ob ich in die Sierras hoch gehe. Diesen Winter und bis noch vor einigen Wochen hat es in der Sierra so viel geschneit, wie noch nie.

Der Einstieg wurde erst vom 1. auf den 15. Juni und jetzt auf den 1. Juli von den Rangers empfohlen. Seit Wochen kursieren viele Gerüchte über die Schneesituation, den Schmelzwasserflüssen und den Ausrüstungsgegenstände.

Für mich habe ich entschieden, erst Mal nach KM zu hiken und mich Vorort zu informieren. Bis dahin sind schon einige mir bekannte Hiker in die Sierra eingestiegen und ich kann durch deren Informationen die Situation besser einschätzen. Da viele amerikanische PCT Hiker noch nie Kontakt zu Schnee hatten, werden die offiziellen Informationen dieser Situation angepasst. Eines steht für mich jedoch fest: Ich werde nichts riskieren, auch wenn die Sierra der schönste Trailabschnitt ist. Vor ca. zwei Wochen gab es eine Tote.

Die Resuplay-Orte sind sehr unterschiedlich. Vom Tankstellenkiosk bis zum grossen Lensmittelladen Vons habe ich schon alles vorgefunden. Jeder Ort hat so sein Flair. Um Gewicht im Rucksack zu sparen, habe ich heute mein Essensvorrat neu geplant. Für die kommenden 25 Meilen muss das Wasser zusätzlich mitgetragen werden. 18 Kilo ist nun definitiv mein Start-Höchstgewicht. Ich möchte es eher reduzieren. Mal sehen, wie es so läuft.

So, jetzt drängt die Zeit schon wieder. Bis zum Zeltplatz zurück habe ich ca. 2 Meilen zu laufen. Dort werde ich die Tagesessenspakete packen, die Wasservorräte filtern, das Zelt abbauen, mit Julia zusammen einen Salat! zum Abendessen zubereiten und genüsslich essen. Um ca. 18 Uhr wollen wir an der Strasse hitch-hiken (Autostop), um wieder an den Trail zu kommen und danach noch einige Meilen in die Nacht hiken.

Melde mich wieder aus Kennedy Meadows. Bis dahin ist die 1000 km Marke geknackt! Bis dann – Christine!

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