PCT 2017: Wrightwood – Aqua Dulce (Marke: 455 mi/732 km)

Ich sitze hier im Hiker’s Heaven in Aqua Dulce, geduscht mit frisch gewaschenen Kleidern, einer Schale Trauben, einer Orange und einem gekühlten Gatorade unter einem Baum, bequem in einem Stuhl und die Beine hochgelegen. Nach einem 2. Frühstück heute Morgen mit etwa 2000 Kalorien wieder mal ohne Hungergefühl. HERRLICH!

Christine

Eine Familie stellt den Hikern ihren grossen Garten mit allen möglichen Annehmlichkeiten zur Verfügung. (Strom, Wäsche waschen, Hiker Boxes, Zeltplatz, ihre Adresse, wohin wir unsere Nachschubpakete senden können usw.) Dieses nennt sich Hiker’s Heaven und ist tatsächlich ein Traum.

Gestern Freitagabend kamen wir zu dritt durch den Vasquez Rocks County Park bei Abendsonne gelaufen. Es war so überwältigend, sodass wir beschlossen, 2 Meilen vor Aqua Dulce nochmals zu campen.

In diesem Valley sind viele Filmteile gedreht worden. Z. B. Star Trek, Bonanza, McGiver. Auch gestern war ein Filmteam Vorort. Gemäss Wasserreport sollten wir dort Wasser vorfinden, deshalb war unser Wasservorrat so ziemlich am Ende. Es war jedoch keines vorhanden. So bin ich zum Filmteam gelaufen, habe eine Person gesucht, die etwas auf dem Set zu sagen hatte und habe ihn um Wasser gebeten.

Der gab Order durchs Mikrofon durch und so bekam ich sofort drei Flaschen Wasser! Damit war es uns möglich, dort zu campen. Die Hilfsbereitschaft ist gegenüber den PCT Throughhiker (Durchläufer) überall sehr gross, wenn klar wird, von wo wir kommen und was wir noch vor uns haben. Für die meisten unvorstellbar und für mich immer wieder eine grosse Freude dies zu erfahren.

Überlange sogenannte Traintracks (Kontainerzüge) durchqueren das Land und transportieren so alle möglichen Güter. Mit drei alten Locks werden diese Züge gezogen und so kommen sie langsam im Viertelstundentakt auch über einige Hügel vorwärts. Das stetige Hupen hört man bis weit in die Berge hoch. Über eine solche Bahnstrecke führte der Trail im Tal, bis er wieder hoch auf den nächsten Berg führte.

Zwischenzeitlich habe ich so viele Berge, Pässe oder Sättel bestiegen, sodass ich die Namen nicht mehr weiss. Das mit den Bergnamen war aber noch nie meine Stärke.

Die Landschaft im vergangenen Trailabschnitt hat sich gegenüber den vorherigen nicht gross verändert. In den letzten drei Tagen führte der Weg jedoch durch alte Brandgebiete. Fast jeder Hang war mit einer grossen Fläche betroffen. Der PCT war wieder betretbar, jedoch campen war nur an wenigen Orten möglich.

In jedem Ort, wo Hiker für Essensnachschub einkaufen, gibt es Hiker Boxen. Meist kauft man zu viel ein. Was man nicht braucht, legt man zur freien Verfügung in eben diese Hiker Boxen. Bevor man einkaufen geht, sucht man in diesen nach Brauchbarem. Gilt auch für Kleidung, Schuhe, Toilettenartikeln usw. Eine gute Sache, von der alle Hiker profitieren.

Mit Schlangen hatte ich so meine Begegnungen:
Um die Ecke kommend, sah ich eine grosse Klapperschlange bewegungslos quer über dem Weg liegend. Da sie sich nicht bewegte, dachte ich, sie sei tot. Dem war so nicht. Plötzlich zog sie sich auf eine Wegseite zusammen, Kopf hoch oben und gab ihr Warnzeichen mit der Rassel. Damit war klar, wer der Stärkere ist.

Langsam ging ich wieder um die Ecke zurück, ohne sie aus den Augen zu verlieren, da ich wissen wollte, wohin sie geht, damit ich sie später umlaufen konnte. Schade, für ein Foto hatte ich keine Zeit…

Ein anderes Mal lag ich zum Einschlafen in meinem Zelt. Da spührte ich, dass sich eine Schlange unter mein Zelt, direkt unter meine Matratze zwängte. Da war es wohl schon warm. Da ich nichts dagegen unternehmen konnte und auch recht müde war, entschloss ich einzuschlafen, da auch sie zur Ruhe gekommen war. Wir beide schliefen gut, am Morgen sah ich nur noch einen Teil ihrer Spur beim Zeltabbau. Hier gewöhnt man sich an so vieles. Auch an äusserst giftige Pflanzen: Puddle Bush und Poissen Oak. Im letzten Trailabschnitt waren sie häufig anzutreffen.

Der Trail spielt sich in einem anderen Leben ab. So hat jeder Hiker einen Trailnamen. Oft kenne ich den richtigen Namen nicht. Der Trailname wird von Hikern in seiner Umgebung vergeben. Mein Trailname ist D-Hiker.

Meine Trailfreunde können nicht verstehen, wie man nach Tagen auf dem Trail noch so „sauber“ aussehen kann, wie ich es dem Anschein nach wohl bin. So sehen nur Day-Hiker aus, die nach der Tageswanderung nach Hause gehen. Es ist nur so, dass der Dreck auf grauer oder schwarzer Kleidung nicht so gut gesehen wird…. Nach den Vorschlägen „Mountaingoat“ (Bergziege), weil ich auch am Berg gut voran komme, und „Cleany“ habe ich nun D-Hiker akzeptiert.

Es gäbe noch so viel zu erzählen. Was ich bis heute schon erleben durfte ist schon diesen Trailabschnitt wert. Ich hätte nie zu träumen gewagt, was der PCT alles zu bieten hat. Nebst den Entbehrungen und Anstrengungen überwiegt alles andere in grosser Anzahl.
Ich bin auf dem Trail richtig angekommen und freue mich auf alles weitere, was auf mich zu kommt. Eure „D-Hikerin“!

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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