PCT 2017: Idyllwild – Big Baer

Die Pause in Idyllwild war wertvoll. Nach dem 2. Tag auf dem Trail konnte ich wieder meist schmerzfrei gehen, bis die Blasengeschichte an den Füssen wieder von neuem los ging…

Die letzten sechs Tage auf dem Trail bis Big Baer waren anstrengend. Der Weg führte über zwei Berge, den Saddle Jct. und durch das San Bernardino Massiv.

Big Bear Lake

Dazwischen ging der Abstieg auf die Wüstenebene, die durchquert werden musste. Am Ende der sechs Tage waren es 5800 Höhenmeter den Berg hinauf und 5120 Höhenmeter den Berg runter. Von verschneiter Märchenlandschaft über den Gebirgswald bis zur Wüste und Temperaturen von ca. 27 Grad bis um Null herum, hatte die Route zu bieten. Unglaublich, wie sich die Natur um den Trail herum immer wieder verändert. Nicht die Hitze war in diesem Abschnitt das Thema. Es war die Kälte, die in der Nacht zu überstehen war.

Aus Gewichtsgründen habe ich einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von 2 Grad C. mit einem dünnen, zusätzlichen Inlay dabei. Das zeigte sich in durchfrorenen Nächten für die Höhen bis 2680 m als zu wenig. Ich habe alles angezogen, was ich dabei hatte, inkl. Regenhose, -jacke, Daunenweste und -jacke. Es war trotzdem bitter kalt. Morgens war jeweils das Wasser im Trinksystem eingefroren. Bei diesen Temperaturen sind die Elektrogeräte und der Wasserfilter mit in den Schlafsack zu nehmen. Ansonsten ist am Morgen der Akku leer und der Wasserfilter nicht mehr zu gebrauchen.

Teilweise ist Wasser zwischen zwei Wasserstellen von bis 16 Meilen zu tragen. Mit Trinken, Kochen und Zähne putzen kommen da schon 4 Liter zusammen. Das Wasser entnehmen wir meist aus Bächen. Dieses Wasser ist vor dem Trinken zu filtern. Zusätzlich füge ich noch zusätzliche Tropfen (Chlor) dem Wasser bei, dass die hartnäckigen Bakterien abtötet.

An den Wasserstellen und an den begehrten Schattenplätze für die Pausen trifft man immer wieder Hiker zu einer Plauderei. So kommen viele Informationen zusammen, was so einige Tage davor, aber auch danach passiert ist. Das Trailgerede ist in vollem Gange und mittlerweile kenne ich viele Hiker aus vielen Ländern. Besonders schön ist es, wenn der Essensnachschub nach einigen Tagen auf dem Trail wieder ansteht. Da trifft man viele bekannte Gesichter in den Städtchen und es gibt wieder viel zu reden.

In der Mehrheit durchwandern junge Leute in den 20er Jahren und auf alle Alter gesehen mehr Männer den PCT. Im Vergleich zu den Vorjahren hiken immer mehr Frauen und auch Personen über 50 Jahre den Trail. So liege ich doch gut im neuen Trend.

Wo es Bedürfnisse nach einer Ware gibt, wachsen die Preise. Durch den bekannter werdenden Pacific Crest Trail auf der ganzen Welt gehen immer mehr Personen den Durchlauf dieser über 2650 mi (4265 km) langen Route an, die sich regelmässig mit Lebensmittel und Ausrüstungsmaterial einzudecken haben. Das lässt die Preise nach oben schnellen. Der Schuhumsatz wird wohl einer der höchsten sein. Jeder Hiker, der den Trail ganz durchwandert, läuft 4 bis 5 Paar Schuhe durch.

Zwei grosse Trail Magic durfte ich bis jetzt erleben. Meist nach schwierigen Trailmeilen steht man plötzlich vor einem reich gedeckten Tisch mit Getränken, Früchten, Hotdogs, Süssigkeiten und vielem mehr, was der Hikerhunger so begehrt. Beim ersten Mal bauten dies 4 amerikanische Jungs auf, die im letzten Jahr den Trail zusammen durchwanderten. Der Trail hat ihnen viel gegeben und so gaben sie in diesem Jahr etwas zurück. Das zweite Mal versorgte ein Ehepaar mit einem solchen Magic die HikerSie hatten sogar noch Glacé und Kaffee mit dabei. Für sie sind die erfreuten Gesichter der Hiker mit immer grossem Hunger die Grundlage für ihr tun. Ein richtiges Trail Magic ist für die Hiker kostenlos. Wie gut kann ein Apfel doch schmecken!.

Zurzeit sind wir zu dritt unterwegs. Wir starten am Morgen zusammen und verabreden uns zum Campen an einer bestimmten Meile. Tagsüber laufen wir meist einzeln. Von Meile 1 bis zur letzten Meile wissen wir immer, wo wir gerade sind. Dies zeigt das GPS an. Hier in Big Baer sind wir bei Meile 266.1 (428 km) angekommen.

Heute habe ich an meinem Zeroday (wanderloser Tag) meinen Rucksack für 6,5 Tage mit Essen und mit 2 Liter Wasser bepackt. Da kommen mit dem Grundgepäck so um die 18 kg zusammen. Mit dem ständigen Hunger wächst auch das Gewicht an den Tagesrationen. Nach dem leergegessenen Rucksack von gestern, wird es morgen wieder mit schwerer Last losgehen. Die heutige Nacht geniesse ich noch in einem warmen Bett im Hostel hier in Big Baer Lake. Der Trail führt nun wieder in tiefere Lagen, wo eher die Hitze wieder ein Thema sein wird.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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