Riga’s wechselvolle Geschichte zwischen den Blöcken

Nach der Gründung von Riga 1150 kamen gotländische Kaufleute regelmässig zum Handel an den Unterlauf der Düna am Flüsschen Rīdzene (deutsch: Riege, daher auch der Name Rīga). Riga war vor allem Sitz der Erzbischöfe. Die Handelsstadt gehörte damals bereits der Hanse an.

Im Rahmen der Ostkolonisation versuchten die Bischöfe sich im heidnischen Gebiet anzusiedeln. Militärisch wurden sie dabei vor allem von Ritterorden unterstützt. Insbesondere nach der Vertreibung der Kreuzfahrer aus Palästina begann sich der Deutsche Orden verstärkt um die osteuropäischen Gebiete zu kümmern.
Im Jahre 1522 schloss sich Riga der Reformation an und damit sank die Macht der Erzbischöfe stark. Letzter Erzbischof von Riga war Wilhelm von Brandenburg.

Im Laufe des Grossen Nordischen Krieges 1710 ergab sich die Stadt nach längerer Belagerung den Truppen des russischen Generals Boris Petrowitsch Scheremetew. Der Aufstieg von Russland als Grossmacht in der Ostseeregion wurde durch den Frieden von Nystad im Jahre 1721 besiegelt.

Riga wurde an das Zarenreich angeschlossen und war ab 1796 Hauptstadt des Gouvernements Livland. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Riga schrittweise zu einem der wichtigsten Häfen Russlands ausgebaut. Trotz russischer Herrschaft blieb sowohl die Stadtkultur als auch der Grossgrundbesitz bis ins 19. Jahrhundert vom Einfluss der deutschen Oberschicht im Lande geprägt. Bis 1891 war die offizielle Amtssprache Deutsch, dann wurde Russisch Amtssprache.

Der Aufstieg Rigas wurde durch den Ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Die Stadt lag an der Frontlinie, und zur Sicherstellung der Kriegswirtschaft wurden etwa 200‘000 Einwohner (Arbeiter mit ihren Familien) für Rüstungszwecke nach Zentralrussland deportiert. Im September 1917 wurde die Stadt in der Schlacht um Riga vom deutschen Heer eingenommen.

Im Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 vereinbarten die beiden Diktaturen, dass das Baltikum und damit auch Lettland zur sowjetischen Einflusssphäre kamen. Im Herbst 1939 wurden die Deutsch-Balten vereinbarungsgemäss in den vom Deutschen Reich eroberten Warthegau umgesiedelt.

Am 17. Juni 1940 rollten sowjetische Panzer durch Rigas Strassen und besetzten die Stadt. Die Sowjetunion machte Lettland zu einer Sowjetrepublik und deportierte viele Letten, besonders aus dem Bildungs- und Besitzbürgertum und der politischen Elite, in das Innere der Sowjetunion.

In der Zeit der deutschen Besetzung von 1941 bis 1944 war Riga der Verwaltungssitz des Generalkommissars für den ‚Generalbezirk Lettland‘ Otto-Heinrich Drechsler. Auch das Reichskommissariat Ostland mit seinen Dienststellen befand sich hier.

Während der kriegerischen Auseinandersetzungen um die Rückeroberung der Stadt durch die Rote Armee 1944 wurde die Altstadt Rigas schwer beschädigt. Lettland wurde erneut von der Sowjetunion okkupiert und Riga die Hauptstadt der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Ermutigt durch Perestroika und Glasnost erklärte die Saeima – das lettische Parlament – 1990 die Wiederherstellung der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Daraufhin liess der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU und Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, das Parlamentsgebäude in Riga zeitweilig durch sowjetische Militäreinheiten besetzen. Am 21. August 1991 erkannte die Sowjetunion die Unabhängigkeit Lettlands an; ebenso 1991 der russische Präsident Boris Jelzin.

Riga wurde wieder Hauptstadt eines souveränen lettischen Staates.
Das neue Okupationsgebäude mit der entsprechenden Ausstellung ist heute geschlossen und im Gebäude des früheren Geheimdienstes KGB untergebracht. Der markante Bau mit typischer Flachdachbauweise kann besichtigt werden.

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