Reisen anno 1973 mit dem Wohnwagen!

Damals – vor 42 Jahren reisten wir noch mit dem Wohnwagen in den Süden. Heute stehen wir wiederum in Peschiera am Gardasee, also am gleichen Ort wie damals. Gedankenspiele und Erinnerungen sind wieder hellwach als wäre es gestern gewesen.

In der Schweiz gab es nur wenige kurze Stücke im Autobahn-Netz wie die Stadtumfahrung von Winterthur (Strecke Winterthur-Töss bis Ober-Winterthur / Eröffnung November 1969). Aber keine einzige welche über die Alpen in den Süden führte.

Warum damals drei stolze Polizisten-Familien mit ihren Wohnwagen unbedingt an den Gardasee nach Peschiera wollten, weiss ich nicht mehr. René und Silvia mit Kleinkind Oliver sowie Urs und Magdalena mit Bebé und wir kinderloses Ehepaar Armin und Heidy.

Wahrscheinlich war schon damals der Reiz des sonnenumfluteten Süden’s, weshalb wir die beschwerliche Fahrt über und nicht wie heute durch die Alpen auf uns nahmen.

Einer der am Besten geeigneten Alpenpässe für Wohnwagengespanne war damals der Lukmanierpass mit guter Betonstrasse und mit der Passhöhe von 1915 müM nicht allzu hoch.

Die Bewährungsprobe über Chur und das Bündneroberland hoch bis Disentis/Muster und von dort den Aufstieg zum Lukmanierpass auf knapp 2000 Metern Meereshöhe. Ein rechtes Stück Arbeit für unsere Zugmaschinen von Volvo’s oder andere vorwiegend französische Automarken für den Zugbetrieb.

Jedenfalls bereits bei der Anfahrt und immer noch vor Disentis/Muster vermochte René’s Volvo 140 den Wohnwagen nicht mehr hoch zu schleppen. Nicht das Kühlsystem an seinem Benziner war das Problem sondern die am Motor angeflanschte Benzinpumpe streikte. Immer wieder sah man René mit seinem Wohnwagen-Gespann am Wegesrand mit offener Kühlerhaube stehen. Der heisse Motor hatte in der Benzinpumpe zu Blasenbildung geführt und verhinderte so, dass der Motor überhaupt zu seinem Treibstoff kam. Also Motorhaube auf, kurz warten und vielleicht noch mit einem nassen Lappen die Benzinpumpe abkühlen und dann wieder weiter.

In vorausschauender Weise hatte der Touring-Club damals praktisch an allen Pässen kleine Brunnen mit einem Schöpfgerät eingerichtet. Die meisten Motoren hatten noch keine geschlossenen Kühlsysteme und viele Passfahrer kannten das Problem auch ohne Wohnanhänger von siedenden Kühlern zur Genüge. Das Problem von René’s Volvo war eher eine Ausnahme!

Unser neuester Volvo 144 GL für Fr. 20‘200.- kannte das Problem ebenfalls nicht, weil er bereits eine elektrische Benzinpumpe hinten am Tank hatte, damit dieses nach vorne transportieren konnte wo es über spezielle Einspritzdüsen direkt in den Zylinder gespritzt wurde. Damit erreichte er mit einem Zweiliter-Motor eine ungewohnt hohe PS-Zahl von 122. Warum aber brachen dafür die Ventilfedern bei diesem Motor öfter als üblich?

Alle drei Freunde und Kollegen hatten Wohnwagen mit einem Toilettenraum, bzw. Duschraum aber ohne Dusche oder Toilette. Die Breite der Wohnwagen war auf 2 Meter 10 und die Länge auf 6 Meter mitsamt der Deichsel beschränkt. Sie wogen je nach Ausstattung etwa 700 oder 800 kg. Die meisten mussten sich auf eine 10 Kg Gasflasche beschränken, mehr lag gewichtsmässig einfach nicht drin.

René’s Familie wohnte also in Peschiera in einem Wohnwagen mit einem gefährlichen elektrischen Problem. Jedes Mal wenn jemand in seinen Wohnwagen stieg und dabei irgendetwas davon berührte stand die Person unter 220 Volt Spannung.

René hatte nämlich nachträglich noch eine Steckdose mit einem „Null-Leiter Brückli“ eingebaut, welche dafür sorgte – dass je nachdem an welcher Campingsteckdose er diese angeschlossen hatte – den ganzen Wohnwagen unter Strom setzte.

Weil der Wowa bereift war und zudem noch auf Holzbrettchen stand, war das für die damaligen Schmelzsicherungen noch kein Kurzschluss. René, Urs und ich verzogen uns während des halben Urlaubes „deshalb“ zu jungen Zeltnachbarn aus Holland, wo wir zusammen mit den jungen Frauen regelmässig den Bardolino-Wein tranken bis nicht wir, sondern unsere Zungen blau waren. René‘s Wohnwagen bzw. seine Frau Silvia war ja vor allzu aufdringlichen Männern bestens geschützt.

Als ehemaliger Elektromonteur konnte ich schliesslich das Herausnehmen des „Null-Leiter-Brücklis“ beheben. Der Phasenprüfer leuchtete beim Kontakt mit dem Wohnwagen auch beim verkehrten Einstecken des zweipoligen Wohnwagen-Steckers nicht mehr auf.

Später verloren wir mit Häni‘s und Krieg’s den näheren Kontakt, nicht nur weil wir kinderlos blieben sondern unsere Wege auch beruflich trennten. René nahm die Stelle eines Friedensrichters in Winterthur an und starb dann noch vor der Pension. Ich wechselte später zur EDV und Urs und Magdalena verloren wir sonst aus den Augen.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Italien, Reisen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.