Griechenlands – Drama: GRIMBO folgt!

So lange Griechenland sich nicht mit seinen Gläubigern einigen kann, so lange erhält es keine liquiden Mittel.
Und: So lange dürften sich auch Spekulationen um einen möglichen Grexit halten. Doch der Erfinder des Ausdrucks Grexit, der Ökonom Ebrahim Rahbari von der Citigroup, erachtet mittlerweile ein anderes Szenario als realistischer. Dieses nennt er «Grimbo» – eine Mischung aus Griechenland und Limbo.

Grimbo

Grimbo

Limbo (lateinisch Limbus) kommt aus der katholischen Theologie und bezeichnet die Vorstellung einer Art Vorhof zur Hölle, in dem sich nach dem Tod jene Seelen aufhalten, denen der Zutritt zum Himmel verwehrt wurde, die aber auch nicht in die Hölle gekommen sind. Der Ausdruck steht für etwas, das sich in der quälenden Schwebe befindet. Es soll in der Wortkombination Grimbo den Zustand der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern beschreiben.

Griechenlands Reformpläne sind bei den anderen Euro-Partnern auf Skepsis gestoßen. Vor der Sondersitzung der Finanzminister an diesem Samstag in Brüssel sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem: „Auf dem Papier sind die Vorschläge nicht gut genug.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach von „aussergewöhnlich schwierigen“ Beratungen. Etliche Euro-Staaten äusserten Zweifel daran, dass die von der griechischen Regierung gemachten Reformzusagen wirklich umgesetzt werden könnten.

Gemünzt ist das Wort somit auf «die grauen Szenarien, in denen Griechenland kein Geld von den Europäern bekommt und es auf absehbare Zeit keine Lösung gibt», erklärte Rahbari bei Bloomberg TV. In dieser Situation gibt es aber eben auch keinen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Wie bei einem realen Limbo-Tanz sieht Rahbari auch für den Grimbo zwei Szenarien: ein Zustand zwischen Himmel und Hölle. Einmal mit Hilfspaket, einmal ohne.

Lustigerweise ist Rahbaris Chef Willem Buiter, der sich auch schon als geistiger Vater des Grexit bezeichnet hatte, anderer Meinung.

Er hält in einem Positionspapier der Citigroup einen Grexit nämlich für sehr wahrscheinlich. «Wir haben unsere Meinung geändert und halten das Ausscheiden aus der Eurozone nun für sehr wahrscheinlich, sei es innerhalb der nächsten drei Monate oder innert Jahresfrist oder noch später», schreibt Buiter.

Drei Sachverhalte hätten ihn zu dieser Schlussfolgerung gebracht: die Ankündigung des Referendums, das deutliche Resultat der Abstimmung über das Sparpaket sowie die Kapitalverkehrskontrollen.

Der City-Chefvolkswirt ist kein Unbekannter bei der Wortneuschöpfung von Griechenland-Szenarien. Bereits im Februar 2012 machte er nach der erstmaligen Nennung der Wortschöpfung Grexit durch Rahbari den Begriff Grexit für die Gefahr eines Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone salonfähig. Damals bezifferte Buiter die Wahrscheinlichkeit dafür auf 50 Prozent. Bis 2014 hob er das Risiko auf 90 Prozent an.

Kompromiss-Vorschlag am Euro-Gipfel
Griechenland soll sowohl den Arbeitsmarkt liberalisieren wie auch die Staatsbetriebe privatisieren. Dies die Bedingungen für das Finanzpaket von 80 Mia. Euro.

Gemäss Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem soll «zur Reduzierung der Schulden ein Fonds zur Veräusserung der griechischen Vermögenswerte dienen.»

Der Fonds soll etwa 50 Milliarden Euro umfassen.

Bis zum 15. Juli müssen Prior-Actions mit Bezug auf Mehrwertsteuer, Rentensystem und des Statistikamtes durchgeführt werden.

Laut Merkel geht es um ein Dreijahres-Programm mit den Haupthemen:

  • Privatisierung
  • Arbeitsmarkt
  • Produktmarkt

Griechenland habe klar gemacht, dass es im Euro-Raum bleiben möchte.

Der angesehene Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schrieb auf seinem Blog bei der «New York Times»: «Diese Forderungsliste der Eurogruppe ist Wahnsinn.» Der Hashtag #ThisIsACoup sei «genau richtig». «Das europäische Projekt – ein Projekt, das ich immer gelobt und unterstützt habe – hat gerade einen furchtbaren, vielleicht sogar tödlichen Schlag erlitten. Und was immer man von (der griechischen Regierungspartei) Syriza oder Griechenland hält – die Griechen haben es nicht verbockt», schrieb der Ökonom.

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