Negative Inflation sowie gute und schlechte Deflation – gibt es dies überhaupt?

Die Erzeugerpreise sind in Europa im vergangenen Jahr so stark gefallen, wie seit dem Rezessionsjahr 2009 nicht mehr. Hauptgrund war die billige Energie wegen des Ölpreis-Rückgangs. Die Produzenten – von der Metzgerei über den Autobauer bis zum Zementhersteller – senkten ihre Preise um durchschnittlich mehr als ein Prozent. Vor allem Energie kostete insgesamt 40 Prozent weniger.

Diese Statistik berücksichtigt die Preise ab Werkstor – also noch bevor die Produkte in den Handel gelangen. Sie gilt deshalb als Vorläufer für die Entwicklung der Verbraucherpreise. 2014 hatten wir deshalb immer noch eine negative Inflationsrate von etwa 0,2 Prozent.

Die Gefahr eines weiteren Preiszerfalls auf breiter Front bereitet der Europäischen Zentralbank (EZB) allerdings grosse Sorgen. Die Währungshüter wollen die künftige Deflation welche die Konjunktur stark belasten könnte, verhindern. Viele Experten erwarten, dass die EZB deshalb am 22. Januar 2015 den umstrittenen Kauf von Staatsanleihen sofort ankündigt.

Japan beispielsweise steckte seit den 1990er Jahren in der Deflationsfalle und befreite sich zuletzt mit Konjunkturprogrammen und einer Geldflut.

Beatrice Weder di Mauro (geb. 1965) ist eine schweizerisch-italienische Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie gehörte dem Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank UBS an. Darüber hinaus war sie 2014 Mitglied der Bellagio-Gruppe (heute Group of Thirty). Zwischen 2004 und Februar 2012 war sie zudem Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Rat der Wirtschaftsweisen“) in Deutschland.

Was für Verbraucher auf den ersten Blick wie eine gute Nachricht aussieht, kann letztendlich eine ganze Volkswirtschaft in den Abgrund stürzen. Das wäre möglich, wenn Haushalt-Anschaffungen – in der Hoffnung auf immer niedrigere Preise verschieben – und sich Unternehmen bei Investitionen ähnlich verhalten. Ergebnis: Die Wirtschaft friert ein.

Beatrice Weder di Mauro

Beatrice Weder di Mauro

Beatrice Weder di Mauro – als ehemalige Wirtschaftsweise – meint nun tatsächlich, es gebe eben eine gute und eine schlechte Deflation. Verbraucher können sich ruhig über sinkende Preise freuen, aber die SNB oder EZB dürfe nicht zu lange zaudern.

Wenn man sich heute die Lage an den Finanzmärkten anschaut, kann man sich nur wundern, warum dieses „Glashaus“ noch immmer steht. Doch der Einsturz hat bereits begonnen. Die Deflation ist nicht mehr aufzuhalten. Die Zentralbanken haben die Leitzinsen auf nahezu Null Prozent heruntergeschraubt und in den letzten Jahren 13,2 Billionen US-Dollar in den Aktienmarkt investiert!

Euro1Ausserdem haben die Zentralbanken nahezu wertlose Kredite, Derivate und Staatsanleihen in Billionenhöhe den Geschäftsbanken abgekauft. Die unbegrenzte Kreditvergabe an Geschäftsbanken ohne die Forderung von Sicherheiten zu fast Null Prozent hat mit dazu beigetragen, dass das Finanzsystem noch nicht zusammengebrochen ist. Obwohl die EZB und das Fed alle geldpolitischen Mittel genutzt haben, stehen wir jetzt vor der grössten Deflation aller Zeiten.

Signiert mit M Draghi

Signiert mit M Draghi

Der Handlungsspielraum der Zentralbanken ist fast völlig ausgeschöpft und trotzdem schwächt sich die Wirtschaft immer stärker ab. Die Preise werden auf breiter Front weiter sinken. Das unbegrenzte Fluten der Märkte mit frischem Zentralbankgeld zeigt keinerlei Wirkung mehr, denn das Geld kommt nämlich nicht in der Realwirtschaft an und damit auch nicht bei den Menschen.

Die aktuelle Situation scheint mir so dramatisch zu sein, dass die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre dagegen aussieht wie ein Sommerurlaub. Nicht wenige Menschen fordern daher den Goldstandard mit dem Hauptargument, dass das Geld dann auch einen inneren Wert hätte – im Gegensatz zum heutigen Papiergeld.

Leider begreifen die Verfechter des Goldstandards nicht, dass ein Goldstandard zwangsläufig zu Deflation führen muss, da immer ein Teil der Geldmenge gehortet und so dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird. In Deutschland beispielsweise liegt die Sparquote bei etwa 10 Prozent. In der Folge würde sich die umlaufende Geldmenge immer weiter verringern, sodass es zu der deflationären Negativspirale von sinkenden Preisen und Löhnen kommt, was zu Firmenpleiten und hoher Arbeitslosigkeit führen müsste.

In einer Deflation erhöht sich allerdings auch der Druck des Volkes auf die Politiker und Notenbanker, die naturgemäss wiedergewählt werden möchten. Den Verantwortlichen bleibt also gar nichts anderes übrig, als die Geldmenge durch das Vergeben von neuen Krediten aufzublähen, bis es irgendwann zu einer Währungsreform oder einer gigantischen Deflation kommt.

Anschliessend beginnt das Spiel wieder von Neuem.

Erklärungsversuche zum Börsencrash von 1929.

  • Ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung
  • Schlechte Struktur der US-Kapitalgesellschaften
  • Schlechte Struktur des US-Bankensystems
  • Prekäre Situation des US-Aussenhandelsdefizits
  • fehlgeleitete Wirtschaftspolitik
  • falsche Wirtschaftspolitische Ratschläge der Oeconumen

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