Realisierung Glasfasererschliessung FTTH für alle Gebäude in der Gemeinde Lindau

Anfangs November 2014 flatterte ein Vertrag der Swisscom über die beiden Teilbereiche „Gebäude-Erschliessung“ und „Steigzonen-Erschliessung“ ins Haus. „Wir würden uns freuen, ihre Liegenschaft an das Netz der Zukunft anzuschliessen.“ endet der Begleitbrief des Beraters – Glasfasererschliessung der Swisscom.

LindauWarum geht es eigentlich? Am 24. November 2013 stimmte die Gemeinde auf Antrag des Gemeinderats über einen Kredit von 3.5 Mio Franken für das Projekt Glasfasernetz ab. Knapp 60 % der Stimmberechtigten waren mit einem Zufallsmehr von 26 Stimmen für das Glasfasernetz. Pro Stimmberechtigten ergibt dies immerhin einen Betrag von etwa Fr. 1‘056.- Steuerfranken .

Unser gemeindeeigenes EW hätte zwar aus eigenem Bedürfnis das Glasfasernetz gebaut und dafür etwa 1 Mio Franken aus dem Gewinnvortrag des Werkes beigesteuert. Mindestens ein Gemeinderat möchte letztendlich aber doch von Steuergeldern profitieren. Die Fr. 2.4 Mio aus dem Gewinnvortrag bleiben also weiterhin in der Kasse des EW.

Schon damals war mir klar, dass

  • Swisscom und auch Cablecom in den nächsten Jahren ihre Glasfaser-Netze ausbauen würden: Swisscom plant auf 2014/15 eine Erhöhung der Bandbreite auf 80-100 MBit/s und Cablecom wird ca. 2017/18 auf etwa 500 MBit/S erhöhen.
  • Das EW Lindau braucht nicht dringend Glasfasern weil Smart Grid auch über andere Technologien möglich sind.
  • Auch der Bedarf bei den Schulen waren und sind noch nicht restlos geklärt. Datensicherheit, kantonale und rechtliche Vorgaben sowie die Umsetzungsfristen fehlen noch.
  • Grössere Bandbreiten haben auch höhere Abogebühren zur Folge. Einwohner von Dietlikon mit Glasfasern zahlen bereits ab Fr 139.- monatlich.
  • Die 40 – 50% der Bevölkerung mit Cablecom-Anschluss profitiert nicht von einem Glasfasernetz.
  • Die Gemeinde würde mehr als 50 % der Baukosten tragen und die Swisscom AG als einzigen Anbieter massiv subventionieren. Die Milliarden-Gewinne der privaten Swisscom würden damit weiter steigen.
  • Im Zuge der Privatisierungen von öffentlichen Aufgaben ist es sinnwidrig eine Kommunikations-Infrastruktur durch die Gemeinde mit Steuergeldern zu finanzieren.
  • In der Schweiz können nur etwas 70%-80% der Haushalte wirtschaftlich mit Glasfasern versorgt werden.

swisscomSchon einmal – nämlich in den 90iger Jahren des vorhergenden Jahrhunderts pushte die Swisscom ein digitales Telekommunikationsnetz, nämlich ISDN (Integrated Services Digital Network) welche aber bereits auf 2017 wieder verschwunden sein wird. Schon damals war absehbar, dass die Zukunft der IP-Telefonie gehört, denn damals boten verschiedene selbständige Telecom-Firmen VoIP (Voice over IP) an. Nur Swisscom sträubte sich anfänglich gegen VoIP und überliess dieses Geschäftsfeld speziellen Firmen.

Als wir 1998 unser neues Haus bauten war deshalb klar: Auch wir „müssen“ ISDN mit einer speziellen Mehrdraht-Verkabelung in unserem Haus einrichten.

Leider waren die festen Kosten von ISDN für einen privaten Haushalt hoch, sodass auch wir anfangs des neuen Jahrtrausend zu VoIP wechselten. Mit VoIP konnte man stundenlang gratis „quaseln“ und auch die monatlichen Gebühren waren ein Vielfaches von ISDN günstiger.

Mit FTTH (Fiber to the Home) versucht nun Swisscom gleich zwei Fliegen auf einen Schlag zu erwischen. Nämlich die VoIP-Telefonie und die Multimedia-Anbindung. Geschichtlich bedingt verdrängt die marktbeherrschende Swisscom damit nicht nur die anderen VoIP-Anbieter sondern auch Firmen wie UPC/Cabelcom sowie Fernseh bzw. TV-Netz Anbieter ins Abseits. Dank schnellem Glasfaserinternet wird es möglich sein in der Cloud zu fernsehen (WILMA, ZATOO und Co.) ohne Abstriche in der Qualität hinzunehmen.

Gleichzeitig verliert die Schweiz ein kriesensicheres Telefonnetz welches losgelöst vom Stromnetz auch dann funktionierte, wenn keine Netz-Spannung mehr vorlag. VoIP bzw. unser weltumspanndes Internet funktioniert eben nur, wenn auch der nötige „Saft“ vorhanden ist.

So soll mit IPv6 in den nächsten Jahren die gegenwärtig noch überwiegend genutzte Version 4 des Internet Protocols ablösen. Kritiker befürchten ein Zurückdrängen der Anonymität im Internet durch die nun mögliche zeitlich stabilere und weiter reichende öffentliche Adressierung. Befürworter bemängeln dagegen die zögerliche Einführung von IPv6 angesichts der ausgelaufenen IPv4-Adressvergabe in Asien, Ozeanien und Europa. Der Supergau lässt grüssen.

Netzneutrale Internetdienstanbieter behandeln alle Datenpakete bei der Übertragung gleich, unabhängig von Sender und Empfänger, dem Inhalt der Pakete und der Anwendung, die diese Pakete generiert hat. In EU-Ländern gibt es bereits Gesetze bei denen Internetfirmen berichten müssen wenn sie die Netzneutralität verletzt haben.

In der Schweiz wird immer noch heftig darüber diskutiert. Swisscom tendiert eher zu einem Zweiklasse-System wie in den USA. Sie kann damit ihre Multimediakanäle weiterhin bevorzugen und beispielsweise bei ihren TV-Abo’s höhere Einnahmen generieren.

Doch Geld lässt sich eben auch mit einem unsicheren Netz ohne „Netzneutralität“ verdienen und zwar nicht zu knapp. Dem Kunden wird eine Technik aufgedrängt, welche der Normal-Bürger

  • ungenügend versteht!
  • KMU’s kaum brauchen!
  • aus Kostengründen der Private nicht will!

Zukunft „smart grid“: Der Begriff smart grid oder intelligentes Stromnetz umfasst die kommunikative Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichern, elektrischen Verbrauchern und Netzbetriebsmitteln in Energieübertragungs- und Verteilungsnetzen der Elektrizitätsversorgung.

Diese ermöglicht eine Optimierung und Überwachung der miteinander verbundenen Bestandteile. Ziel ist die wichtige Sicherstellung der Energieversorgung auf Basis eines effizienten und zuverlässigen Systembetriebs.

Sicherheit heisst also unsere Zukunft nach dem wir unsere sichere Telekommunikation aufgeben wollen.

digitalSTROM Server

digitalSTROM Server

digitalSTROM oder smartHome heisst ein weiteres Zauberwort, welches wir für unser zukünftiges Heim lernen müssen. Denn gerade smartHome mit seinen überall einsetzbaren Klemmen wird unser Leben zu Hause revolutionieren – oder auch nicht?

FAZIT
Weder ein schnelleres Internet noch Glasfasern kann heute HbbTv übertragen sondern nur der Direktempfang über Kabel oder Satellit macht dies möglich. So hat beispielsweise SRF ihr HbbTv (Nachfolger des Teletexts) massiv ausgebaut. ARD, ZDF oder auch SRF offerieren per Tastendruck nützliche Zusatzinformationen zum laufenden Programm.

Wir alle haben das Glück, in einer sehr interessanten Zeit zu leben. Natürlich wissen wir, dass Geld alleine nicht glücklich macht doch mit Geld wird vieles leichter.

Die Umverteilung des Gewinn’s an wenige Private muss von den vielen rechtschaffenen Bürgern bezahlt werden. Und genau hier wünscht man sich, dass die Bürger wenigstens zum Wohle der Gemeinschaft ehrlich und redlich über Vor- und Nachteile informiert werden damit wir weiter in einer Gesellschaft leben können, welche das Wort „MITEINANDER“ hochhält.

And the Birds were Singing von Alain Morisod/Sweet People

Über muck

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