5. Juni 1880: Reisende wurden umgeleitet?

Strassenwärter Bergamin meldete heute Vormittag 8 Uhr 25 telegrafisch nach Chur: „Strasse vor der Gallerie bei „Passmal“ aufgefüllt. Verkehr für 2 Tage unterbrochen.

Zehn Jahre danach – also 1890 wieder: „Im Schyn wurde die Strasse von einer Rüfe verschüttet. Die Post musste an der betreffenden Stelle unter strömendem Regen ziemlich lange warten bis die Strasse wieder fahrbar war!“

Postillon / Kondukteur

Postillon / Kondukteur

Das war ein gefundenes Fressen für die touristische Konkurrenz der Schyn – und Viamala – Region. Der Redaktor der „Bündner Post“ spitzte die Feder: „Wie Churer Blätter melden, sei der Schyn wieder unpassierbar.“

Wahr daran ist einzig, dass der Pferdeposthalter Balzer mit seinem Julierwagen am Samstagabend über Parpan musste und am Sonntagmorgen den gleichen Weg machte, ohne dazu gezwungen zu sein. Denn die paar Erdhaufen – die in die Strasse hinunter gerutscht waren – waren bald wieder entfernt. Es ist tendenziös unter solchen Umständen in die Welt hinaus zu schreiben: Der Schyn ist unpassierbar, der Verkehr geht über Churwalden. Man merkt die Absicht und ist verstimmt!

Uebrigens kann man sich trösten: „Wer gestern und vorgestern den hiesigen Fremdenverkehr beobachtete, konnte nicht finden, dass die erwähnte Zeitungsnotiz den Fremdenstrom von hier abgelenkt hätte, denn Thusis hatte an diesem Tage einen Verkehr, wie in diesem Jahr noch nie.“

Es kam noch besser. Der Bündner Post Redaktor schrieb: „…. müssen wir noch eines Kuriosums gedenken das vor 14 Tagen passierte. Langte da von Chur her ein Fremder per Extrawagen an, um die Viamala zu besuchen. Auf der Rückkehr erklärte er in einem hiesigen Gasthof, er werde nach Chur zurückkehren und von dort ins Engadin reisen. Als ihm darauf erwidert wurde, er sei hier dem Engadin näher und könne durch den sehenswerten Schynpass dorthin gelangen, da war er wie aus den Wolken gefallen. Er entgegnete, in Chur hätte man ihm das nicht gesagt, sondern erklärt, es sei das Einfachste wieder dorthin zurückzukehren und über die Lenzerheide ins Engadin zu reisen. Da er seine Effekten in Chur zurückgelassen habe, müsse er wieder dorthin zurückkehren.“

Es ist hier nicht unbekannt, dass gewisse Hoteliers in Chur die Reisenden von der Linie Chur-Thusis so viel als möglich abzulenken suchen, dass sie aber das Geschäft so unverfroren betreiben, hat doch Verwunderung erregt. „Die Schynstrasse sei so sicher – und zwar trotz des ausserordentlichen Schneefalles – und leicht zu passieren wie alle anderen Strassen unseres Landes und hätte während des ganzen letzten Winters nicht einen Tag gesperrt werden müssen. Es gäbe keinen Grund, die Reisenden unter allerlei falschen Angaben von der Tour über Thusis durch den Schyn abzuhalten, wie es an gewissen Orten – sprich Chur – mit Eifer geschehe.“

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