Besuch von „Lucretia“ und „Silvia“ in Crestawald

Heute wollen wir unbedingt die beiden Schwestern „Lucretia“ und „Silvia“ in Crestawald besuchen. Die beiden älteren Damen mit Jahrgang 1939 residieren in einem Waldstück nördlich von Sufers.

LucrecciaSie wurden von allem Anfang an von Freiwilligen bewacht und hatten – jede für sich – ein ordentliches Gewicht. Alleine zu ihrem Schutz wurden 35 Tonnen schwere Panzerplatten eingebaut. Lucretia und Silvia sind nämlich zwei Festungskanonen mit Kaliber 10,5 cm im Artilleriewerk von Crestawald. Während des Krieges wurden zu Einschiess- und Uebungszwecken je etwa 360 – und nochmals je 5000 Granaten  während des Kalten Krieges verschossen. Die Reserverohre lagern noch immer ungebraucht und farbrikneu im Artilleriewerk.

Von ihrem Standort aus konnten sie Feuer bis auf den Pizzo Tambo auf 3279 müM speien. Dies wäre auch notwendig geworden, hätten die Italiener unter Mussolini ihre Durchmarschpläne zur Unterstützung der kriegsbereiten Deutschen wahrgemacht.

Bereits 1889-1898 und auch vor dem 1.Weltkrieg planten die Südländer unter dem Titel „1_ipotesi operativo italiana contro la Svizzera“ von Bergamo aus über den Splügen nach Schaffhausen vorzustossen.

Auch aus der Periode der Zwischenkriegszeit 1919 – 1933 welche Italien als Sieger des 1. Weltkrieges mit grossen Gebietsgewinnen brachte, waren die Beziehungen zwischen Italien und der Schweiz praktisch auf Null gesunken. Rom entsandte nicht einmal mehr einen Militärattacché nach Bern.

Später rechnete der italienisch Generalstab damit, dass die Schweiz mit ihren 150 Bataillionen den Italiener im Verhältnis von 2:1 krass unterlegen sei und somit ein Deutscher Angriff noch in den Alpen und damit auf Schweizer Boden aufgehalten werden müsse.

Am 30. August 1939 erklärte die Schweiz gegenüber 40 Staaten ihre bewaffnete Neutralität. Kurz darauf tat Italien seinerseits dasselbe indem es ihre Nichtbeteiligung an Kriegshandlungen verkündete.

General Monti wiederum schrieb in einem Memorandum für den Fall einer Grenzverletzung durch Frankreich einen Präventivangriff ins Tessin und auf den Simplon vor. Einzig Mussolini wollte einen Parallelkrieg führen, weil er als Fernziel das Mittelmeer zum Binnenmeer machen wollte. Bereits am 10. Juni 1940 erklärte er den Krieg, weil er fürchtete die Deutschen könnten ihren Einfluss im Mittelmeerraum weiter vergrössern und noch ausbauen.

Im Nachhinein waren also die 2.6 Millionen Franken in die Festung Crestawald investierte Summe ihr Geld wert auch wenn während des Krieges je nur etwa 360 Granaten verschossen wurden. Die  in Lizenz in  Thun hergestellten schwedischen Schiffskanonen der Firma Bofors gelten noch heute als die präzisesten Kanonen Kaliber 10.5 cm mit einer praktischen Schussdistanz von 17 km Reichweite.

Festungsmuseum Crestawald

Festungsmuseum Crestawald

Festungsmuseum Crestaswald bei Sufers/GR

 

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