Aus dem Tagebuch von 1979: Marrakech und das Wüstendorf von Goulemine

1. Juni 1979: Wir verlassen Quarzazate mit den vielen Militärlagern und passieren kurze Zeit später viele Berbersidlungen.

Die Frauen die auch bei der Feldarbeit die schönsten Kleider tragen sind ausserordentlich hübsch. Die Brokatgewänder und der Goldschmuck steht ihnen ausgezeichnet. Am Strassenrand trifft man hier häufig auf Steinverkäufer. Sie bieten einem allerdings nicht nur echte Ware an. Die typischen Berbersiedlungen mit ihren kleinen Getreideächern ziehen sich hinauf bis auf die Passhöhe. Auch diese Gegend gefällt uns ausserordentlich. Hier treffen wir wieder auf Rinder und grosse Maulesel, nachdem wir im Dades-Tal und weiter unten nur Ziegen und Schafe sehen konnten.

Marokko-Heidy-KasbahBereits gegen 1400 Uhr oder nach 204 km praktisch reiner Passfahrt über den Hohen Atlas erreichen wir Marrakech und finden den den dortigen Campingplatz auf Anhieb.

Samstag, 2. Juni 1979: Erst um 17.30 Uhr fahren wir zusammen mit den beiden Winterthurern mit der Kutsche (7.- DH) auf den Place Djemaa el-Fna. Im Kreise von Zuschauern versammeln sich hier Schlangebeschwörer, Akrobaten, Koranleser etc. Doch als Tourist wird man hier ständig von Führern oder ähnlichem belästigt, sodass wir uns nach kurzer Zeit in die Medina flüchten.

Die Altstadt ist recht sauber und die Hauptgasse ca. 4 m breit. Hier verkehren denn auch viele Eselskarren. Nach geraumer Zeit haben wir jedoch auch von diesem Treiben genug und gehen auf die Dachterrasse des Caffes am Djemaa el-Fna. Hier ist man als Tourist unter sich und kann stundenlang dem bunten Treiber auf dem Platz zuschauen.


Sonntag, 3. Juni 1979:
Um von der erwähnten Dachterrasse filmen zu können, verbringen wir auch diesen Tag noch in Marrakesch. Wiederum fahren wir mit der Kutsche vom Campingplatz aus direkt zum Platz, wo wir uns sogleich auf der Dachterrasse installieren. Hier fotografieren und filmen wir über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde.

Im Laufe des Tages lernten wir auf dem Campingplatz ein älteres Ehepaar aus Kempten/D kennen, das mit einem Hymermobile unterwegs ist. Herr und Frau Peter erzählten uns, dass sie in Fes Weilers am letzten Donnerstag angetroffen hätten. Sie hätten ihr Fahrzeug bereits in Frankreich abschleppen lassen müssen und in Barcelona sei ihnen das ganze Reisemobile ausgeräumt worden. Sie (Weilers) hätten sich dennoch entschlossen bis Fes weiterzureisen. Von dort aus würden sie jedoch die Heimreise antreten.

Im Laufe des Sonntag unternehmen wir mit dem Auto auch noch eine kleine Stadtrundfahrt. Sie führte uns bis zur Mellah, dem Flugplatz und bis zur Menara.

Montag, 4. Juni 1979: Nach kurzem aber lohnendem Einkaufsbummel in der Neustadt verlassen wir Marrakech in Richtung Agadir. Wiedum kommen wir nach kurzer Zeit in die Berge des Hohen Atlases. Zwischen Agadir und Tiznit kommen uns Franz und Erika entgegen. Sie erzählen uns, dass der Campingplatz von Sidi-n-Moussa praktisch geschlossen sei und sie deshalb auf dem Weg nach Agadir sind.

Wir entschliessen uns daher gemeinsam nach Goulimine zu fahren und dort die Nacht zu verbringen. Der Pass Tizi-Mighert (1057) ist landschaftlich sehr reizvoll. Hier sehen wir auch wiederum Ziegen die auf Bäume klettern . Nach Boulzakarn ist ist es nur noch eben. Die 41 km lange Strasse verläuft gerade durch eine Steinwüste. In Goulemine weht ein steifer Wind. Alles ist staubig. Trotzdem schmeckt uns das Stück Braten mit Kartoffelstock ausgezeichnet.

Dienstag, 5. Juni 1979; Wir verlassen Goulimine und sind gegen Mittag (158 km) bereits in Agadir. Da unser Motor noch immer ca. 1 Liter Wasser auf 100 km verbracht, kaufen wir dort ein Leckmittel das wir dem Kühlwasser beimengen. Wir fahren noch die Küste nördlich der Stadt ab, doch ausser ein paar Zelten die von dubiosen Leuten bewohnt werden finden wir keinen Platz, der sich für das wilde Campen eignen würde. Wir kehren also in die moderne Stadt zurück und lassen uns auf dem guten Campingplatz nieder. Nicht weit davon entfernt befindet sich der breite und sandige Badestrand von Agadir mit seinen guten Hotels.

Mittwoch, 6. Juni 1979; Ueber Essouiri und Safi erreichen wir Oualdiia. Ein kleines Dorf am Atrlantik mit einer zum Baden gut geeigneten Bucht. Auf der Landzunge liegt auch der Campingplatz. Leider ist es hier immer etwas trüb, sodass sich dieser Platz nicht als Ferienplatz eignet. Zu erwähnen ist noch, dass wir auf der Fahrt zwischen Safi und Oulidia viele Kamele sahen. Mit einem davon kam es beinahe zu einer Kollision.

Donnerstag, 7. Juni 1979; Ruhetag: Obwohl es feucht und trübe ist , haben alle vier einen leichten Sonnenbrand. Am Abend bereitet Erika noch ein herrliches Nachtessen (Spaghetti) zu. Nach einem Jass (Bieter) gehen alle befriedigt zu Bett und schlafen gut und lang.

Freitag, 8. Juni 1979; Um ca. 1400 Uhr verlassen wir Oualidia Richtung Osten. Ueber gute aber schmale Srassen kommen wir rasch voran bis wir wegen Strassenbauarbeiten für ca. 4 km auf eine Piste ausweichen müssen. Neben dem gewaltigen Staub ist es nicht sehr angenehm, wenn der Grund unter den Rädern immer weicher wird. Doch wir haben auch dies geschafft.
Bei der Kasbah bei Bouläouane machen wir einen grösseren Halt. Die Kinder sind hier den Fremden gegenüber sehr ängstlich. Erst nach kurzer Zeit werden auch sie zutraulicher. Anschliessend fahren wir zum nahegelegenen Stausee. Auf der Strass dorthin begegnen wir vielen scheuen Kamelen und Eseln. Am Stausee wird uns bedeutet, dass hier das Parkieren verboten sei. So fahren wir schliesslich zum Gemüsemarkt einen sicheren und nicht gerade ruhigen Platz zum Uebernachten finden.

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Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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