Abschied von Monsieur „Rebout“ und Südfrankreich

Sport-Jeunesse35 Jahre alte Tagebuch-Einträge von unserer Marokko-Rundfahrt im Jahre 1979 werden hier erstmals veröffentlicht. Damals gab es weder moderne Medien noch GPS und – was heute selbstverständlich ist – keine Autobahnen bis an den untersten Zipfel von Spanien. Meine Tagebuch-Einträge von Hand als Zeitdokument fielen damals kurz und bündig aus. Lesen sie selber!

Marokko1979Samstag 19. Mai 1979, 1130 Uhr; Endlich ist es so weit. Unser Wagen ist frisch gewaschen und wir sind geduscht. Die anstrengende Schulzeit ist vorbei der Abschied von den vielen Freunden hinter uns. FF 1870.- hat Monsieur Rebout mit einem Fötzel quittiert. Via Codec und Casino wird noch der Bus vollgetankt mit Essbarem und flüssigen Sachen. Bevor wir Hyere verlassen essen wir noch am Strand „z’mittag“ . Via Toulon und Arles gelangen wir auf die Autobahn Richtung Spanien. Regen, Wind und Sonnenschein begleitet uns. In Grand Motte auf dem F.F.C.C.-Platz lassen wir uns nieder.

Sonntag, 20. Mai 1979; Um 0900 Uhr geht die Reise weiter Richtung Süd-Westen. Alles auf der Autobahn. Wir kommen zügig voran. Erst in Valencia fahren wir bei dichterem Verkehr durch die Stadt. Wenig später, in Olivia übernachten wir auf einem Damm direkt am Meer. 1085 km Reise sind bereits hinter uns.

Montag, 21. Mai 1979; Die Strasse wir im Laufe des Tages zusehends schlechter. Bis Murcia herrscht dichter Vekehr und nach Almeria wird an der Küstenstrasse gearbeitet. Ab und zu ist die Strasse nur noch ein Bachbett. Nach 523 km Fahrt habe wir genug. In Castell de Ferro in einer Bucht verbringen wir die nächste Nacht.

Dienstag, 22. Mai 1979; Die sehr schlechte und kurvenreiche Strasse begleitet uns weiter bis Malaga. Unvermittelt sind wir mitten in der Stadt. Wir machen uns sofort auf die Suche nach dem Gaswerk. Im Westen der Stadt finden wir das neue Werk wo uns die Gasflaschen innert kürzester Zeit für Fr. 7.- aufgefüllt werden. Auch eine gute VW-Werkstatt ist am Platz, sodass ich noch einen Kerzenstecker und einen Kühlwasserdeckel erstehen kann. Nach einem kurzen Einkaufsbummel im Hiper-Einkaufszentrum verlassen wir Malaga und kommen zügig auf der 4-spurigen Strasse Richtung Westen voran. Bereits um ca. 1800 Uhr sind wir auf dem Bahia-Campingplatz von Algeciras, direkt vis à vis des Felsens von Gibraltar.

Mittwoch, 23. Mai 1979; Ruhetag: Wir benützen den Tag um zu waschen, zu schreiben und uns selber von den 1900 km Anfahrt zu erholen.

Donnerstag, 24. Mai 1979; Es hat sich gelohnt, dass wir gestern zweimal am Einbuchungsschalter der Transmeditarranea vorbei gingen. Der erste Beamte verlangt für unser Auto alleine den stolzen Preis von Pes 8492.-. plus 522.- für uns. Am Nachmittag kostete dasselbe Pes 3267.- mit uns inbegriffen.

Pünktlich um 0800 Uhr verlassen wir Europa und sind 1 ½ Stunde später in Ceuta. Nachdem wir noch die verschiedenen Briefe und Karten aufgeben haben fahren wir zu Grenze. Hier herrscht ein wildes Durcheinander. Vermummte Frauen mit schweren Lasten fahren heimzu, bzw. gehen. Nachdem wir eine Einreisekarte ausgefüllt haben und einen Stempel im Pass haben, gehen wir mit Fahrzeugausweis und grüner Versicherungskarte zu einem weiteren Beamten der fein säuberlich in einem grossen Buch von Hand einträgt. Nach zwei oder drei weiteren Beamten sind wir in Marokko.

Drei Kilometer später stopt uns die Gendarmerie, lässt uns aber gleich wieder weiterfahren. Weitere zwei Kilometer später dasselbe mit dem Zoll. Dann geht es flüssig auf sehr guten Strassen der Küste entlang bis Tetuan. In Quezzane fahren wir an einen malerischen Markt. Später wird die Strasse immer enger, sodass man bei dem wenigen Gegenverkehr auf’s Bankett ausweichen muss.
Unterwegs passieren wir fruchtbare Hochebene wo gerade die Getreideernte in vollem Gange ist. Entweder mit modernen Mähdreschern oder noch öfters von Hand mit Sicheln und anschliessend mit Mauleseln nach Hause transportiert, wo es durch die Hufe derselben Tiere im Kreise galoppierend gedrescht wird.

Gegen 1700 Uhr erreichen wir über Fès-el-Bali Fès. Weitere 348 km mit zum Teil halb-meter-tiefen Schlaglöchern liegt hinter uns. Für diese kurze Etape verbrauchte unser Auto 1 ½ Liter Kühlwasser. Ist die Zylinderkopfdichtung durchgebrochen. Ich mache mir ernste Sorgen.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
Dieser Beitrag wurde unter 1979 Marokko, Marokko, Reisen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.