FES Medina

Für Mittwoch, 16. April 2014 haben wir vom Camping „Diamant Vert“ aus für Dirham 250.- einen offiziellen Tourführer für den ganzen Tag gebucht. Uns schien, die offizielle Führung von 3 Stunden sei zu kurz um eine ganze Medina zum 2. Mal nach 35 Jahren zu besuchen. Im nach hinein wissen wir – zieht man die obligatorisch vom Führer initierten Besuche von Teppich-, Leder- oder Ziselier-Läden ab – auch 3 Stunden würden genügen.

Am Vorabend bei der Besprechung um 2000 Uhr erschien ein gut aussehender Mann als Organisator der Tour, erklärte uns ungefähr was wir sehen könnten. Dem Namen nach stellte sich dann heraus, dass sowohl er wie ein Tourist ursprünglich von Algerien nach Marokko, bzw. Frankreich eingewandert waren.

Also sind wir am Mittwochmorgen kurz nach 10 Uhr wiederum an der Reception wo sich eine junge Dame mit Namen Samanta vorstellte. Die gut Deutsch sprechende junge Dame habe einmal im Reisebüro „Miramar“ in der Schweiz gearbeitet. In einem Minibus Mercedes Viano sind wir alsbald unterwegs auf der „Avenu des Merindes“ zum Königs-Palast vis-a-vis des früheren Judenviertels. Hier machen wir den ersten Halt und fahren auf der gleichen Strasse weiter zum nördlich gelegenen Tor „Bab Sidi BouJida“.

Esel, Maultiere aber auch die typischen zweirädrigen „Veloanhänger“ warten bereits vor dem Tor. Samanta erklärt uns das in der Medina geläufigste Wort „Ballak“ welches hier für „Vorsicht, kein Durchkommen“ steht.

Und alsbald kommt tatsächlich so ein Maultier-Führer mit einer riesigen Ladung Baumaterial dessen Führer dauernd das Wort „Ballak“ vor sich herruft um sich durch die vielen Menschen zu drängen. Die hier etwa zwei Meter breiten Gassen sind voll von Menschen, Eseln und einzelnen Kamelköpfen welche aufgehängt vor Metzgereiläden zur Schau gestellt werden.

Auch wir, die Touristen und ihre Führer stehen ab und zu an Orten wie einst der deutsche Fussballer Ballak „kein Durchkommen vor dem Tor“ markierte. So geht es Schritt für Schritt die vielen Gassen entlang, manchmal nur flüchtig in einen Laden hinein um sich beiseite zu schaffen und dann wieder hinter Samanta her, welche mit ihrem wallenden und langen Kapuzen-Gewand für uns den Weg bahnt.

Schon längst habe ich die Orientierung verloren vom links, rechts, auf und ab, engen (Schulterbreiten) und grösseren Gassen sowie kleinen Plätzen oder auch unsichtbaren „Rialtobrücken“. Bekanntlich fliesst der Qued Fès ja unterirdisch durch die „Medina Fes El-Bali“ und man sieht den Fluss fast nirgends. Die „Rialtobrücken“ und ihre Buckel lassen jedoch den Verlauf des „Qued“ erahnen.

Plötzlich biegt Samanta in das Treppenhaus eines Ledergeschäftes ab und führt uns über eine enge, steinerne Wendeltreppe hoch bis in den vierten Stock. Im dritten Stock verteilt uns der Händler ein Pfefferminz um den Amoniak-Geschmak der weit unter uns liegenden Gerberei besser zu überstehen. Doch heute scheint mir der Gestank der Gerberei von weit oben besser zu schmecken als vor 35 Jahren als wir direkt neben den Bottichen standen und den Gerbern zuschauten, wie sie mit nackten Füssen in der stinkenden Brühe herumwühlten.

Beim zweiten Besuch eines Teppichgeschäftes im fünften Stock von dessen Dachterrasse man höchstens die vielen Satspiegel bewundern kann und einem teppichknüpfendem – bettelndem Damen-Duo – zuschauen darf sind wir alle rasch wieder unten.

Da sitzt sie also – unsere Samanta – und möchte vom Teppichhändler noch etwas Provision verdienen, derweil sie uns mit Treppensteigen müde macht. Dann geht es zu einem wunderbaren Apotheker-Laden in der lauter Touristen sich von Quacksalbern das Blaue vom Himmel versprechen lassen. Unser Deutsch sprechende „Erklärer“ verabschiedet sich aber nach kürzester Zeit leicht genervt, weil er erkannte, dass der Geldbeutel bei uns nicht so locker sass wie von ihm erwartet. Das gleiche Spiel mit dem Mittagessen bestand dann einfach darin einen „Food“ zu sich zu nehmen in der Samanta etwas Ruhe vor uns hatte. Gemäss Aussagen unserer vier mitleidenden F-Gruppe hat es heute nicht einmal besonders gut geschmeckt.

Müde und mit brennenden Augen vom Rauch und Gestank, den vielen positiven Eindrücken wie der Koranschule, den Bibliotheken und den unzählbaren Handwerkerläden hoffen alle gegen Abend nur noch auf die glückliche Rückkehr mit unserem Kleinbus. Natürlich wären noch weitere Kleinigkeiten erzählenswert doch wir wollen den Leser lieber mit vielsagenden Bildern aufmuntern.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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