Das Missgeschick von Zagora

Einmalmehr weckt uns der Muezin kurz nach 0400 Uhr aus dem Tiefschlaf und lässt uns einfach nicht mehr weiterschlafen. Nachdem wir gestern mehr oder weniger den ganzen Tag mit einem Stromausfall beglückt waren und wir noch immer Pendenzen mit Mail- und Blog-Schreiben hatten benützte ich um diese Zeit das eingeschaltete WLAN des Platzes um dies zu erledigen.

Heute ist ja Wochenmarkt in Zagora und weil zudem weitere Sandstürme angesagt sind bleiben wir hier auf dem Camping. Kurz nach 0800 Uhr stehen wir auf. Heidy zog sich an – und damit es schneller ging – machte sie verschiedene Sachen gleichzeitig. Ihren Morgenbrunnen, die Anziehung des Tagesschmuckes und, und, und.

Da passierte es: Der vergoldete, rechte Ohrschmuck-Anhänger blieb nicht dort hängen wo er sollte sondern folgte dem Gravitationsgesetz nach unten und viel direkt in die Scheisse. Ein kurzes metallenes „Klick“ oder auch „Klacks“ an der WC-Schüsselwand und er war verschwunden. Nicht wie zu Hause für immer und ewig in der Kanalisation sondern dank Kassetten-WC sichtbar oben an einem Papier hängen. Heidy meinte, sie könnte das vergoldete Stück noch retten aber das kurze Wühlen war ein glatter Misserfolg. Jetzt kann man beruhigt spülen und das Geschäft zu Ende bringen denn das vergoldete Stück für knapp Fr 40.- bleibt ja in der Kassette gefangen und könnte selbst bei Misserfolg zu Hause wieder beschafft werden.

Wenig später schlendern wir in Richtung Wochenmarkt als eine Kapuzengesellschaft uns entgegenkommt und auf der südlichen Seite wieder verschwindet. War das nun eine Hochzeits-Gesellschaft oder eine Beerdigung? Da wir weder Braut noch einen Sarg ausmachen können und später durch ein offenes Tor auf einen freien mit vielen Steinen übersäten Platz schauten, war uns klar. Dort vorne findet gerade eine Beerdigung statt. Wegen dem steinigen Untergrund können sie auch keine Gräber ausheben und müssen den Leichnam so gut es eben geht trotzdem schnell beerdigen. Dass es gerade heute während dem Wochenmarkt sein muss ist Pflicht, denn kühlende Leichenhäuser gibt es hier nicht und der Islam sorgt dafür, dass es auch keine braucht.

In den Markthallen von Zagora sind heute alle Metzgereien offen weil eben Wochenmarkt ist. Ein Einheimischer kauft gerade kiloweise Fleisch ein für das er nicht mal MAD 20.- bezahlte. Was er genau in grossen Tragtaschen nach Hause schleppte weiss ich nicht doch in der Mitte dieser Nebenhalle ist ein Anderer gerade dabei einem schwarzen Kalb das Fell förmlich und auch ganz praktisch über den Kopf zu ziehen. Bei einem Auge wird gerade das Fell darüber „ausgebeinelt“ und dies alles auf dem staubigen Boden und ohne irgendwelche Hygienemassnahmen. Nicht gerade das was wir unter dem artgerechten Metzgen von Haustieren vorstellen. Der Konsum von Fleisch steht bei uns derzeit nicht im Vordergrund.

Draussen bei den freien Ständen mit diversen Haushaltgegenständen versuchen die Händler ihre Waren vor dem Sandsturm zu schützen. Gerade als Heidy das kleine Sieb beim Händler bezahlen will kracht das Dach – gestützt an langen Stangen -zusammen. Trotz versuchter Rettung des Händlers war es nicht mehr zu halten. Für das kleine Sieb das wir als „Goldgräberutensilie“ zu gebrauchen gedenken, wollte er anfänglich 6 Dirham – doch mit 2.20 war er schliesslich auch zufrieden.

Auf dem Camping wird der Inhalt unserer Kassettentoilette einer genauen Untersuchung unterzogen. Halbliterweise wird die Scheisse in das Sieb geschüttet wo Heidy – bewaffnet mit Einweg-Handschuhen – genauestens den Kot und Urin nach Gold zu untersuchen hat. Ich bin für den Nachschub an Material zuständig. Wir schürfen also eine volle Stunde ohne irgend auf ein Nugget zu stossen erfolglos, als Heidy in der nun leeren Kassette ein metallisches Geräusch vernimmt. Könnte dies das Gesuchte sein?

Ein Blick durch die Scheiss-Klappe lässt uns vermuten, dass am Boden das Nugget sei und ein sofortiger herzhafter Griff von Heidy bringt es an den Tag. Endlich – bei hellrotem Himmel und Sandsturm nach Gold gesucht und schlussendlich eine kleines, aber phantastisches Ohrhängerchen gefunden befriedigte uns ungemein. Der Ohrhänger glänzt nun wieder wie „eh und jeh“ an Heidy‘s rechtem Ohr.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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1 Antwort zu Das Missgeschick von Zagora

  1. Markus + Brigitte sagt:

    Also was da nicht alles im fernen Marokko passiert….man (frau) wühlt in der Sch….und hat später noch Spass daran :-))))) am Ohrhänger natürlich !!
    Wir fahren am Freitag in Richtung Süden – Venedig – Kroatien – Montenegro-Albanien.
    Herzliche Grüsse und weiterhin gutes wühlen ähhh gute Fahrt.
    Markus + Brigitte

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