Fährpassage Genua – Barcelona – Tanger

Auf der zweitägigen Passage zwischen Genua und Tanger in Marokko hat man Zeit. Zeit über die Welt, Reisen und was immer zu diskutieren. Untereinander oder mit anderen Reisenden.

CaliforniaDabei ist uns sofort ein Ehepaar aus Deutschland aufgefallen, das wir zwar nicht beim Namen kennen aber offensichtlich gleiche Interessen vertreten. Zum Beipiel reisen mit dem Camper. Dabei haben wir immer gemeint, dass unser Schiff am Montagabend im Hafen etwas westlich von Tanger einlaufen würde – und weil die Uhren noch eine Stunde vorgestellt werden – uns gerade noch so viel Tageslicht zur Verfügung steht um den nächsten Stellplatz zu finden. Und dieser sei eben derjenige beim Einkaufscenter Marjana in Tanger, also vielleicht eine halbe Stunde Fahrzeit.

Sachte machte dann das Camperpaar uns darauf aufmerksam, dass wir uns wohl täuschen könnten. Wir konnten fast nicht glauben, dass alle Angaben im Internet (GoogleEarth, gedruckte Karten, Camperbuch etc) unrichtig seien. Wegweiser Tanger stand wohl auf dem Ticket mit dem kleinen Zusatz –Med, was so viel heissen könnte wie Medina oder ähnlich. Doch zwischen Tanger und dem Port Tanger-Meditarrane liegen eben Dutzende von Kilometern. Der Hafen von Tanger hat für unsere Begriffe mit der Stadt Tanger nichts mehr zu tun. Der neue Hafen Tanger-Med liegt sogar näher bei Ceuta als bei Tanger und könnte ebenso gut diesen Namen haben. Mein Einwand, der Kapitän werde wohl wissen, wo der Hafen von Tanger liege verfing dann aber doch?

Die erste Nacht war von einem bemerkbaren Wellengang entlang der Küste von Frankreich geprägt. Am anderen Morgen gegen die spanische Küste zu war das Meer zum See geworden. Pünktlich fuhren wir etwa gegen 1300 Uhr in den Hafen von Barcelona ein. Hier warteten etwa 200 4X4 Fahrzeuge der Marken Toyota, Renault-Dacia, Epoche und so weiter. Mit roten Westen der Rally Amarok gekleidet und als weibliche Zweier-Besetzungen alles Frauen im gebärfähigen Alter. Das Rot der etwa 400 Fahrerinnen der Rally Aicha de Gazelle 2014 bemerkte man von nun an überall auf dem Schiff und gab den meist in dunklen Farben gekleideten Marokkanern einen erfrischenden Touch.

GazelleEtwas verspätet verliessen wir den Hafen von Barcelona in westlicher Richtung. Am Montag um 1900 Uhr – 1800 Uhr marokkanischer Zeit – erreichten wir den Hafen von Tanger-Med. Gemächlich aber doch mehr oder weniger als Erste, konnten wir hinter den Iveco‘s vom oberen Parkdeck das Schiff verlassen. Im Zeitlupentempo gings die holpernde Rampe runter. Die Gebrauchtwaren-Händler wollten auf keinen Fall noch auf dem letzten Wegstück einen Teil ihrer Ware verlieren.

IvecoKurz darauf sah man sie dann am Zoll ihre Ware mehr oder weniger freiwillig abladen. Das gleiche Schicksal erlitten auch europäische Camper. Wir jedoch mussten einfach warten, noch schnell einen beinahe unleserlichen Stempel der Polizei im Pass nachholen und die grüne Fahrzeugkarte zusammen mit dem Fahrerpass einem Zollbeamten abgeben.

– UND DANN NOCHMALS WARTEN! –

Doch wir warteten lieber als unseren gesamten Camper ausräumen zu müssen. Auch beneideten wir die Gebrauchtwaren-Händler nicht die nun nicht nur das Dach sondern auch den Kasten ihrer Gefährte ausräumen mussten. Immer wieder kam ein Zöllner direkt bei uns vorbei – aber wem haben wir nun eigentlich unseren Pass abgeben? Keine Ahnung mehr.

Heidy entschloss sich irgendwann im Büro nach unserem Pass zu „Fahnden“. Wenig später erschien sie mit Pass und Kopie der grünen Karte und erzählte mir der Zöllner habe sich vielmals entschuldigt für die Warterei und das Dohuwabohu (Durcheinander) bei der Abfertigung. Durch eine Ausgangskontrolle konnten wir nun bei einbrechender Dunkelheit die Zollzone verlassen.

Tanger-MedAuf einem Parkplatz direkt vor der Wechselstube warteten wir nun die kommende Nacht ab. Aber wo waren nun eigentlich unsere Deutschen Freunde? Sind sie bereits weitergefahren? Plötzlich so gegen 2100 Uhr erschienen die beiden neben unserem Camper und erzählten sie hätten wohl als beinahe Letzte das Schiff vom unteren Parkdeck verlassen können und würden nun wie wir hier die kommende Nacht vorbeiziehen lassen.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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