Immer weniger Gemeinden – warum nicht?

Gemeindefusionen liegen weiterhin im Trend. Auf den ersten Januar haben 56 Gemeinden ihre Autonomie aufgegeben. Insgesamt zählt die Schweiz heute noch 2352 Gemeinden – 547 Gemeinden weniger als im Jahr 2000.

Gemeindefusion Kanton Glarus

Gemeindefusion Kanton Glarus

Der Trend zu Gemeindefusionen hält in der Schweiz unvermindert an:
Im Jahre 2014 wird es also hierzulande bereits wieder gut ein halbes Hundert Kommunen weniger geben. Seit 2000 sind landesweit etwa 25 % aller Gemeinden verschwunden. Hinter der Entwicklung stehen vorab finanzielle und personelle Engpässe: Grössere Verwaltungseinheiten sparen durch Synergien Kosten und können professioneller geführt werden. Zudem gestaltet es sich zunehmend schwierig, Freiwillige für das Amt eines Gemeinderats oder einer Gemeinderätin zu finden.

«Viele Bürger empfinden heute ihr Recht auf politische und gesellschaftliche Mitgestaltung als Belastung – der traditionelle Milizgedanke ist in der Schweiz in der Krise. Das zeigt sich in der Schul- und der Kirchenpflege ebenso wie im Gemeinderat», sagt Andreas M. Walker, Co-Präsident von Swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung. Die Privatwirtschaft absorbiere einsatzbereite Milizpolitiker immer mehr – und fördere den Individualismus. Dadurch sinke die Bereitschaft, sich für das Allgemeinwohl einzusetzen.

Doch die Entwicklung hat neben den gesellschaftlichen auch politische Implikationen: Die kommunale als unterste föderale Ebene zählt immer weniger Verwaltungseinheiten. Wie wirkt sich das langfristig auf den in der Schweiz so zentralen Föderalismus aus?

Politgeograf Michael Hermann glaubt nicht, dass dieser dadurch geschwächt wird – im Gegenteil: «Gemeindefusionen könnten den Föderalismus langfristig sogar stärken, weil auch die Verwaltung kleinerer Kommunen professionalisiert wird. Dadurch erhalten die einzelnen Dörfer mehr Gewicht.» Aus föderalistischer Perspektive sei der Zusammenschluss kleinerer Gemeinden insofern sogar wünschenswert.

Auch Gemeindeverbandspräsident Hannes Germann sieht Fusionen als Chance für kleine Kommunen: «Als Einheitsgemeinde können sie dem Kanton gegenüber selbstbewusster auftreten; sie gewinnen Handlungsspielraum. Doch emotional geht immer etwas verloren – das ist klar.» Gemeinden seien kein Auslaufmodell, denn «dort leben die Menschen, dort werden die Probleme gelöst».

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