Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho…..

Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho.
Brauchen dem Kaiser kein Geld zu geben, faria, faria, ho. Lustig ist es im Grünen Wald, wo des Zigeuners Aufenthalt..faria,faria, faria,faria, faria, fari-a.

Zigeuner sind wir Camper ja nicht wirklich, denn jeder hat seinen Job und ist irgendwo zu Hause. Er entrichtet dem Staat jedes Jahr die Steuern die ihm zu stehen und ist ansonsten gerne ungebunden und Frei so wie einst Wilhelm Tell war.

WowaEs war einmal an einem Dienstag im September 2013. Nach einer kalten Nacht im Wohnwagen blinzelt die aufsteigende Morgensonne durch die Lucke direkt zu uns ins Bett. Dank eingeschalteter Fussbodenheizung ist es noch immer schön warm hier drinnen, obwohl es draussen schön weiss vom Frost geworden ist. Der blaue Himmel sagt uns! Es wird ein schöner Herbsttag!

Nach dem Morgenessen und einer Fahrt auf den Parkplatz 7 im Zernezer Nationalpark wandern wir bereits seit über einer Stunde im Wald God da Camuotsch Richtung Norden. Heute wollen wir auf die 2677 müM gelegene Fourcla Val dal Botsch. Kurz nach der Abzweigung nach Margunet steigt der Weg steil an. Die Herbstsonne gibt heute nochmals alles und brennt unaufhaltsam auf uns zwei Wanderer mit Rücksack nieder. War es vor etwa ½ Stunden noch eher kühl kommen wir nun ordentlich ins Schwitzen. Wir lechzen bereits nach etwas Kühlem. Ein Bier wäre wohl nicht das Richtige und daher muss ein kühles Blitz genügen. Die 5 dl Flasche ist im Nu dahin und je höher wir steigen desto heisser brennt der uns Licht spendende Planet als ob es für ihn das letzte Mal wäre. Nur Gut, dass ich heute Tranksame im Ueberfluss dabei habe.

Heute scheint aber die Fourcla steiler als sonst zu sein. Vielleicht sind es auch die zusätzlichen Cola-Büchsen welche auf meinen Rücken drücken. Jedenfalls werden meine Schritte immer langsamer. Kräftige, nach ihrem muskulösen nackten Oberkörper zu urteilen eher Sportler als Touristen sputen den Berg hoch und überholen uns. Wo haben die den ihren Kälteschutz? Oder ihre Zwischenverpflegung? Jedenfalls nicht zwischen den Rippen wie wir und schon gar nicht im fehlenden Rucksack!

Erste, dumme Gedanken kommen auf? Hättest du nicht so viel Speck am Bauch, könntest du auch leichter steigen. Frustrierend – doch Rucksack und Speck sind heute zu viel für mich. Knapp vor Erreichen der Fourcla lege ich mich total erschöpft ins Gras. Heidy meint nur – dann essen wir eben hier auf etwa 2‘500 müM und nicht auf der staubigen Fourcla.

Die Sonne brennt noch stärker auf die schattenlose Kuppe im Val dal Botsch. In der etwa dreihundert Meter entfernten Felswand kehren die etwa sieben Gämsen nach Mittag zurück und suchen die wenigen Schattenplätze in der Wand auf. Für uns verschwinden sie einfach im dunklen Berg. Ob sie wohl in ihrer Behausung gar einen Wasseranschluss haben? Wir wissen es nicht, jedenfalls kommen sie aus dem Dunkeln nicht mehr hervor.

Beim Abstieg wirbeln wir gegenseitig viel Staub auf. Unsere dunklen Wanderhosen sind am Abend rund herum total von Staub bedeckt. Das merken wir allerdings erst, als wir zurück bei unserem Auto stehen und noch eine kleine Teepause einlegen. Ein kurzes Abklopfen der Kleider hüllt uns geradewegs in eine weitere Staubfahne. Ein vorbeikommendes Ehepaar sucht offenbar die Bushaltestelle. Nach meinen Hinweis der Bus halte nicht hier sondern weiter oben auf P8 oder dann unten in Il Fuorn entgegnete der Fremde nur. „Von Scarl das Val Minger herkommend sei das Postauto hier bereits vorbeigefahren. Er sollte eigentlich um 1800 Uhr wieder arbeiten gehen.“ Weil ich meinte etwas von Gastronomie und Portier gehört zu haben, anerbot ich den Beiden doch mit unserem Auto nach Zernez zu fahren. Dankend nahmen sie unser Angebot an und sprach dabei davon, dass er uns natürlich zu zwei grossen Coupes auf der Terrasse des Belvedere in Scoul einlade?

Besitzer und Gastgeber Kurt Baumgartner kann das natürlich auch als vermeintlicher Nachtportier jederzeit tun. Bis wir am Bahnhof in Zernez aussteigen und uns verabschieden ist allerhand Wissen von den zwei Ehepaaren zusammen gekommen. Also, auf Wiedersehen Kurt irgendwann in Scuol.

Dieses Jahr wollen wir rechtzeitig unser mobiles zu Hause räumen, solange es noch trocken und schön warm ist. Wie oft haben wir erst im Oktober bei kalten Temparaturen und garstigem Wetter das Vorzelt zusammen geräumt. Eigentlich hatten wir 2013 bereits ein Jahr ohne Frühling und sicher noch ein paar schöne Tage im sonnigen Herbst am Meer verdient. Gerade als Rentner ist man eben darauf angewiesen noch ein paar Tage ausspannen zu können und einfach nur die Seele baumeln zu lassen.

Da kommen Erika und Heinz wie gerufen, welche uns am Folgetag zu einem Stein-Pilz-Fondue einladen möchten. Punkt 1400 sitzen wir also unter ihrem Pavillon im Schatten um zusammen mit Margrith vom Oberkoch Heinz ein Fundue kredenzen zu lassen. Mmmhh… ist das fein, so ein Caquelon voll von Chäs-Fundue gespickt mit selbst gesuchten frischen Steinpilzen und zusammen mit Freunden – und das Alles an der frischen Engadiner-Bergluft.

„Lustig ist das Camperleben, faria, faria, ho.“ meine ich immer wieder in meiner baumelden Seele zu hören.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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1 Antwort zu Lustig ist das Zigeunerleben, faria, faria, ho…..

  1. Wern Meier sagt:

    Hallo ihr beiden Lieben, seid ihr nun wirklich wieder in Winterberg oder bereits am Meer?
    Huldi ist immer noch gut zwäg und wird vermutlich noch den 104. Geb. erleben.
    Weiterhin alles Gute wüschen wir euch modernen Zigeunern
    Werni und Rösli

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