Netzneutralität, Datenroaming und die teure Schweiz

In Deutschland kostet das Herunterladen von 500 Megabyte für Sunrise Kunden aus der Schweiz atemberaubende 7’500 Franken, via Swisscom 700 Franken, mit einer Lidl SIM-Karte zehn Euro und falls WLan vorhanden ist nichts. Die Schweizer-Kunden werden also richtiggehend „Abgezockt“.

Nachdem sich die EU-Kommission die Vorschläge – nach vielen Widerständen des Telekommunikationsmarktes – auf neue Regeln geeinigt haben, werden die Extra-Kosten ab dem Jahre 2016 aufgehoben. Telefonieren im Ausland wird in der gesamten EU demnach ab 2016 gleich teuer sein wie im Inland.

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Behördenchef José Manuel Barroso meinte denn auch: «Unser Vorschlag wird die Preise und Garantien für die Verbraucher verbessern und neue Chancen für die Unternehmen schaffen.»

Die Pläne brauchen nur noch die Zustimmung der EU-Staaten und der Parlamente. Demnach sollen die Telekommunikations-Firmen bis Juli 2016 nach und nach freiwillig auf Roaming-Gebühren für die Handy-Nutzung im europäischen Ausland verzichten.
Weiter heisst es, dass keine Internetinhalte auf Grund der dann gültigen Netzneutralität bevorzugt bezogen oder gar blockiert werden dürften, ausser es handle sich um Kinderpornografie oder eine drohende Überlastung.

Vertreter der Schweizer-Telekombranche sind allerding der Meinung, der technische Fortschritt werde eine Regulierung ohnehin überholen. «Eine Regulierung ist immer etwas Langsames, das Telekommunikationsgeschäft jedoch verändert sich rasch», sagt Annina Merk, Mediensprecherin der Swisscom.

Als mögliche Lösung wird die örtliche Anbindung ans Daten-Netz (Local Break-out) gehandelt. Ab Sommer 2014 können Kunden im EU-Raum die Datenkommunikation – unabhängig vom Heimanbieter – über das Netz eines lokalen Anbieters abwickeln. Die Swisscom möchte ihren Kunden Local Break-out zur Verfügung stellen – natürlich gegen Entgeld. Orange und Sunrise haben sich noch nicht entschieden.

Das Sprachroaming bringt hiesigen Mobilfunkanbietern immer noch das meiste Geld. 554 Millionen Franken sollen sie 2011 damit erwirtschaftet haben, rechnete das Bundesamt für Kommunikation hoch. Zählt man SMS-Roaming hinzu, beträgt der Umsatz knapp eine Milliarde Franken.

«Ich glaube nicht, dass die Einstandspreise so hoch sind, dass sie die aktuellen Tarife rechtfertigen.» meinte der Comparis Experte. Vielmehr hätten die Anbieter «zwei Hüte an». Einerseits kaufen sie für Schweizer, die im Ausland telefonieren, dortige Leistungen ein. Anderseits verkaufen sie fremden Anbietern ihr Netz für Besucher in der Schweiz. «Dabei gilt natürlich das Prinzip: Wer mehr verkauft als einkauft, ist an möglichst hohen Preisen interessiert», so Beyeler. Die Swisscom hat in der Schweiz einen Marktanteil von 60 Prozent, muss sich somit für mehr Kunden in ausländische Netze einkaufen und ist also an tieferen Roamingpreisen interessiert. Bei Orange und Sunrise ist es umgekehrt. Für die EU ist der Verkauf und Einkauf eben ein Nullsummenspiel zuungunsten von Kunden aber auch von Telekomanbietern. Der administrative Aufwand gekoppelt mit der Verrechnungs-Technik welche notwendig ist um jedes einzelne Gespäch dem einzelnen Kunden in Rechnung stellen zu können ist gewaltig. Bei Festnetzgesprächen wird schliesslich der ausländische Kunde bzw. Telekomanbieter auch nicht mit Gebühren belastet, obwohl genauso mehrere Anbieter daran beteiligt sind wie bei einem Roaming über das Handy.

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1 Antwort zu Netzneutralität, Datenroaming und die teure Schweiz

  1. Lukas sagt:

    Hey Muck, spannend, dass Du zu dem Thema schreibst!
    Bin der Geschäftsleiter von https://icompare.ch, resp. iC21 AG und würd mich freuen mal von Dir zu hören. LG und schöne Marokko Reise, war auch schon zwei mal dort auf dem hohen Atlas und super Erfahrungen gemacht! Grüsse, Lukas

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