Die Halbinsel „DingIe“

Die Halbinsel Dingle liegt nördlich der besser bekannten Halbinsel Iveragh (Ring of Kerry) im Westen von Irland. Währendem Iveragh wegen seiner Landschaft und dem Ring of Kerry berühmt ist redet kaum jemand von der Halbinsel Dingle und vom Gallarus Oratorium.

Gallarus Oratorium

Gallarus Oratorium

Am äussersten westlichen Zipfel der noch zu Europa gehörenden Halbinsel finden wir ein über 1300 Jahre altes Gebetshaus. Das alte „Gallarus Oratorium“ ist das berühmteste Bauwerk auf der Halbinsel. Das solide konstruierte Bauwerk hält bis zum heutigen Tag zuverlässig den Regen ab. Das rechtwinklige Gebäude ist ungefähr 8 Meter lang, 5 Meter breit und gleich hoch wie breit. Es liegt am Fusse des 953 m hohen Mount Brandon welchen wir eigentlich hätten bezwingen wollen. Diese Gegend ist geradezu übersät von weiteren frühchristlichen Kirchen, Gebetshäusern und Gedenksteinen die aber meistens durch Eroberer wie Wikinger oder Normannen beraubt und zerstört wurden.

Der westlichste Punkt den überhaupt eine Strasse erreicht ist der Slea Head. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die meerumtosten Blasket Island wo bis in die 50er Jahre gälische Schriftsteller lebten welche das harte Leben der irischen Inselbewohner beschrieb. „Die Boote laufen nicht mehr aus.“ ist eines davon.

Vergangene Nacht hausten wir noch in Castlegregory an der Nordküste der Halbinsel an der Brandon Bay. Schlechtes Wetter mit Regen und Sturm zwangen uns sogar die Heizung inkl. Fussbodenheizung die ganze Nacht laufen zu lassen. Zwar lagen wir direkt an nicht sichtbaren herrlichen Stränden mit Dünen aber bei Sturm, Nässe und Temperaturen unter 8 Grad war diese Gegend am 16. Juni 2013 keinesfalls ferienfreundlich. Kommt hinzu, dass eigentlich auf diesem Platz Wifi vorhanden wäre – doch selbst dieses funktionierte in dieser gottverlassenen Gegend nicht mehr.

Am morgen früh gegen 0900 Uhr zogen wir bei aufhellendem Wetter auf der R560 sofort weiter Richtung Conor Pass. Noch immer in dicken Pullovern gehüllt stellten wir die Klimaanlage auf gut 26 Grad ein.

Bei immer schmäleren Strassen wurde ich das erste Mal stutzig als nach der Abzweigung Richtung Brandon Point eine Signaltafel ein Höchstgewicht von 2 Tonnen anzeigt. Ja nu – dachte ich mir – mit über 3 Tonnen könnte dies noch in der Toleranz liegen zumal wir noch immer auf einer R-Strasse unterwegs sind. Die Brücke vorerst zu Fuss überschreiten ob sie dem Gewicht standhalten könnte. Heidy könnte ja zur Sicherheit noch aussteigen und dann das ganze filmen. Schliesslich kracht ja nicht jeden Tag eine Brücke zusammen.

Ein paar Kilometer weiter eine neue Signaltafel: Diesmal Höchstbreite 1.8 Meter. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Beschränkung der Höhe um über den Conor Pass zu kommen?

Plötzlich wurde ich weniger mutig und abermals stutzig! Mit dem Gewicht ist es so eine Sache! Mit der Breite schon weniger und mit der Höhe geht gar nichts mehr. Also – auf der schmalen Strasse wenden solange es noch geht. Zwischen zwei S-Kurven ist an einer Stelle die Strasse etwas breiter, sodass es mit mehrmals sägen reichen könnte. Auf die irischen Autofahrer vertrauend, dass sie noch anhalten würden und auch könnten wenn so ein Koloss wie unser Bus die ganze Strasse auf der vollen Breite blockiert.

Scheibe runter, Ohr hört nichts am höchste Berg von Irland, dem 953 Meter hohen Mount Brandon. Dann Lenkrad rechts, links, rechts, links und nochmal einmal und schon stehen wir wieder auf der linken Strassenseite aber diesmal in umgekehrter Richtung. Nochmal gut gegangen. Camper ist noch immer 3.5 Tonnen schwer, 2.2 m breit und 2.85 hoch.

Jetzt wiederum die etwa 40 km zurück auf der gleichen R560 an Baustellen vorbei am Castlegregory Strand mit Sanddünen bis zur Nationalstrasse N60. Hier gewinnen wir rasch an Höhe und auf einer besseren – aber teilweise holprigen Strasse – überqueren wir den Lack Mountain ohne Probleme.

Auf der anderen Seite der Halbinsel in der „Hauptstadt Dingle“ und beim Lidl vorbei bemerken wir die auch für uns schmale R560. Das andere Ende der Conor Passtrasse weist überhaupt keinen Verkehr auf und zum mindestens der letzte Teil nach Dingle hinunter wäre auch für uns noch schmal genug gewesen. Dafür hätten wir den Lidl leichter finden können.

Ueberhaupt gibt es in Irland zwei Irland’s. Das eine sieht, wer nicht genau hinschaut und kein Auge für die Schönheit des Landes hat und das andere sieht erst, wenn man den Verstand kurz abschaltet.

Fest steht, dass die irische „Anderswelt“ mit ihren Ursprüngen in vorchristlicher Zeit zu suchen ist und noch heute in der Mythologie gefunden werden kann. Feen, Leprechauns und alle anderen fabelhaften Wesen leben bis heute in dieser „Anderswelt“ ohne von allen Menschen wahrgenommen zu werden.

Auch der Kassier vom Gallarus Oratory hätte heute von uns keine 5 Euro’s kassieren dürfen, da wir ja zu Fuss und mit keinem Fahrzeug hier angekommen sind. Vielleicht wusste er dies einfach nicht, dass gerade jetzt zwei menschliche Fabelwesen vor ihm standen, die keinen Parkplatz benutzen. Vor fünf Minuten wussten wir ebenfalls nicht, dass für Fussgänger kein Eintritt gesprochen werden darf. Schliesslich pochten wir ja nur dafür den Eintritt als „Senior‘s“ und nicht als „Fabelwesen“ und schon gar nicht als „Feen“ bezahlen zu müssen.

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Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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