Griechenland stand 2009 am Beginn der Euro-Krise und heute endet sie mit einer „griechischen Insel-Tragödie“?

EU Staatsschulden

EU Staatsschulden

Die Staatsschuldenkrise im Euroraum (oft auch Euro-Krise genannt), ist eine Finanzkrise, die es manchen Ländern der Eurozone schwierig bis unmöglich macht, Staatsschulden ohne Hilfe von Dritten zu refinanzieren.

Die Krise brach aus, als Griechenland nach einer neuen Regierungsbildung im Oktober 2009 das tatsächliche Ausmass des bisher verschleierten Schuldenstandes offenlegte und EU sowie IWF um Hilfe bat. Das Gleiche wurde mit dem autonomen Zypern auf der gleichnamigen ehemals griechischen Insel festgestellt.

Weil seit über einer Woche die Banken geschlossen sind kommen die Bürger Zyperns nicht mehr an ihr Geld heran, so dass diese keine Nahrung oder Benzin kaufen können. Die Verzweiflung der Bevölkerung wächst. Plastikgeld wird in diesen Tagen eher mit verzogener Miene angenommen. Nur Bares ist Wahres lautet die Devise.

Der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äusserte sich kritisch über den von Zypern vorgelegten Plan zur Rettung des Landes. Im Koalitionsausschuss verlautbarte er offensichtlich, dass er massive Zweifel an dem von Zypern vorgelegten Rettungsplan habe.

Rein mit Kosmetik sei es nicht getan, Zypern müsse sich bewegen und ernsthaft sparen, sagte er. An diesem Wochenende werden EU, EZB und IWF über das von der Regierung Zyperns am Samstag vorgelegte Finanzpaket beraten.

In den vergangenen Tagen waren zwei Rettungskonzepte für die Mittelmeerinsel bereits am Widerstand des dortigen Parlaments oder der internationalen Geldgeber gescheitert. Sollten die Bemühungen des Präsidenten in Brüssel fehlschlagen, könnte Zypern wohl schon am Dienstag zahlungsunfähig sein.

Der neue Rettungsplan sieht unter anderem eine Zwangsabgabe für Bankkunden in Zypern vor, die mehr als 100‘000 Euro angelegt haben. Guthaben unterhalb dieser Grenze sollen hingegen, anders als in ersten Überlegungen in der vergangenen Woche, unangetastet bleiben.

Mit einer ganzen Reihe von Krisengesprächen hat Zyperns Präsident Nicos Anastasiades am Sonntag in Brüssel versucht, die drohende Staatspleite seines Landes in letzter Minute abzuwenden. Anastasiades warb unter anderem bei einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso und Währungskommissar Olli Rehn für ein neues Finanzierungskonzept, auf das sich Zyperns Parteien übers Wochenende verständigt hatten.

Mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und einer laxen Geldwäsche-Kontrolle hatte sich Nikosia in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Ziel internationaler Anleger entwickelt. Zyperns Finanzsektor war aber zuletzt in Schieflage geraten, nachdem die dortigen Banken grosse Verluste auf griechische Staatsanleihen abschreiben mussten.

Der Inselstaat verfügt über einen vergleichsweise grossen Bankensektor, der 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Ein Drittel der Einlagen zypriotischer Banken, etwa 23 Milliarden Euro, soll von russischen Anlegern stammen. Versuche der Regierung Zyperns, deshalb günstige Überbrückungskredite der russischen Regierung zu erhalten, waren Mitte vergangener Woche allerdings gescheitert.

Die Stimmung auf Zypern schwankte am Sonntag zwischen Angst und Trotz. „Wir haben die Perser, die Araber, die Kreuzritter, die Osmanen, die Briten überlebt. Wir werden auch die Spar-Hysterie der Merkel überleben“, sagte ein aufgebrachter Los-Verkäufer in Nikosia.

Montag, 25.3.2013: Die Staatspleite Zyperns ist in letzter Minute noch abgewendet worden. „Wir können nun damit anfangen, den Menschen in Zypern beim Wiederaufbau ihrer Wirtschaft zu helfen“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am frühen Montagmorgen in Brüssel. Die Regierung des überschuldeten Euro-Landes einigte sich nach einer teilweise dramatischen Nachtsitzung mit ihren Geldgebern auf einen neuen Rettungsplan. Gläubiger und Kunden der beiden grössten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Laiki Bank, werden dabei Geld verlieren – wie viel genau, steht noch nicht fest.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich nach Ende der Beratungen erleichtert über die Einigung. „Ich bin froh, dass wir jetzt das erreicht haben, was immer unsere Position war“, sagte Schäuble. Eine Rettung Zyperns sei ohne ein Hinzuziehen der beiden grössten Banken des Landes nicht möglich.

Laut der Einigung wird die zweitgrösste Bank des Landes, die Popular Bank (oder Laiki-Bank), zerschlagen. Die Konten mit Beträgen bis zu 100.000 Euro, die gesetzlich von der Einlagensicherung geschützt sind, werden auf die grösste Bank, die Bank of Cyprus, übergehen.

Einlagen der Laiki Bank oberhalb dieser Summe werden eingefroren und in eine „Bad Bank“ übertragen. Insgesamt handelt es sich um 4,2 Milliarden Euro. Ob diese vollständig verloren sein werden, sei noch nicht absehbar, da bei der Abwicklung der „Bad Bank“ noch Erträge anfallen könnten. Die „Bad Bank“ übernimmt von der Popular Bank auch neun Milliarden Euro Schulden bei der Europäischen Zentralbank (EZB).

News: Alle zypriotschen Banken bleibern bis Donnerstag, 28. März 2013 weiterhin geschlossen.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
Dieser Beitrag wurde unter Geld, Zypern abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.