Konfuzius oder Orwell: Welchem Typ Mensch sind sie zugetan?

Konfuzius

Konfuzius

Die Menschen in Georg Orwells epochalem Roman „1984“ kommunzieren nur noch mit „Newspeak“. „Newspeak“ oder auf Neu-Deutsch „Neusprech“ bezeichnet die vom herrschenden Regime vorgeschriebene, künstlich veränderte Sprache. Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation der Bevölkerung in enge und kontrollierte Bahnen zu lenken. Damit sollen sogenannte Gedankenverbrechen unmöglich werden. Durch die neue Sprache bzw. Sprachregelung soll die Bevölkerung so manipuliert werden, dass sie nicht einmal mehr an Aufstand denken kann – weil ihr die Worte dazu fehlen.

Die führende Meinungs-Macher-Schicht im Staate Schweiz – die Medien – haben diese „Neusprech-Sprache“ verbreitet, damit eben „Gedankenverbrechen“ verhindert und Aufstände verunmöglicht werden. Um das zu erreichen, wurden die klaren Worte von Konfuzios einfach abgeschafft. Das zentrale Thema seiner Lehren war die menschliche Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen ereichbar sei. Als Ideal galt für Konfuzius der „Edle“, ein moralisch einwandfreier Mensch.

Konfuzios lebte etwa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung und meinte bereits damals: „Wenn du einen Würdigen siehst, dann trachte ihm nachzueifern und wenn du einen Unwürdigen siehst, dann prüfe dich in deinem Innern!“

Wenn heute ein Arbeiter oder Angestellter entlassen oder „vor die Türe gesetzt“ wird, dann ist er ganz einfach „freigestellt“, „beurlaubt“ oder „seinen Aufgaben entbunden“ worden. Alles positive „Neusprech-Wörter“ denn wer möchte nicht „frei“ sein oder „beurlaubt“ werden, übrigens die schönste Zeit im Jahr wo man Tun und Lassen kann was einem Freude macht und da ist es ganz natürlich von all „seinen Aufgaben entbunden“ zu sein. Diese neue Sprachregelung ist für einen betroffenen Familienvater einschneidend, kann zu Depressionen führen und eine Familie zerstören. Dieses Abschieben eines Menschen in die ewigen Jagdgründe ist unmoralisch genauso wie wenn heimische Firmen Arbeitsplätze zerstören, pardon „ausgelagert“ werden. Mehr „Arbeitslose“ ist nach neuer Sprachregelung ebenfalls positiv, weil sich damit ja der Arbeitsmarkt „entspannt“. Und ein Mehr an Entspannung ist heute besonders wünschenswert! Wenn der Frankenkurs steigt, dann „erholt“ er sich und wenn Aktien fallen, dann ist das bloss eine „Korrektur“ weil bekanntlich vorher etwas falsch lief.

Gegen Ende meiner Erwerbstätigkeit wurde auch mein Arbeitplatz zerstört, pardon “ausgelagert“. Einem „Beamten“ mit Treueschwur auf die Regierung kann man eben nicht so einfach „freistellen“, „beurlauben“ oder „seinen Aufgaben entbinden“. Das käme den Staat viel zu teuer zu stehen aber man kann ganz einfach seine Arbeit „auslagern“ was ungefähr soviel bedeutet „wir möchten auf deine Mitarbeit verzichten“. An der Vereidigung habe ich 1967 mit folgenden Worten meinen Schwur oder Amtseid auf die herrschende Regierung abgelegt: „Ich schwöre, treu, redlich und ehrenhaft zu dienen dem Regierungsrat und seinen rechtmässigen Nachfolgern “. Damals in feierlicher Umgebung des Landesmuseums in Zürich vor Regierungsrat Albert Mossdorf glaubte ich diesem rechtschaffenen Herrn im schwarzen Frack und zu kurzen Hosen noch. In einer Eisenbahnerfamilie aufgewachsen und Vater von drei Kindern war er ein echter Nachfolger des Konfuzius eben „edel“ und rechtschaffen durch und durch. Neun Regierungsräte später und nicht alle so „edel“ wie der Herr aus der Tang-Zeit kehrte nicht nur Orwell in mein Leben ein sondern auch die „Newspeak“-Zeit. Sie gipfelt in der Abzocker-Phase wo es ganz normal schien, dass auch ehrenwerte Herren bei Banken den Kunden über den Tisch zogen ohne mit der Wimper zu zucken. Als ich in den 80-iger Jahren bei meiner Hausbank ZKB in Wallisellen beispielsweise einen „Eidgenossen“ orderte und stattdessen eine UBS-Anleihe in meinem Depot fand war bei mir das Erste Mal jene Achtung vor den Herren in feinem Tuch geschwunden. Viele sagten schon damals voraus, dass es Schlimmer kommen könnte! Und heute sagen wir; es kam schlimmer! Noch heute geniesst diese Bank eine Staatsgarantie und damit einen Wettbewerbsvorteil der schlichtweg das Prädikat weder „edel“ und schon gar nicht „akzeptabel“ hat. Wenn eine Bank eine ganze Woche lang dem rechtsmässigen Eigentümer von Guthaben Geld in namhaften Betrag hinterzieht so ist dies eben schlichtweg „temporär gestohlenes Bargeld“ und das erst noch „gewerbsmässig“.

Schafft endlich das Businessmodell Schweiz ab.. tönt es bereits einzeln auch von Unternehmerseite. Statt sich mit Scheinlösungen wäre es klüger, sich mit Ursachen der Zuwanderung zu befassen. Ursache Nummer eins liegt eindeutig bei den exzessiven Steuerprivilegien für Holding- und gemischten Gesellschaften. Bereits haben sich etwa rund die Hälfte aller europäischen Hauptsitze in der Schweiz angesiedelt und es werden täglich mehr. Ganze Branchen – wie beispielsweise Rohstoff-Handelsgesellschaften – haben sich hierher verschoben. Mit ungeahnten Folgen für das Schweizer Volk und deren politischen Vertretung – nämlich der Schweizerischen Volkspartei.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
Dieser Beitrag wurde unter China, Geld, Geschichte abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.