UBS baut 10‘000 Stellen ab, Börse stieg gestern um 7,3 %

Sergio Ermotti

Gestern Montag stieg an der Börse der Kurs der UBS Bankaktie um 7.3 %. Bereits am Sonntagabend habe ich in Deutschen Medien ähnliche Schlagzeilen gelesen, nur in der Schweiz war es noch still.

Im Investment Banking geht die UBS einer Entwicklung voran welche die FINMA mit ihren verschärften Eigenkapital Vorschriften zu recht eingeläutet hat. Systemrelevante Banken sollen genügend Eigenkapital aufbauen um in schlechten Zeiten sich selbst retten zu können.

Alle grossen Banken der Welt haben in den ersten 9 Monaten dieses Jahres einen Einnahmen-Rückgang aus dem Investment Banking von gegen -30 % erlitten. Merrill Lynch konkret -30, UBS -24 und CS -18%.

Heute nun präsentierte sich Sergio Ermotti beinahe als Revolutionär. Gemeinsam mit dem Deutschen Axel Weber – der seit Mai dem Verwaltungsrat vorsteht – hat er einen Umbauplan entwickelt, der über alles hinausgeht, was die Konkurrenz bisher vorgelegt hat. Die UBS spaltet die Hälfte ihrer stolzen Investmentbank ab und versieht sie mit einer neuen Führung. In wenigen Jahren will die Bank das Investmentgeschäft ganz einstellen. Rund 10’000 Stellen fallen dadurch weg, bald arbeiten nur noch 54’000 Mitarbeiter für die Bank. Auch die Aktionäre sollen zahlen. Die Bank verkündet eine Wertberichtigung in Milliardenhöhe. Im dritten Quartal fällt sogar ein Verlust von mehr als zwei Milliarden Franken an.

Tagesschau vom 30.10.2012

Im IT-Bereich der UBS boxt die Britin Michele Trogni das Sparprogramm mit dem Stellenabbau durch. Sie startete vor 24 Jahren ihre Laufbahn beim damaligen Bankverein in London. Über verschiedene Stationen – zuletzt in der Investmentbank – wurde sie globale IT-Chefin der UBS. Sie sei «eine verrückte Frau», sagt ein Insider, «eine unmögliche Frau» ein anderer. Ein Dritter meint nachdenklich: «Leute entlassen kann sie gut. Etwas aufbauen kann sie nicht.»

Er spricht damit die angelsächsische Mentalität an, für die auch Michele Trogni steht – eine Mentalität, die sich in der UBS mehr und mehr durchsetze. Die Angelsachsen seien im Auftreten brillant, sehr eloquent, aber nicht nachhaltig. Die Schweizer wirkten daneben dumm, im Ausdruck unbeholfen. «Aber nach einem Jahr liefern die Schweizer Resultate, während die Angelsachsen immer noch am Reden sind.» Mit den Angelsachsen sei viel der UBS-Kultur zerstört worden, so eine Klage, der man in der UBS Schweiz auf Schritt und Tritt begegnet.

Der IT-Bereich der UBS umfasste Anfang 2011 weltweit 9’000 Vollzeitstellen. Aktuell sind es noch 8’200 Arbeitsplätze – davon 3’200 in der Schweiz. Mitarbeitende des Bereichs gehen davon aus, dass sich der geforderte Kostenabbau von 30 Prozent praktisch eins zu eins auf den Stellenplafond auswirken wird. In Zahlen heisst das, dass von den 8’200 Arbeitsplätzen über 2’000 weggespart werden. Macht man die Rechnung für die IT-Arbeitsplätze in der Schweiz, sind gegen 1’000 Stellen gefährdet. Die Listen der zu Entlassenden sind gemäss Insidern zum Teil erstellt, zum Teil noch in Ausarbeitung durch die Kaderleute.

Bei Massenentlassungen können zwar die Arbeitnehmer mitreden, zu sagen haben sie aber sozusagen gar nichts. Die Personalverbände der UBS sind mit dem heutigen Stillhalteabkommen nur Zuschauer. Anderseits sind die Investoren entzückt. Gerade habe ich in den Mittagsnachrichten vernommen, dass UBS an der Schweizer Börse ein weiteres Mal 4.7 % zugelegt hat.

Tagesschau vom 30.10.2012

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