Aksaray – Gölbasi (Ulasan Hotel/Camping – Safranbolu (Otopark)

Die zwei Ueberführungs-Etappen von Aksaray nach Gölbasi bzw. weiter nach Safranbolu bestanden bis Ankara mehrheitlich aus guten bis sehr guten 2 spurigen Schnellstrassen.

Kurz nach der Abfahrt überholen wir zwei auf dem Seitenstreifen fahrende Pfedegespanne in gleicher Richtung. Wenig später kommt uns ein kleiner Lastwagen entgegen. Auf Grund der riesigen Staubfahne die er hinter sich herzieht offensichtlich in schnellem Tempo. Weil der Lastwagen auch noch die Normalspur benutzt muss ich auf die Ueberholspur ausweichen. Beim Kreuzen grüssen wir uns freundlich. Zwar nur kurz, denn wir sind etwa mit 90 km/h unterwegs und er vielleicht mit 70. Da hat man nicht viel Zeit einander ausgiebig zu begrüssen.

Die Vortrittsregeln auf Autobahnen und mehrspurigen Schnellstrassen weichen offensichtlich gegenüber dem europäischen Verkehr ab. Derjenige der die Spur wechselt oder wechseln muss hat Vortritt. So kommt es nicht selten vor, dass wir auf der Ueberholspur fahrend plötzlich praktisch anhalten müssen, weil ein langsam fahrender Lastwagen diese Spur ebenfalls benutzen will oder muss. Langsam heisst meistens an Steigungen bei LW Schritttempo. Im 3. oder 4. Gang heisst das bei unserem Ducato eben 70 bis 90 km/h.

Grundsätzlich sind Schnellstrassen gleich ausgebaut wie Autobahnen. Gegenüber mautpflichtigen Autobahnen haben Schnellstrassen innerorts immer auch Lichtsignale. Diese werden meistens durch ein Blinklicht angekündet und sind mit 50 km/h vorsignalisiert. Kommt man 90 km/h daher und lässt das Fahrzeug auf 50 km/h verzögern lauert die Gefahr viel eher von hinten. Dann brausen die schweren Brummer links oder rechts an einem vorbei denn bremsen könnten sie auf das Lichtsignal hin so oder so nicht. Beginnt das Lichtsignal gelb zu blinken weiss man, dass in etwa 5 Sekunden Rot folgt. Auch hier gilt, dass Rot Halt bedeutet, doch nur dann wenn nicht unmittelbar dahinter ein LW folgt. Eine Schnellbremsung könnte eine Auffahrkollision bedeuten. So scheint es weit weniger gefährlich zu sein bei 3 Sekunden bei Rot über die Kreuzung zu blochen als bei Rot anzuhalten. Ueberhaupt schien mir, dass eine Reduktion der Geschwindigkeit auf die vorgeschriebenen 50 km/h gefährlich ist, weil immer dann die hinter einem aufschliessenden Lastwagen gefährlich nahe aufschliessen und bei einer Vollbremsung mit Sicherheit nicht mehr anhalten könnten.

6-spurige Schnellstrasse bei Gölbasi

Die letzte Hürde auf diesen etwa 200 km zwischen Aksaray und Gölbasi bei Ankara ist die Ueberquerung der 6-spurigen Autobahn. Die Zufahrt zum 4 Sterne Hotel Ulasan erfolgt zwar über eine Nebenstrasse doch zu dieser kommt man nur, wenn man am richtigen Ort die Autobahn überquert.

Praktisch auf den Meter genau gibt uns das Navi diese Stelle bekannt. Wir fahren also auf dem Seitenstreifen langsam auf diese Stelle zu und warten eine Verkehrslücke ab. Dabei sehe ich, dass im geöffneten Mittelstreifen dieser zu kurz ist um unseren Camper aufzustellen. Wir müssen also ihn auch längs aufstellen, damit nicht etwa das Heck in die 2. Ueberholspur ragt. Diese ersten drei Spuren sind geschafft und nun muss nur noch die aus Ankara führenden 3 Spuren überquert werden. Sicher mit über 120 km/h brausen Pw mit einen Abstand von etwa 1 Meter an uns vorbei. Auf der Gegenseite wartet ebenfalls ein Pw der die Autobahn überqueren will. Als keine PW’s mehr in Sichtweite auszumachen sind, wird der Versuch gewagt die 3 Spuren zu überqueren. Ein einzelner Lastwagen ist zwar in Sichtweite, doch etwas langsamer als die PW. Camper also aus der Gegenrichtung in die Querrichtung stellen und die Autobahn zum Hotel Ulasan überqueren. Nochmals geschafft, doch morgen muss die gleiche Prozedur nochmals gewagt werden. Dann jedoch mit kaltem Motor.

Camping beim Ulasan Hotel Gölbasi

Auf der hinteren Seite des Ulasan Hotels – direkt neben einer Natel Antenne – mit Blick auf den Mogan Gölü (See) werden wir die nächste Nacht verbringen. Wir sind alleine hier und trotzdem ist es uns wohl. Heidy macht noch ein paar Züge im Swimmingpool bevor wir anschliessend im Hotel zu Nacht essen.

Auch sind wir in der riesigen Hotellobby alleine und im Restaurant erscheinen später noch zwei türkische Gäste. Die geben den 1. aufgetischten Gang gleich wieder zurück wobei ich beobachten kann, dass der Kellner auf dem Weg zur Küche selbst einen Happen vom Teller probiert.

Eine Eigenheit des türkischen Alltages ist, dass man weder auf Campingplätzen noch in Hotels eine Quittung erhält. Zwar wird auch im Restaurant immer eine Quittung in einem Behältnis präsentiert in die man das Geld legt, doch nicht nur Geld sondern auch die Quittung behält der „Verkäufer“ immer für sich. Im Hotel Ulasan präsentierte er die Rechnung gleich im Doppel. Weder Original noch die Durchschlagskopie durfte ich trotz Bitte nicht behalten. Eben andere Länder andere „eigenartige“ Sitten (Steuerumgehungen).

Auf dem offiziellen Parkplatz in Safranbulo werden wir die nächste Nacht verbringen. Der Parkplatzwächter verlangt zuerst TL 20.- dann reduziert er jedoch auf TL 15.-. Wenigsten bekommt man dafür ein Ticket.

Als zwei weitere Camper direkt auf dem Schulhausplatz übernachten, fühlen auch wir uns Sicher. Ausnahmsweise ohne Stromanschluss werden wir nach einem regnerischen Abend die Tagesschau konsumieren und anschliessend uns im Camper ins Bett legen. Uns wird wieder einmal bewusst wie konfortabel wir reisen.

Ein paar Stunden zuvor konnte ich beobachten wie 4 türkische Frauen auf dem Parkplatz des Carfours-Einkaufscenters in Karabük auf der hinteren Sitzbank eines kleinen Renaults Platz fanden. Dies war mir schon ein Rätsel aber als dann noch eine junge, zwar schlanke, westliche gekleidete Frau mit Händy sich schlichtweg quer auf die Oberschenkel der 4 türkischen Frauen legte stockte mir der Atem.

Jetzt erst wurde mir klar: Mit einem menschliche Airbag auf den Knien muss man sich nicht mehr anschnallen. Ich glaube auch nicht, dass Renault bei den türkischen Auto’s serienmässig auf der Rücksitzbank 5 Sicherheitsgurte anbietet. Jedenfalls ging das kleine Auto hinten kräftig in die Knie.

Bei einer allfälligen Panne muss sich der Fahrer ab sofort nicht mehr um das Abschleppen kümmern. 6 Frauen als Schiebepferde stehen ab sofort jederzeit und kostenlos zur Verfügung.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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