Göreme – Nevsehir – Derimkuyu – Nevsehir – Aksaray / Türkei

Nach 5 Tagen auf dem Panorama Camping bei Achmet wollen wir weiter. Dabei möchten wir auf dieser Etappe die grösste unterirdische Stadt in Derimkuyu besuchen.

Heute ist Sonntag und bereits gestern haben die Einheimischen markant an ihrer Zahl zugenommen. Zudem soll die unterirdische Stadt am Montag geschlossen sein. Also früh aus den Federn damit die 39 km dorthin möglichst bis 0800 Uhr bewältigt werden.

Rechtzeitig aber doch später als geplant kommen wir in Derimkuyu an und lösen ein Ticket für den freiwilligen Kriechgang in die 10 Stockwerke tiefe Stadt. Gleich am Anfang der Besichtigung treffen wir auf einen inoffiziellen Führer welcher natürlich gegen enstprechendes Salär die Stadt zeigen möchte. Erstens sollen die offiziellen Wege gut ausgeleuchtet sein und zweitens mit roten Pfeilen nach Unten und blauen nach Oben gekennzeichnet sein. Wir aber glauben diese Tour von alleine zu schaffen.

Gleich nach dem Start stellen wir fest, dass offenbar früher die Leute viel kleiner gewesen sind, denn auch auf allen Vieren schlage ich hin und wieder mal meinen Kopf an der Decke an. In dem Gang zum Teufel nach unten ist eine Umkehr für mich unmöglich, weil ich mit meinem kleinen Rucksack einfach keinen Platz zum Wenden finde.

Immer wieder faszinieren mich die Mühlsteine mit denen sich die cleveren Bewohner vor Feinden schützten. Aehnlich einem Reduit habe sie die Steine von Innen wenige Dezimeter zur Seite gerollt und den Gang damit verschlossen. Gleich mehrere Stockwerke nacheinander hatte so einen Verschluss. Ebenfalls faszinierte mich das natürliche Belüftungssystem. Die Städte waren übrigens durch ein Kilometer langes Tunnelsysteme untereinander vernetzt.

Je tiefer wir kommen desto mehr beleuchtete Gänge führen in eine Sackgasse. Dafür fehlen die entsprechenden Markierungen. Entweder sind wir bereits vom Kriechgang zu müde um richtig zu sehen oder einfach vernebelt. Jedenfalls wünschten wir jetzt einen Führer, aber der ist weit über uns. Um unsere Kräfte zu schonen wird Heidy als Kundschafterin vorausgeschickt und falls sie etwas findet kann es weitergehen. Doch sie kehrt immer wieder zurück.

Plötzlich sehe ich Bilder von Chilenischen Bergarbeitern welche ein paar Monate im Stollen verschüttet und nicht mehr raus konnten. Nur schon der Ausfall des elektrischen Lichtes wäre hier katastrophal. Wir haben zwar unsere LED-Lampen bei uns aber nichts zum Essen. Weil wir eine kreuzähnliche Stelle im Stollen finden sind wir uns sicher am untersten Punkt angelangt zu sein. Die Stadt ist noch nicht gänzlich erforscht und das wollen wir heute auch nicht selbst tun doch weiss man, dass sie bis etwa 100 Meter tief gehen soll. Ueber uns liegen also lediglich 40 Meter Tuffstein. Oder sind es etwa mehr?

Plötzlich sehen ich wieder einen blauen Pfeil und der führt ja bekanntlich nach oben. Wenig später fühlen wir eine gewisse Feuchtigkeit im Stollen. Ein Zeichen, dass hier die warme Luft von draussen auf die Kalte von Innen trifft. Nach langem hören wir auch wieder Stimmen und das Licht brennt immer noch. Wir haben noch einmal Glück gehabt. Alle Chilenischen Bergarbeiter wurden schliesslich auch gerettet und wir kommen ebenfalls wieder ans helle Licht.

Wir waren gut 2 Stunden unterwegs und stellen fest, dass wir nur gerade etwa 50 Meter zurückgelegt haben. Trotzdem sind wir ausnahmslos glücklich.

Die Lust auf Experimente ist für heute gedeckt. Wir entschliessen uns den ca 40 km längeren Umweg zurück nach Nevshehier unter die Räder zu nehmen und nicht den direkten nach Aksaray. Auf dem dortigen Mocamp stellen wir unseren Camper ab und reinigen ihn von Aussen mit dem mitgeführten 30 Meter langen Schlauch. Erstmals seit langem haben wir wieder einen passablen Wasserdruck dafür. Die folgende Nacht werden wir ganz alleine auf dem riesigen Gelände schlafen und unsere Berichte schreiben. Das lenkt uns etwas ab.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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