Rund um Göreme / Türkei

Heute ist mit dem Vater von Achmet (Camping Chef) eine Tour um Göreme geplant. Um 1000 Uhr fahren wir mit seinem Minibus zuerst ins Dorf zu einem seiner Söhne. Diesen nehmen wir ein Stück weit mit und wir fahren weiter Richtung Avanos.

Mitten in einem Bachbett lassen wir den Bus stehen und marschieren zu einem der Tufftürme. Dabei begegnen wir einem zukünftigen Weinbauern, der gerade mit einem Pferd sein kleines Stück Land pflügt. Wahrscheinlich will er dort Reben pflanzen. Das Pferd scheint wenig Mühe zu haben, den sandigen oder besser gesagt die Tufferde zu pflügen. Unweit davon pflügt ein weiterer Bauer seine mit Gras überwachsenen Weinstöcke maschinell mit einem kleinen Traktor. Bei einem Sodbrunnen testet der Vater durch herablassen mehrerer Steine den Wasserstand. Der Stein fällt tief, sehr tief sogar und der Vater meint, dieses Jahr habe es viel zu wenig Wasser.

Es ist eines der unzähligen Tuff-Monumente mit einer ehemaligen Kirche darin das er uns zeigen möchte. Leider zerbröckeln bzw. zerfallen diese Türme immer mehr. Uebrigens, dies stellen wir im ganzen Gebiet von Göreme fest. Einerseits sind diese Türme der Witterung ausgesetzt und andererseits werden diese zweckentfremdet, das heisst beispielsweise hier wurde ein Reservoir eingebaut.

Weiter geht es Richtung Zelve. Bei unserem Turm mit Hut wo wir 1983 eine Foto mitsamt unserem Camper geschossen haben ist nun die Jandarma einquartiert. Rundherum sind lauter Verkaufsläden aufgebaut. Damals war nichts, einfach unberührte Landschaft. Heute wurde dieser wunderbare Naturpark kommerzialisiert. Dafür zerfallen die in Stein gehauenen Behausungen immer mehr. Trotzdem schiessen wir hier zahlreiche Fotos um alles zu dokumentieren. Spätere Generationen werden hier wahrscheinlich nur noch einen Sandhaufen vorfinden.

Der Schöpfer dieser Landschaft, der Erciyos Dagi schleuderte bei wiederholten Ausbrüchen unmengen von Tuffasche in das umliegenden Gebiete. Die Ablagerungen von verschiedener Festigkeit wurden durch Witterungseinflüsse geformt.

Im 7. Jahrhundert flüchteten die ersten Bewohner vor den Arabern hierher und gruben sich förmlich im weichen Gestein ein. Ganze Städte entstanden die wiederum untereinander durch Tunnels verbunden waren. Die Zugänge wurden mit riesigen Mühlsteinen verschlossen.

Die wichtigsten Kirchen und Klöster entstanden währende der Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert. Später setzte der Rückgang ein und 1923 wurden hier die letzten Christen evakuiert. Dann wurden diese Höhlen vergessen oder zweckentfremdet. Heute pflegt der Islam einzig seine später in Moschen umgebauten Kirchen und der Rest ist dem wohlwollen westlicher Institutionen ausgesetzt.

Gerade das Museum von Zelve ist ein Beispiel dafür. Für TL 10.- bekommt man eine zusammengefallene, ehemals fantastische und reiche unterirdische Stadt zu Gesicht welche nur noch im Ansatz erahnen lässt wie es einmal ausgesehen haben könnte. Die Witterung wird den Rest vollbringen und das ganze als Sandhaufen zurücklassen.

Die Einwohner können heute mit dem Tourismus und ihrer Landschaft viel Geld verdienen. Jeden Morgen steigen beispielsweise unzählige Ballone (über 44) auf und sehen die Täler von oben. Auch von unten sind die farbigen Ungetümer mit Körben von etwa 50 Passagieren im morgengrauen gut aus wie sie langsam in die Täler hinunterschweben, dort verharren und meistens auch wieder aufsteigen.

Wir aber setzten unsere Rundtour zum Kamel fort. Einer Gesteinsformation die den meisten Touristen wohl bekannt sein dürfte. Manche sehen darin ihr Ebenbild.

Dann geht es Richtung Avanos zu einer Manufaktur für Teller, Vasen, Weingebinden oder sonst noch für Dinge die Geld bringt. Inklusive einer „gratis“ Bruchgarantie für den Heimtransport.

Am Schluss besuchen wir noch den Felsen von Urgüp der ebenfalls Höhlen aufweist. Auch hier mussten einzelne Wege hinauf auf die oberste Plattform mit einer wunderbaren Aussicht gesperrt werden. Auf der Heimfahrt gegen 1600 Uhr fährt Vater Achmet noch an einem riesigen Stand für Viagra-Produkte vorbei und weil die Zeit noch reicht, sollen wir den letzten Weg der Strecke zu Fuss gehen. Er werde unten warten. Vielleicht will er testen, ob wir soeben Viagra gekauft und eingenommen haben.

Leider haben wir den Preis von Euro 150.- bereits am Vortag mit Achmet vereinbart. Obwohl er auf einem A4 Blatt 19 einzelne Punkte aufschrieb, wir aber darunter nichts vorstellen konnten, willigten wir ein. Im Nachhinein war diese ca. 20 km Fahrt mit dem Minibus viel zu teuer. Praktisch ohne Informationen des Vaters (kein Englisch, kein Deutsch) hätten wir eine solche Fahrt bei der örtlichen Info für TL 70.- pro Person günstiger und weit informativer haben können.

Aber Achmet dachte, Touristen haben ja Geld und wollen gemolken werden. Sie sind geduldig und müssen eh nie arbeiten. Jetzt erst ist mir klar, warum Achmet die 150.- Euro triumphierend vor unseren Augen schwenkte, als er sie in Händen hielt.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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