Elektronik im Wohnmobil

Adria Compact SL

Am Beispiel unseres Reisemobils Adria Compact SL auf Fiat Ducato Flachrahmen-chassis Modelljahr 2011 versuche ich die wichtigsten elektronischen Geräte mit ihren Vor- und Nachteilen aufzuzeigen.

Das Grundfahrzeug Fiat Ducato hat ein elektronisches Gaspedal und besitzt seit 2006 einen CAN-Bus (Controller Area Network). Da scheint es nur logisch zu sein, dass mit dem Fahrzeugschlüssel ein elektronischer Abgleich über die Berechtigung des Schlüssels mit dem Fahrzeug automatisch bei jedem Anlassvorgang stattfindet. Zusammen mit der mechanischen Wegfahrsperre wird dabei auch über ein elektrisches Ventil die Treibstoffzufuhr unterbrochen bzw. freigegeben. Bei einer allfälligen Kollision wird dieses Ventil aus Sicherheitsgründen ebenfalls automatisch geschlossen.

Ueber eine Keycard welche jedem Halter eines Fiat Ducato’s abgegeben wird, kann bei Verlust des Autoschlüssels (Identitätsnachweis erforderlich) ein Ersatzschlüssel bestellt werden. Die elektronischen Daten sind nur im Fiat-Werk gespeichert. Das Auslesen der verschlüsselten Daten in der Zentraleinheit des Fahrzeuges soll auch mit dem Examiner (Computer von Fiat Fachwerkstätten) nicht möglich sein.

Fiat bietet serienmässig eine spezielle Alarmanlage mit einem Funkbedienteil an. Beim Auslösen werden alle Türen unabhängig vom Fahrzeugschlüssel geschlossen oder wieder geöffnet. Werden beispielsweise die verschlossenen Türen mit dem Fahrzeugschlüssel geöffnet, bleibt die Alarmanlage trotzdem eingeschaltet. Beim allfälligen Öffnen der Türen wird nach einer akustischen Vormeldung verzögert trotzdem ein scharfer Alarm ausgelöst. Über Funkkontaktschalter sind alle Fenster sowie die Garagentüren alarmgesichert. Wird das Fahrzeug mit eingeschalteter Anlage nur leicht angehoben spricht ein lageabhängiger Sensor an und löst ebenfalls Alarm aus. Selbst mit dem Originalschlüssel ist das Wegfahren unmöglich, weil auch die scharfe Alarmanlage das Treibstoffventil geschlossen hält.

Optional kann bei Thitronik eine professionelle GPS-Ortung bestellt werden. Der Pro-finder gibt auf entsprechenden Anruf über GSM (Telefon) automatisch in einem voreingestellten Intervall einen Statusbericht mit aktuellen GPS-Koordinaten, Spannungswerten angeschlossener Quellen und Schaltzuständen der integrierten Ausgänge bekannt. Als Ergänzung zur Alarmanlage kann hier ein virtueller Zaun eingerichtet werden, welcher beim Verlassen über das GSM Modul auf maximal 10 programmierten Telefonnummern Fernalarm auslöst. Nebenbei können mit Pro-finder bis zu zwei Verbraucher geschaltet werden.

Leider sind Störsender als GPS-Blocker oder GSM-Störsender bereits für weniger als Fr. 100.- auf dem freien Markt erhältlich. Trotz Verbot des Bakom’s können sogenannte “Jammer“ aus chinesischer Produktion auch in der Schweiz gekauft werden.

Selbstverständlich gehören auch Informationsgeräte wie Radio und TV sowie Kommunikationsanlagen wie Smartphon oder GSM Sicherheitstechnik in ein Reisemobil. Die eingebaute Doppelschacht Radio-Navigation Pioneer Avic F30BT mit 7 Zollbildschirm kann nicht nur navigieren, sie zeichnet auch gleichzeit die gefahrene Strecke auf einer SD-Karte auf. Hier kann man gar seine eigenen POI’s speichern. DVD können abgespielt, Div-X Filme ab DVD oder SD-Karte und auch seine eigenen Bilder hier gespeichert werden. Weitere Funktion sind Direkteingabe der Koordinaten in ganz Europa inkl. Türkei. Mit der eingebauten Spracheingabe hatte sowohl das Gerät wie auch der Autor mühe einander zu verstehen.

Die Radio Antenne ist versteckt im rechten Seitenspiegel (Radio mit TMC) untergebracht. Sichtbar auf dem Dach ist dagegen die grosse Satelliten-Schüssel montiert. Üblicherweise ist Sicherheitstechnik wie GSM-Telefon meist unsichtbar im inneren des Fahrzeuges angebracht. Moderne Carrosserieteile aus Kunstfasern erlauben den Betrieb auch versteckt.

Um am Rand der Ausleuchtzone von geostationären Satelliten digitale Sender empfangen zu können ist es wichtig, dass die Schüssel mindestens 85 cm im Durchmesser misst. Allfällige Polarisationsfehler über 8 Grad wird mit einem automatischen Skew ausgeglichen.

Oyster SatDer Skew (engl. Schiefe, Schrägstellung) gibt bei Empfangsanlagen für Satelliten die Abweichung der vertikalen Polarisation des Empfangssignals von der geografischen Vertikalen an. Für optimalen Empfang muss das LNB vor der Satellitenschüssel um den Skew-Winkel (im Westen + und im Osten – Grade) geneigt werden. Deshalb wird für Skew auch der Begriff LNB-Tilt (engl.: Neigung, Schieflage, Verkippung) verwendet. Nebst mechanischer Verstellung des LNB wird heute vielfach auch über einen magnetisierten Ferritstab versucht die Polarisation anzugleichen.

Auf weitere Elektronik im Fahrzeug wie beispielsweise Wohnraumheizung Trumatic E wird hier nicht näher eingegangen. Dass soviel Elektrik nach genügend Strom schreit ist verständlich. Zwar brauchen moderne Geräte meist nur kurzfristig eine höhere Leistung, doch die wird ja bei einem Fahrzeug in der Regel nicht aus dem Netz sondern aus den Batterien geholt. Selbst bei einem Netzanschluss sind die üblichen Anlaufströme von Klimaanlagen oder Kaffeemaschinen mit etwa 10 Ampère immer noch zu hoch, sodass die eingebauten Batterien über einen Konverter das Netz auf Campingplätzen zusätzlich unterstützen muss.

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1 Antwort zu Elektronik im Wohnmobil

  1. Stephan sagt:

    Hallo,
    der Beitrag gefällt mir wirklich gut und enthält gute Info’s !
    Ich habe auch einen Fiat Ducato – leider habe ich vor ca. einem Jahr einmal meinen Schlüssel verloren – das war ein Prozedere ! Es hat aus irgendwelchen Gründen relativ lange gedauert bis ich den „neuen“ Schlüssel bekommen hab. Also, am besten nie den Schlüssel verlegen (: !
    Liebe Grüße aus Bremen,
    Stephan

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