Militärische Befestigungswerke als Rückgrat während des 2. Weltkrieges im Bündnerland

Festungswerk Lavin

Blick aus Festungswerk Lavin - Unterengadin

Die Grenzbrigade 12 konnte während des 2. Weltkrieges im bündnerischen Raum auf insgesamt 5 Artilleriewerke, ca. 50 Infanteriesperrwerke und über 150 befestigte Einzelobjekte zurückgreifen. Dazu gehörten auch ca. 150 zur Sprengung vorbereitete Brücken, Felsgalerien und Tunnel.

Bunker und Festungswerke wurden an taktisch bedeutsamen Orten und Engnissen errichtet. Unter Ausnützung des starken Geländes war damit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Verzögerung eines gegnerischen Angriffes gewährleistet. Die nach dem Krieg aufgefundenen Angriffspläne der Bündnispartner Hitler und Mussolini machten deutlich, dass eine Bedrohung im Bündnerland echt bestanden hatte. Dass es nicht dazu kam, dürfte nicht zuletzt auf die umfassenden Verteidigungsvorbereitungen, der Kampfinfrastruktur und den Wehrwillen unseres Volkes zurückzuführen sein.

Die unversehrten Werke wurden nach dem Krieg bis 1995 in ausgezeichnetem und dauernd einsatzbereitem Zustand gehalten. Sprengobjekte waren stets geladen und die Munition in den Festungswerken alle 6 Jahre ausgewechselt und anschliessend wieder versiegelt. So hätte beispielsweise der grosse Tunnelbrand im Bereich des Südportals des Gotthard-Strassentunnels am 24. Oktober 2001 noch weit höhere Schäden verursachen können, wären die dort installierten militärischen Sprengfallen durch die Hitze ausgelöst worden.

Im Laufe der Zeit haben die im 1. oder im 2. Weltkrieg entstanden Festungswerke an Kampfwert verloren. Die moderne Kriegstechnik mit ihrer ungeheuren Waffenwirkung, den Lufttransport- und Geniemitteln machten eine ständige Überprüfung notwendig. Im Zuge der Armeereform 1995 wurde eine grundlegende Anpassung der Führungs- und Kampfinfrastruktur festgelegt. Sie sah vor, dass nebst wenigen Neubauten zur Ergänzung der vorhandenen und weiterhin nutzbaren Anlagen erstellt und zugleich viele aus dem 2. Weltkrieg stammende Anlagen liquidiert wurden.

Die Meisten der bis vor kurzer Zeit noch militärisch genutzten Objekte wurden deshalb desarmiert und stillgelegt. Sie sind Zeugen ihres einstigen operativen Stellenwertes und ihres Militärengineerings bezüglich Bauweise, technischer Einrichtung und Funktion und somit einer militärhistorischen Erinnerung wert.

Die Grenzbrigade 12 wurde Ende 1994 aufgelöst und der letzte Kommandant Brigadier Fritz Meisser mutierte zum Präsident der Militärhistorischen Stiftung Graubünden.

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