Engadin: Val Trupchun

Val Trupchun

Wenn im Herbst die Hochjagd beginnt, verziehen sich viele Wanderer in den Nationalpark. Vorzugsweise ins Val Trupchun.

In diesem Hochtal – östlich von S-chanf im Engadin – zwischen 1600 und 2000 müM sind zur Jagdzeit nicht nur die Wanderer, sondern auch die Hirsche mit ihren Kühen sicher. Sie werden weder von Hunden noch von Jägern umher getrieben. Einzig vielleicht die Touristen mit ihren überdimensionierten Fernrohren oder Teleobjektiven beäugen die scheuen Hirsche mit ihrem gewaltigen Geweih.

Ende September sind sie meistens mit ihrem gesamten Harem – Hirschkühe – unterwegs und stossen regelmässig ihre Schreie aus. Knören, Röhren, Trenzen oder Orgeln nennt sich dieser Brunftschrei je nach Erregungszustand der Hirsche.

Die weiblichen Tiere sind nur wenige Tage brunftig und werden in dieser Zeit mehrmals hintereinander beschlagen. Dabei treibt der Hirsch sie über den Brunftplatz.

Heute wollen wir dieses Schauspiel wiedereinmal live erleben. Doch vor dem Vergnügen folgt ein Marsch von ca. 2 1/2 Stunden vom Parkplatz Punt dal Fuorn auf etwa 1600 müM nach der Alp Trupchun auf 2040 müM. Auf dem mehrheitlich nördlich des Flusses Ova da Varusch liegenden Wanderweg geht es leicht aufwärts immer ostwärts dem Spektakel entgegen. Unterwegs überholt uns auf der Fahrstrasse zur Hütte Varusch ein befreundetes Ehepaar aus Holland. Hanna und Jochen sind nur eine Woche in der Schweiz und haben anscheinend das gleiche Ziel.

Bald schon kommt uns das erste Röhren eines Hirsches entgegen. Dann das Echo eines Anderen nur kurz unterbrochen vom Pfeifen eines Murmeltieres. Wir sind am Ort des Geschehens auf der Alp Trupchun.

Anfänglich können wir das Spektakel nur akustisch verfolgen, denn zur Mittagszeit liegen die Meisten träge im Unterholz. Später werden sie aktiv und treiben ihr Harem von Waldschneise zu Waldschneise. Etwas weiter oberhalb des sonnenbeschienen Südhangs und Ausläufers des Piz Fier sehen wir noch eine Gruppe Steinböcke.

Volle zwei Stunden verfolgen wir dieses Naturschauspiel bevor wir uns auf den Rückweg machen. Kurz vor Sonnenuntergang kehren wir in der Varusch-Hütte ein und löschen unseren schlimmsten Durst. Dann geht es in 3/4 Stunden zurück auf den Parkplatz wo unser Auto geduldig wartet. Die Parkzeit von Fr. 5.- oder 24 Stunden ist allerdings noch nicht abgelaufen.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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