Die Schweiz als moderner Bundesstaat seit 1848

Nach der Niederlage der konservativ-katholischen Kantone im Sonderbundskrieg von 1847 wurde die Schweiz in einen modernen Bundesstaat umgewandelt und die Autonomie der Kantone durch die Bundesverfassung von 1848 eingeschränkt. Bern wurde zum Sitz der Bundesbehörden und des Parlaments. Die Bundesverfassung wurde seither zweimal, 1874 und 1999, total revidiert.

Sonderbundskrieg von 1847

Der Sonderbundskrieg war ein Bürgerkrieg in der Schweiz. Er dauerte 1847 genau 27 Tage. Es war die letzte militärische Auseinandersetzung auf Schweizer Boden.

Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Schweiz von einer starken Welle der Industrialisierung und des Eisenbahnbaus erfasst. Gleichzeitig fand auf religiösem und kulturellem Gebiet die Konfrontation zwischen dem Liberalismus und dem Konservativismus ihre Fortsetzung im Kulturkampf. Die Integration der Katholiken in den neuen Bundesstaat erfolgte erst 1891 durch die Wahl des ersten Katholiken in den Bundesrat. Seither traten die bürgerlichen Parteien mehr oder weniger geschlossen gegen die Arbeiterbewegung an.

Im Landesstreik von 1918 kam es zur bisher schärfsten Konfrontation zwischen Arbeiterschaft und dem Bürgertum. Die Arbeiterbewegung konnte sich politisch auf nationaler Ebene erst nach der Einführung des Proporzwahlverfahrens 1919 etablieren.

Auf Initiative von Henry Dunant erfolgt 1864 in Genf die Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Während der beiden Weltkriege bewahrte die Schweiz offiziell die bewaffnete Neutralität. Während im Ersten Weltkrieg mit der «Grenzbesetzung» die Verteidigung der Landesgrenzen gegen feindliche Übergriffe im Zentrum stand, zog sich im Zweiten Weltkrieg die Schweizer Armee mit dem Aktivdienst ins Réduit zurück, um einem deutschen Angriff möglichst harten Widerstand in Gebirgsstellungen entgegenzuhalten. Der schweizerischen Bevölkerung wurde durch die behördlich geförderte Bewegung der «Geistigen Landesverteidigung» ein starker Behauptungswillen gegen den Nationalsozialismus und später gegen die kommunistische Bedrohung vermittelt.

Der Erste Weltkrieg verursachte auch in der Schweiz Elend und brachte soziale Ungerechtigkeiten. Infolge der militärischen Dienstzeit, Arbeitslosigkeit und Armut lebte 1918 ein Sechstel der Schweizer Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Es gab eine starke Teuerung – die Preise verdoppelten sich während der Kriegsjahre ohne dass die Löhne anstiegen. Und auch die eidgenössische Kriegssteuer (die heutige Bundessteuer), die eingeführt wurde, um die hohen Bundesausgaben zu finanzieren, trug das Ihre bei. Auf der anderen Seite gab es Kriegsprofiteure, die sich alles leisten konnten.

Wehrbereitschaft 1943

Die Schweiz wurde während des Zweiten Weltkrieges nicht durch eine Invasion in Mitleidenschaft gezogen. Wirtschaft, Gesellschaft und Zeitgeschehen waren jedoch stark vom Krieg betroffen, insbesondere dadurch, dass die Schweiz zeitweise vollständig von den Achsenmächten umschlossen war. Die Regierung versuchte die Neutralität und Souveränität zu wahren, ohne eine der Kriegsparteien zu brüskieren.

Nach Kriegsende beschuldigten die Siegermächte die Schweiz der Kooperation mit den Nationalsozialisten. Damals wurden unter anderem ca. 75 % der Devisen der ins Ausland gehenden Goldtransaktionen der Reichsbank über das Schweizer Bankensystem abgewickelt.

Die Armee konnte in der Schweiz bis in die 1990er-Jahre eine starke gesellschaftliche Stellung behaupten, da durch ihren Aufbau als Milizarmee eine starke Verflechtung von zivilen und militärischen Führungskadern gegeben war. Bereits in den 1970er-Jahren und verstärkt anlässlich der Armee-Abschaffungsinitiative kam es aber auch zu Spannungen zwischen Traditionalisten und Kritikern um die Rolle der Armee in der Gesellschaft. Seit dem Ende des Kalten Krieges nahm der Einfluss der Schweizer Armee auf die Zivilgesellschaft stark ab.

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