Von der Mediationsverfassung 1803 zum modernen Bundesstaat 1848

Napoleon Bonaparte 112In Wirklichkeit war die als Mediationsakte betitelte neue Verfassung für die Schweiz weitest gehend ein Diktat Napoleons. Die Verfassung gab den grössten Teil der staatlichen Kompetenzen an die 19 Kantone der neuen Eidgenossenschaft ab und eliminierte sowohl das nationale Parlament als auch die Zentralregierung. Die Tagsatzung als nichtständige Konferenz der Kantone wurde wieder eingeführt. Einzig die Aussenpolitik sollte dem Bund vorbehalten bleiben.

Zunächst einmal zählte die Schweiz zur Mediationszeit nebst den 13 Orten von 1513 sechs neue, gleichberechtigte Kantone: St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und Waadt. Zudem hielt die Mediationsakte ausdrücklich die politische und rechtliche Gleichheit aller Bürger fest. Die 19 Kantonsverfassungen bildeten den grössten Teil der Mediations-Verfassung. Nidwalden und Obwalden traten nun auch gegen aussen als selbstständige Halbkantone auf. Der Jura, Genf und Neuenburg gehörten aber nach wie vor zu Frankreich, ebenso das Wallis.

Die Abhängigkeit der Schweiz von Frankreich nahm weiter zu. Napoleon zwang die Schweiz 16’000 Soldaten für seine Armeen zu stellen und bei der Finanzierung seiner Kriege mitzuhelfen. Auf seinem Russlandfeldzug 1812 scheiterte Napoleon am russischen Winter und an Nachschubproblemen. Von 9’000 Schweizer Soldaten die nach Russland zogen überlebten nur 700. Das bekannte Beresinalied gibt ihre Stimmung wieder.

Bei allen berechtigten Vorbehalten und aller Abneigung gegenüber Diktatoren muss man Napoleon zugute halten, dass er für Frankreich und für weite Teile Europas mit dem Zivilgesetzbuch (Code Civil) von 1804 ein wesentliches Element des modernen Rechtsstaates schuf.

England, Russland, Preussen und Österreich verbündeten sich, um den grössenwahnsinnigen Napoleon in die Schranken zu weisen. Ende 1813 rückten 130’000 russische und österreichische Soldaten in die Schweiz ein. Zeitweise hatten Kaiser Alexander von Russland, Kaiser Franz von Österreich und König Friedrich Wilhelm III. von Preussen ihr Hauptquartier in Basel. Napoleon wurde besiegt und auf die Insel Elba verbannt. Nach kurzer Zeit kehrte er nochmals zurück, wurde ein 2. Mail besiegt und endgültig auf die Insel St. Helena verbannt.

Tagsatzung um 1531 bis 1799

Die Schweizer Tagsatzung beeilte sich auf die Seite der Sieger zu wechseln und hob die Mediationsverfassung von 1803 auf. Sogleich brach ein Streit über die neue Ordnung aus.

Am 21. Dezember 1813 überschritten zwischen Basel und Schaffhausen alliierte Truppen die Schweizer Grenze auf dem Durchmarsch nach Frankreich, nachdem Basel vor dem österreichischen General Karl Philipp zu Schwarzenberg kampflos kapituliert hatte. Die schweizerischen Grenztruppen zogen sich kampflos zurück. Wie zuvor die französischen Truppen hielten sich auch die alliierten durch Requisitionen und Einquartierungen auf schweizerischem Gebiet schadlos. Die Präsenz der alliierten Truppen und die Agitation des österreichischen Agenten führte in Bern am 23./24. Dezember zur Abdankung der Mediationsregierung und zur Wiedereinsetzung der vorrevolutionären Regierung. Bern rief darauf Waadt und Aargau zur sofortigen Unterwerfung auf und drohte mit der Anwendung von Waffengewalt. Die Gegenrevolution drohte damit in einen Bürgerkrieg auszuufern.

Wiener Kongress von 1815

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