Gedanken im Aufstieg zur Fourcla Val dal Botsch, 2677 müM

Fourcla Val dal Botsch 2677 müM

Trip, trap, trip, trap.
Langsam aber stetig gewinnen wir auf dem von Gewittern ausgewaschenen Weg zur Fourcla Val dal Botsch auf etwa 2100 Meter an Höhe. Haben wir letztes Jahr an dieser Stelle nicht noch Edelweisse gesehen? Die Grasnarbe ist heute nicht mehr kompakt grün sondern mit vielen Steinen durchsetzt. Die alte Beschriftung weiter unten, die auf eine markante Richtungsänderung des Weges aufmerksam macht, hängt etwa 10 Meter an einer Felswand über dem Bach. Dieser führt zwar nur mehr wenig Wasser, sodass auch der Steg darüber bei der Abzweigung auf Margunet nicht mehr notwendig ist. Dafür ist der rechtseitige Schuttkegel um etwa 10 Meter angewachsen. Ueberhaupt kennt man den Weg zwischen P7 und der Abzweigung Margunet kaum mehr. Bis vor wenigen Jahren war hier ein Rastplatz für die Parkbesucher und heute? Die Hinweistafeln mussten vom Schutt befreit werden und der halbe Rastplatz ist mit Geröll bedeckt. Keine einladende Stelle mehr zum Rasten.

Sind etwa die im Konvoi nach Livigno unterwegs fahrenden belgischen Camper schuld? Schon in Zernez fiel uns einer dieser Womo-Fahrer auf, als er – zwar mit Vortritt belastet – uns den Weg abschnitt als wir auf die Ofenpasstrasse abbiegen wollten. Ja nicht den Vordermann verpassen, denn die Schweiz ist mit einem Euro-Kurs von Fr. 1.34 viel zu teuer und das Euroland Livigno doch so nah!

Oder sind etwa die beiden spanischen Camper schuld, die auf P7 gerade ihren Schmutzwassertank auf den Parkplatz entleerten als wir dort eintrafen? Gruusig, eklig, immer wieder diese ausländischen Womo Fahrer, geht es mir durch den Kopf. Die wissen einfach nicht was sich gehört. Dabei erwische ich mich selbst dabei, dass ich vor Jahren einem Kollegen mit Womo in Korsika empfohlen habe, mangels Möglichkeiten seinen Abwassertank einfach auf einem Parkplatz zu entsorgen!

Als wir nach etwa 2 ½ Stunden auf der Fourcla Val dal Botsch sind, geniessen wir nur noch die herrliche Aussicht. Windstelle herrscht hier oben, wo doch vor wenigen Wochen ein männlicher Bär ohne Namen aber mit der Bezeichnung JJ diese Krete überschritten haben muss. Nach einem Schafriss im Tal ist er wieder verschwunden. Lebt er noch? Ist er etwa auf der Suche nach einem Weibchen wieder ausgewandert? Wir wissen es nicht.

In Richtung Süd mit Blick auf die Bernina-Gruppe kommt Bewölkung auf. Also weg von der Krete und weiter unten Rasten. Im saftigen Grün auf etwa 2400 müM liegen wir auf dem Rücken im Gras, die Schildmütze tief ins Gesicht gezogen als Heidy plötzlich ruft: Adler! Etwa einhundert Meter über uns sehe ich drei junge Adler mit ihren grauen Schwingen vorüber ziehen. Nachfolgend vier weitere Adler und – wie mir schien – bereits ausgewachsen und etwas Grösser. Also ein Familienausflug. Heidy verfolgt diese Adler mit dem Feldstecher als sie meinen Blicken Richtung Osten entschwinden.

Wir sind schon wieder unterwegs, als vermutlich die gleichen Adler mir Schatten spenden. D.h. in meinem Blickfeld sehe ich immer wieder den Schatten dieser Tiere und als ich den Kopf erhebe wird es mir beinahe schwarz vor den Augen. Die gleichen sieben Adler – nunmehr etwa 50 Meter tiefer – Kreisen sie über unseren Köpfen. Hoffentlich verwechseln sie uns nicht mit Aas? Oder wurden sie etwa von den Parkwächtern extra hierher bestellt, die mit ihren Gruppen von ca. 20 Leuten in unsere Richtung schauen und gleichzeitig auf dem Abstieg von Margunet sind?

Edelweiss-Gruppe

Eine Gruppe von Edelweiss wird noch fotografiert bevor uns wieder unser Auto auf P7 aufnimmt. Das Abwasser des Spaniers ist eingetrocknet. Nun ist alles wieder in bester Ordnung. Oder etwa doch nicht?

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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