Das Unterengadin am Beginn der Neuzeit

Geschichte Graubündes am Beginn der Neuzeit

Lage in Europa
Die Neuzeit ist eine der drei historischen Grossepochen. Sie folgt auf das europäische Mittelalter und dauert bis heute an. Der noch heute gültige Gregorianische Kalender wurde Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Reform des Julianischen Kalenders entworfen und 1582 durch Papst Gregor eingeführt. Zuletzt stellte 1926 die Türkei auf den Gregorianischen Kalender um.

Am Beginn der Neuzeit prägten technische aber auch gesellschaftliche Veränderungen das Tagesgeschehen. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um Hegemonie und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus.

Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublick Deutschland statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Nach dem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang benötigten einige vom Krieg betroffene Territorien mehr als ein Jahrhundert, um sich von dessen Folgen zu erholen. Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648.

Die Bündner Wirren
Nach Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges begannen auch hier die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich. Dabei ging es hauptsächlich um die Kontrolle der Bündner Alpenpässe, aber auch um die konfessionelle Ordnung in Graubünden. Der Konflikt drohte zeitweilig auch die Eidgenossenschaft in den Dreissigjährigen Krieg hineinzuziehen.

Cardinal Richelieu

Kardinal Richelieu in Frankreich war damals katholisch, aber dennoch unterstützte er die protestantische Seite weil sich Richelieu durch die spanisch-habsburgischen Erfolge bedroht fühlte. Am 17. Februar 1623 schloss Frankreich mit Savoyen und Venedig ein Bündnis zur Befreiung Graubündens.
Frankreich zog ein Heer in Burgund zusammen und Jürg Jenatsch und Ulysses von Salis warben mit französischem Geld unter bündnerischen Flüchtlingen sowie eidgenössischen und französischen Söldnern ein 8000 Mann starkes Heer an, das dem französischen General François-Annibal d’Estrées, Marquis de Cœuvres unterstellt wurde.

Bereits 1618 erklärte das französisch gesinnte Strafgericht von Thusis die zum katholischen Glauben übergetretenen Brüder Rudolf Planta von Zernez und Pompejus Planta von Ardez für vogelfrei. Schloss Wildenberg in Zernez wurde zerstört und Pompejus 1621 im Schloss Riedberg ermordet.

In der Zwischenzeit erreichte der Gotteshausbund und der Graue Bund den Abzug der österreichischen Truppen unter dem Grafen von Sulz gegen Bezahlung einer Kontribution. Nur der Zehngerichtebund und das Unterengadin blieben besetzt. Erzherzog Leopold V. verkündete für die reformierten Bewohner ein Ultimatum, das eine Bekehrung binnen sechs Monaten oder die Auswanderung verlangte.

Am 28. Oktober 1624 besetzte Rudolf von Salis mit einem der Bündner Regimenter die Tardisbrücke, den Luziensteig, die Landquartbrücke und den Eingang ins Prättigau und sicherte so den Zugang nach Graubünden. Nach dem Einmarsch des Gros der Truppen de Cœuvres zogen die österreichischen Besatzungstruppen kampflos ab. Die acht Gerichte im Prättigau erneuerten die Bundesbriefe und die zurückkehrenden evangelischen Pfarrer ersetzten wieder die Kapuziner. Auch das Unterengadin wurde von österreichischen Truppen verlassen. Am 7. November beschlossen die Vertreter der Drei Bünde ihre Truppen mit den eidgenössischen und französischen Kontingenten unter De Cœuvres zu vereinigen. Die Truppen dieser Allianz besetzte das Engadin und zog über die verschneiten Pässe nach Bormio, Chiavenna und Tirano, wo De Cœuvres die Verbindung über den Apricapass zum verbündeten Venedig etablierte. So gelang noch im Dezember die Rückeroberung der ehemaligen Untertanengebiete ohne dass die päpstlichen Truppen ernsthaft Widerstand geleistet hätten. Nur die Burg von Chiavenna ergab sich vorerst nicht und wurde belagert. Verstärkt mit Nachschub, Waffen und Munition zog De Cœuvres von Tirano nach Chiavenna wo die Burg nach Artilleriebeschuss am 10. März 1625 kapitulierte.

Im Februar 1627 zogen sich die Franzosen aus dem Veltlin zurück und päpstliche Truppen besetzten dieses Gebiet. Die Bündner sahen sich aber vorerst ausserstande zu reagieren. Die Erbitterung über die Franzosen führte zu einer Annäherung an Erzherzog Leopold V., mit dem sie sich 1629 auf eine Erneuerung der Erbeinigung von 1518 verständigten. Leopold anerkannte die Zugehörigkeit der acht Gerichte und des Unterengadins zu den Drei Bünden, verweigerte aber die Religionsfreiheit der unter habsburgischen Herrschaft stehenden Gerichte.

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