Molde – Trollstigen – Geiranger (140km)

Wo sind nur die gescheiten Wetterfrösche geblieben – oder sind die Gefragten alle im Tourismus tätig? Ja, ja, ich weiss man darf einfach keinen Platzwart oder Platzwartin nach dem Wetter fragen. Er hat mir sogar auf Deutsch geantwortet: Morgen ist es schönes Wetter, viel Sonne….. Er meinte wohl Sonne in flüssiger Form!

Es ist kurz vor sieben Uhr, als mich ein störender Laut auf dem Dach weckt. Nein, nicht schon wieder denke ich und höre genauer hin, aber da ist nichts zu beschönigen, Regen prasselt auf unser Womodach. Doch schon wenig später hört es wieder auf zu regnen.
Wir verlassen Molde auf der RV 64, die gleich hinter dem Campingplatz im Tunnel verschwindet, zuerst unter dem Flughafen und wenig später unter dem Fjord hindurch. Ich frage mich bei solchen Bauwerken fast automatisch, weshalb unsere gescheiten Politiker und Bauingenieure nicht schon lange einmal einen Kulturausflug nach Norwegen unternommen haben und sich dann ein bisschen von dieser Strassenbaukunst beeinflussen liessen. Dann wäre sicher der Seetunnel in Zürich längst gebaut und das „Puff“ am Bellevue und Bürkliplatz beseitigt.
Weiter geht die Strasse über eine Insel, dann folgt eine Brücke über einen Fjordarm.
In Solsneset geht es dann wieder einmal auf eine Fähre, die uns in ein paar Minuten nach Afarnes bringt.

Die schneebedeckten Berge, die wir von Molde aus als Panorama sahen, kommen näher und werden gleichzeitig höher und steiler (obwohl sie keine 2000m hoch sind). Wir umfahren einen kleinen Fjord, der wie ein Spiegel vor uns liegt, dahinter wölben sich die Trollwände in den nun fast blauen Himmel. Die Sonne kommt immer mehr zum Vorschein und lässt die Schneefelder aufblitzen. Nach Andalsnes zweigen wir links ab auf die RV63 in Richtung Trollstigen. Das bewaldete Tal ist bald einmal zu Ende und die Strasse steigt mit 10% und mehr steil den Berghang hinauf – wir haben die wohl bekannteste Strasse von Norwegen erreicht. Ein Reisecar schlängelt sich langsam den Berg hinauf und stoppt vor der Stigfoss-Brücke. Der Stigfoss donnert in mehreren spektakulären Fällen über die insgesamt 800m hohe Felswand ins Tal hinunter. Als wir hinter dem Car und mehreren Autos ankommen, wird uns klar weshalb der Car nicht weiterfährt. Von oben kommt der blaue norwegische Linienbus. Da es für Busse und Lastwagen fast keine genügend langen Ausweichstellen gibt, tut der Fahrer gut daran sich mit Blicken den Berg hinauf zu orientieren. Die Strasse ist zwar für Womos meist breit genug, doch auch hier heisst es bei den Spitzkehren gut nach oben schauen denn es hat einige davon.
Von oben haben wir ein gewaltiges Panorama in die Tiefe und auf die am Berg empor schlängelnde Strasse. Aber auch der Blick in die frisch verschneiten Berge ist phantastisch. Interessant ist einmal mehr, dass fast alle Seen über 800m noch mindestens teilweise mit Schnee und Eis bedeckt sind. Vom Aussichtpunkt fahren wir noch einige Kurven bergwärts, bis es nach der Passhöhe (900m) in langen Kurven langsam wieder auf Meereshöhe hinab geht. Hier nehmen wir die Fähre von Linge nach Eisdalen –auf der wir schon einmal in entgegen gesetzter Richtung nach Alesund waren.

Wenn wir über den Landweg von Schweden nach Dänemark fahren, war dies die 12. und gleichzeitig letzte Fähre von unserer diesjährigen Reise.
Jetzt steigt die RV63 allmählich wieder an und bald haben wir wieder eine respektable Höhe, und vor uns öffnet sich der berühmte Geirangerfjorden. Weit unten auf dem Fjord erspähen wir ein Schiff der Hurtigruten. Die Strasse geht jetzt wieder in mehreren Kehren talwärts mit einem phantastischen Blick auf den Fjord und die paar Häuser und Hotels von Geiranger. Wir richten uns erneut auf dem Campingplatz von Geiranger ein und machen gleich anschliessend eine 90-minütige Schifffahrt auf dem Fjord. Das Wetter hat sich zusehends wieder verschlechtert und der Himmel ist leider meist bewölkt. Trotzdem ist es eine eindrückliche Fahrt entlang von Felswänden, mit hohen Wasserfällen, darunter natürlich der berühmte Drei-Schwestern-Wasserfall, der von über 250m in die Tiefe rauscht. Leider stehen meist nur noch verwaiste Bauernhöfe auf kleinen Felsvorsprüngen hoch über dem Fjord. Der grösste Bauernhof wurde nach dem 1. Weltkrieg aufgegeben. Er hatte einmal über 100 Geissen, über 30 Schafe und sogar 6 Kühe. Die Kinder wurden jeweils angebunden, damit sie nicht in die Tiefe stürzten. Der Zugang war nur über Leitern möglich, die man einfach hochzog, wenn ein Steuereintreiber Geld einkassieren wollte.
Schade, dass man in Adliswil keine Leitern mehr einsetzen kann…….

Über muck

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1 Antwort zu Molde – Trollstigen – Geiranger (140km)

  1. hamba sagt:

    Liebe Mabri
    Eure Rückreise steht kurz bevor. Nehmt es gemütlich auf der über 2000km langen Fahrt zurück in die Schweiz. Auf Sonntag wird es hier gemütlich warm mit etwa 30 Grad plus werden. Hier könnt ihr so richtig wieder auftauen. Darum, Kilometer um Kilimeter, gemütlich alles Ricthung Süden. Der Glacestengel steht im Kühlschrank bereit. Viel Vergnügen wünschen

    Armin und Heidy

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