Voss – Kaupanger (98 km)

Wir fühlen uns fast ein wenig verwöhnt, denn es trommelt nicht mehr auf das Womo-Dach. Von schönem Wetter wagen wir zwar nicht zu reden, es ist nur 7 Grad und ein kühler Wind bläst über den See.

Zuerst gibt es ein normales norwegisches Frühstück: Kaffee, frisches Brot aus dem Backofen, Konfitüre, Käse, Orangensaft, gesalzener Anke (Butter existiert bei einem richtigen Zürcher nicht) und natürlich Lachs (kann in verschiedenen Versionen aus dem Kühlschrank bezogen werden)! Und natürlich ein toller Blick direkt vom Frühstückstisch über den See zum Hausberg von Voss (ich weiss noch immer nicht wie der heisst) und auf die bewaldeten Hügel rings um den Campingplatz.
Was will man mehr?

Gegen 10.00 Uhr setzen wir uns Richtung Voss (RV13) in Bewegung und biegen kurz vor Voss auf die E16, die ein Stück mit der RV13 zusammen nordwärts geht.
Nur einige Kilometer ausserhalb Voss sehen wir links den wunderschönen Tvinnefoss über schwarz-grüne Felsen tosen. Hier kann man zu Fuss ganz nah an den Wasserfall heran gehen und ihn so hautnah erleben. Man merkt jetzt, dass wir auf einer grösseren Touristenstrasse sind; die Wohnwagengespanne und Camper häufen sich auf der Strasse und bei den Sehenswürdigkeiten. Langsam aber stetig steigt die Strasse bis zum höchsten Punkt zwischen Bergen und Oslo an – wir sind auf rund 400 m ü M. Hier sehen wir einen Wegweiser mit dem bekannten Sehenswürdigkeitszeichen und halten auf eine kleine Strasse zu, die uns zum Stalheim-Hotel führt. Wir haben gelesen, dass hier die alte, nur einspurige, steile Strasse nach Gudvangen zum Naeroyfjorden führt.

Tatsächlich haben wir die alte E16 vor uns, (die neue E16 führt in einer grossen neuen Tunnelstrecke zum Tale) die mit sage und schreibe 18% Gefälle zum Talboden führt. Sollen wir oder sollen wir doch nicht – was erwartet uns auf der nur 1,6 km langen, supersteilen Abschussrampe?

Wir muten es unserem Womo zu und fahren, natürlich im 1. Gang dem Tale zu. Vor uns neigt sie sich und sie neigt sich noch immer – vor uns direkt der Talgrund. Eine schmale Kurve nach der anderen, immer mit Blick zum Tal – supergeil, ein anderer Ausdruck gibt es fast nicht. Ein letzter Blick zurück, fast unglaublich auf einem so kurzen Stück so viele Höhenmeter zu überwinden.

In Gudvangen sehen wir uns den regen Fährbetrieb mit den vielen Touristen an. Jetzt sind sie plötzlich alle da, die Chinesen, Japaner, Spanier, Amerikaner und wie sie auch alle heissen. In rauen Mengen schupsen sie sich gegenseitig in den Souvenirläden und auf die wartenden Schiffe. Wir entfliehen diesem Massentourismus und fahren weiter durch den ersten langen Tunnel nach Flam. Auch hier dasselbe Bild – Touristenströme von der Bahn zum Schiff und umgekehrt. Wir waren im letzten September fast die einzigen Touris hier unten und jetzt ist es voll davon. Wie wird das wohl erst in den grossen Reisemonaten Juli und August aussehen??

Weiter folgen wir der E16 durch den längsten Autotunnel der Welt dem 25km langen Laerdaltunnelen. Der Tunnel ist jeweils bei Kilometer 6, 12,5 und 18 mit einer grossen Halle versehen, die in bläuliches Licht mit gelb beleuchteten Wänden getaucht ist – ein Hit!
In Laerdalen machen wir einen Abstecher zur Stabkirche von Borgund. Sie gilt als eine der schönsten und ältesten Stavskirken von Norwegen und sie hält, was sie verspricht. Leider ist ein Teil der Kirche mit einem Gerüst versehen – die Dachholzschindeln müssen teilweise ersetzt werden.

Stabskirche von Borgund - Norwegen

Nun geht es wieder zurück nach Laerdal und diesmal nehmen wir wieder ein Stück der alten E16 unter die Räder. Während die neue Strasse wieder in langen Tunnels verschwindet, schlängelt sich die alte Strasse dem Fluss entlang, der links von uns in teilweise spektakulären Kaskaden dem Meer zufliesst. Das Gamel Laerdal (Altstadt) ist bei uns ein weiterer Stopp wert und wir fühlen uns beim Spaziergang in das vorletzte Jahrhundert zurück versetzt.Wir befinden uns nun auf der RV5 und setzen bei Fodnes mit der Fähre über den Sognefjorden. Der Sognefjorden streckt seine Meeresarme über 200km in das Land hinein und ist somit der längste Fjord der Welt.

Jetzt sind wir in Kaupanger auf einem ganz, ganz einfachen Selfservice-Campingplatz. Das geht so: An einem Posten neben der Strasse ist in einer Klarsichtmappe 1 Couvert mit 2 Anmeldungszettel. Der eine ausgefüllte Zettel steckt man mit 100 Kronen in das Couvert, der andere kommt hinter die Windschutzscheibe. Man sucht sich einen Platz und kann so auf einem begrenzten Landstück übernachten. Bänke, WC und kaltes Wasser ist vorhanden, am Bach oder im Fjord kann man gratis fischen, auf andere Luxusartikel wie Strom, Dusche oder Heisswasser muss verzichtet werden. Da auch dieser Platz natürlich über keinen Internetanschluss verfügt, muss auf meine Berichte ein weiterer Tag gewartet werden. (Odda, Voss (hier hat man zwar gesagt Internet wäre vorhanden, aber da ging nix!) und nun hier hatten leider keinen Empfang)

Das Wetter hat sich zusehends gebessert, wir hatten sogar blauen Himmel mit etwas Sonne, und auf morgen soll es sogar richtig schön werden. Nein, sorry kein Platzwart – ist ja keiner vorhanden – wir haben den Mann hinter dem Office im Touri-Büro gefragt und der muss es doch wissen……

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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