Turbokapitalismus schwängert das Feudalsystem Schweiz

Die Finanzmarktaufsicht stellte zwar schwere Mängel bei der UBS im Zusammenhang mit der Auflösung eines Hedgefonds fest, doch weil die Verantwortlichen die Bank bereits verlassen hätten, sei gegen sie nichts unternommen worden.

Die verantwortlichen Fondsmanager erhielten im Schnitt 25 Mllionen Franken Abfindungen während dem die Bank-Aktionäre damit 7 Milliarden Verlust einstreichen mussten. Schliesslich rettete der Steuerzahler mit dutzenden von Milliarden Franken die UBS und die ach so unersetzlichen Fonds-Mitarbeiter lösten sich in Luft auf.

Jean-Pierre Roth hat zwar die schweren Mängel gesehen und nicht nur früh seinen Rücktrittsentscheid auf Ende 2009 angekündigt, sondern er hat seine Pensionierung 63-jährig auch um mehr als ein Jahr vorgezogen.

Doch Jean-Pierre denkt nicht an seinen Ruhestand. Er will gleich bei vier bekannten Unternehmen in den Verwaltungsrat und damit Kasse machen. Bei Swatch Group, Nestlé und Swiss Re. Bei der Genfer Kantonalbank soll Roth Mitte Jahr das Präsidium übernehmen. Mit den Mandaten verdient Roth etwa 1,5 Millionen Franken pro Jahr, zusätzlich zu seiner Pension. Weil sich der frühere Chef der Nationalbank gerademal 1/2 Jahr Zeit nahm keiner anderen Bank zu dienen erhielt er dafür eine Art Abgeltung vom Bund.

Wer nun von der Finma unter Dr. Philipp Hildebrand glaubt, dass die notwendige Bankenregulierung rasch voranschreitet irrt wahrscheinlich, denn die NFSS (Neues Feudalsystem Schweiz) ist geschwängert. Im Jahre 2011 wird das Schweizer Volk die Quittung sehen können.

Literatur Hinweise:
Elmar Altvater, Frigga Haug, Oskar Negt u.a.: Turbokapitalismus. Gesellschaft im Übergang ins 21. Jahrhundert. VSA-Verlag, Hamburg 1997
Perry Anderson: Von der Antike zum Feudalismus. Spuren der Übergangsgesellschaft („Passages from antiquity to feudalism“). Suhrkamp, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-518-10922-7.

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