Woche 6: Hanstholm – Hamburg – Frankfurt – Basel – Winterberg

Wegweiser in Island

Wegweiser im isländischen Hochland

Im Auto noch schnell die neuste Teleatlas-Karte „Major Route Europa“ geladen und sofort zeigt das Gerät, dass wir nach 1367 km Fahrt um 21.37 Uhr zu Hause seien. Nur.. vom Essen und Trinken steht hier nichts und dass der Fahrer und die Beifahrerin Beine zum Bewegen haben auch nichts. Gemütlich geht es also mit etwa 90 km/h über Land der ersten Autobahn auf dänischem Boden entgegen. Die ersten drei Stunden sind wie im Flug vorbei und da kommt wie gerufen der erste Stau auf der Autobahn. Auf einem Rastplatz wird dann halt aus der „Bordküche“ so richtig gefrühstückt.

Der nächste Stau im Elbetunnel zu Hamburg und drei weitere Stunden später sind wir auf der Rennstrecke „HAFRABA“. Hamburg – Frankfurt – Basel. Meistens sechsspuriger Beton und wehe dem, welcher sich getraut mit 130 km/h auf der äussersten linken Fahrspur voranzukommen, weil die übrigen von langsam fahrenden Lastwagen belegt sind. Er wird gnadenlos von Audi’s, Porsche’s oder Mercedes weggepustet. Entweder mit Lichtorgeln oder dann mit einem Hupkonzert die lauter sind als das Nebelhorn der Norröna. Für diese Fahrer ist es eben schon demütigend, nicht mit 200 km/h oder mehr über die Autobahn blochen zu können, wenn ihre Bank sie vorgängig mit einem Kredit ausgestattet hat, den morgen dann das Sozialamt bezahlen muss.

Etwa 100 km nördlich von Frankfurt bei Kirchheim – Gershausen finden wir den kleinen Ort mit einer gemütlichen Beiz. Hier ist nicht nur Frank – der Beizer – seit über 100 Jahren in Familienbesitz sondern auch das stattliche Anwesen. Bei den Einheimischen scheint es viele Bürgermeister zu geben, denn der Wortführer ist genau einer von denen, wie sie in den satirischen Fernsehsendungen des SWR vorkommen. Heute Abend schwirren viele Schwalben rund um’s Haus. War das vor 100 Jahren auch schon so? Von unserem Rumpsteack mit Kroketten und Salat für Euro 9.50 kriegen sie allerdings nichts.

Gegen abend neun Uhr erneut unterwegs. Frisch gestärkt und wenig Verkehr geht es Richtung Frankfurt. Die Höchstgeschwindigkeit ist hier auf 120 km/h beschränkt. Seit heute abend weiss ich aber auch mit Bestimmtheit, dass dies pro Person gilt. Ich würde meinen, die startenden Flugzeuge über der Autobahn in Frankfurt sind langsamer als die Porsche, Audi’s usw. Uebrigens, wussten sie, dass das linke Verkehrsschild Höchstgeschwindigkeit 120 km/h auf deutschen Autobahnen für den Fahrer gilt und das Rechte für den Beifahrer?

Immer wieder will uns die Navigation auf eine andere Autobahn weisen. Nur wir wollen nicht und bleiben stur auf der HAFRABA. Dafür nimmt die Ankunftszeit in Winterberg stetig zu. Neu sind wir schon bei Mitternacht angelangt und auch die verbleibende Distanz will einfach nicht abnehmen. Als wir etwa auf der Höhe Koblenz sind und auch hier die Navigation immer noch Richtung Stuttgart will, merken wir das Malheur. Ankunftszeit nach Mitternacht und Distanz über 1400 km. Aber Basel ist doch immer einen Umweg Wert, sagen wir uns und steuern das nächste Rasthaus an. ADAC Mitglieder erhalten hier 10 % Ermässigung zwischen 18 und 24 Uhr. Nun, wir sind zwar im Moment die einzigen Mitglieder, sehen aber die Schilder erst nach dem wir den Cappucino getrunken haben. Danke Cappucino, du hast uns die Augen geöffnet!

Nicht einmal der einzige Basler Zollbeamte, welcher um 01.00 Uhr nicht mit Arbeit überlastet ist will etwa von uns. Frustrierend. Dabei haben wir doch Pass und ID bis nach Island mitgenommen und durften kein einziges Mal unsere echten CH-Papiere zeigen. Gefälschte hätten also durchaus gereicht. Danach war es nur noch einen Katzensprung von Baustelle zu Baustelle am Belchen, am Gubrist und, und dann sind wir zu Hause. Genau 02.03 Uhr zeigt unsere Navigation nach 1431 km an. Wir haben es geschafft. Ohne Unfall. Ein Dankeschön geht an den da oben und ein weiteres Dankeschön an unseren zuverlässigen Mercedes ML 270D.

Über muck

Senior Projektleiter mit Freude am Sport
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1 Antwort zu Woche 6: Hanstholm – Hamburg – Frankfurt – Basel – Winterberg

  1. Thera sagt:

    Liebe Heidy, lieber Armin!
    So, entlich zuhause! Und auch noch ohne Unfall! Aber … weiss einer Polizist nicht das man in einer Tag nicht zu lange und so weit fahren soll???? Dass immer ganz nahe Heim den meisten Unfälle passieren? Pfui!
    Aber … seit ihr froh wieder Heim zu sein, oder …?
    Ich höre bald sicher etwas von Euch. Und wann geht es wieder nach Zernez?
    Viel „spass“ beim ausräumen und wieder in die Hitze zu sein!
    Liebe grüsse, auch von Eb, bei 30 grad Hitze in Holland!
    thera

    Liebe Thera
    Zuerst wollten wir auch gar nicht an einem Stück nach Hause fahren. Spätesten nach 3 Stunden machten wir auch regelmässige Pausen. Nach jeder Pause fühlten wir uns wieder frisch genug um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Zudem herrschte geringer Verkehr und ein herrlicher Vollmond zeigte uns den Weg. Wir wissen, man darf sich nie überschätzen, aber verantwortungsvoll weiterfahren schon. Im weiteren haben wir in den vergangenen 6 Wochen etwa 6000 km abgespult. Mehrheitlich mit Gegenverkehr. Fahrpraxis gepaart mit Routine ist also vorhanden. Es war aber auch für uns ein Ausnahmefall. Uebrigens der Gedanke an einen Unfall war stets dabei und erhöhte bei mir noch die Aufmerksamkeit.
    Gute Besserung an Ep und
    liebe Grüsse nach Holland senden
    Armin und Heidy

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