Finanzkrise in Island – wo steht die Schweiz?

In den vergangenen Wochen sind Befürchtungen wach geworden, der dünn bevölkerte Staat Island könnte als erstes Land Europas zum Opfer der Hypotheken- und Kreditkrise werden. In einer Notmassnahme musste zuletzt die Notenbank Islands tätig werden: Sie hob den Leitzins auf erstaunliche 15 Prozent an, um die isändische Krone zu unterstützen, die seit Monaten gegenüber anderen europäischen Währungen an Wert verliert. Die Inflation liegt weit oberhalb ihres Sollwerts von 2,5 Prozent und könnte sogar zweistellig werden. Wie krank ist der isländische Patient?

Hintergrund: Seit dem EWR-Beitritt strömt Kapital ins Land; Energie ist in Kontinentaleuropa ein knappes und vor allem teures Gut. Island stellt hier seinen Wasserreichtum und die Geothermie entgegen, was etwa zum Bau zweier riesiger Aluminiumschmelzen führte. Sind beide fertig gestellt, erhöht allein dies das BIP des kleinen Islands um mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig gibt es auf der Insel einen Arbeitskräftemangel (1,9 Prozent Arbeitslosenquote), was sich in hohen Lohnsteigerungen und einer ebensolchen Inflation niederschlägt (6,79 Prozent im Februar, weit über dem Ziel von 2,5 Prozent).

Gleich wie in der Schweiz sind in Island die Banken viel zu gross geworden. Vor 10 Jahren hielten sich Staat und Banken etwa die Waage. Heute sind sie etwa 10 mal so gross wie der Staat. Sie haben sich in den vergangenen Jahren mit billigem Geld nach oben katapultiert und leiden heute unter der Finanzkrise wie kein zweites Land. In der Schweiz hat die UBS in einem Jahr etwa soviel Geld vernichtet wie der Staat ausgibt. Und das ist noch nicht das Ende. Es ist höchste Zeit dass die EBK endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und die notwendigen Massnahmen für die Zukunft jetzt einleitet bevor es vielleicht zu spät ist.

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