Bahnhoferneuerung Zernez

September 2nd, 2010

Situationsskizze Bahnhof Zernez

An der Bahnlinie Bever – Scuol/Schuls der Rhätischen Bahn im Unterengadin liegt der zweitwichtigste Bahnhof Zernez. Mit Baubeginn am 31. Mai 2010 sind Erneuerung respektive Ersatz der gesamten bahntechnischen Anlagen sowie ein Umbau des Bahnhofgebäudes vorgesehen. Beim Umbau der Gleisanlagen werden die Perrons erhöht und damit behindertengerecht ausgestattet. Die Kreuzungsgeleise werden auf Seite Susch verlängert. Es wird eine zweigleisige, schienenfreie Anlage mit Bahnhofs- und Mittelperron erstellt.

Für den wintersicheren Zugang zu den Zügen werden der Bahnhofs- und der Mittelperron überdacht. Die Perrons werden mit einer Personenunterführung mit Treppen und Rampen erschlossen.

Der Güterumschlag findet neu vollumfänglich auf der Innseite statt. Die Anlagen zum Güterumschlag werden den Gegebenheiten angepasst und mit einem 40 Tonnen Kran versehen. Diese Arbeiten sollten noch im Jahre 2010 beendet sein.

Die neue fernsteuerbare Sicherungsanlage wird in Zukunft die sichere und effiziente Betriebsabwicklung des Reise- und Güterverkehrs wesentlich erleichtern.

Damit ein direkter Umstieg vom Zug auf die Postautos möglich ist, wird eine neue Zufahrt für die Postautos erstellt.

Die Tiefbauarbeiten auf der Dorfseite, der Neubau des Perrondachs sowie die neue Postautozufahrt wird im April/Mai 2011 in Angriff genommen. Das gesamte Bauprogramm sollte mit der Inbetriebnahme der neuen Sicherungsanlage am 11.11.2011 abgeschlossen sein.

  • Projektorganisation Gleis- und Perronanlagen
    Bauherrschaft                      Rhätische Bahn AG
    Oberbauleitung                    Rhätische Bahn AG, Infrastruktur
    Projektverfasser Gleis-/Perronanlagen – Fanzun AG, Chur
                                             Schneider Ingenieure AG, Chur
    Projektverfasser Niedersp/Kabel – A. Gisler, Chur
    Baumeisterarbeiten            ARGE: Foffa + Conrad SA,
                                             Zernez
                                            Lazzarini AG, Samedan
                                            Implenia Bau AG, Zernez
    Schottergleis und Fahrleitungsbau – Rhätische Bahn
    AG, Infrastruktur
  • Technische Daten
    Perronlänge Gleis 1                         300 Meter
    Perronlänge Gleis 2                         250 Meter
    Länge Perrondach                             77 Meter
    Nutzlänge Kreuzungsgleis                300 Meter
    Anzahl Weichen                                  8

Die Gesamtkosten für den Umbau sind mit 21.5 Millionen Franken veranschlagt.

Aufnahmedatum sämtlicher Bilder: Freitag, 3. September 2010

 

Von der Mediationsverfassung 1803 zum modernen Bundesstaat 1848

August 28th, 2010

Napoleon Bonaparte 112In Wirklichkeit war die als Mediationsakte betitelte neue Verfassung für die Schweiz weitest gehend ein Diktat Napoleons. Die Verfassung gab den grössten Teil der staatlichen Kompetenzen an die 19 Kantone der neuen Eidgenossenschaft ab und eliminierte sowohl das nationale Parlament als auch die Zentralregierung. Die Tagsatzung als nichtständige Konferenz der Kantone wurde wieder eingeführt. Einzig die Aussenpolitik sollte dem Bund vorbehalten bleiben.

Zunächst einmal zählte die Schweiz zur Mediationszeit nebst den 13 Orten von 1513 sechs neue, gleichberechtigte Kantone: St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und Waadt. Zudem hielt die Mediationsakte ausdrücklich die politische und rechtliche Gleichheit aller Bürger fest. Die 19 Kantonsverfassungen bildeten den grössten Teil der Mediations-Verfassung. Nidwalden und Obwalden traten nun auch gegen aussen als selbstständige Halbkantone auf. Der Jura, Genf und Neuenburg gehörten aber nach wie vor zu Frankreich, ebenso das Wallis.

Die Abhängigkeit der Schweiz von Frankreich nahm weiter zu. Napoleon zwang die Schweiz 16’000 Soldaten für seine Armeen zu stellen und bei der Finanzierung seiner Kriege mitzuhelfen. Auf seinem Russlandfeldzug 1812 scheiterte Napoleon am russischen Winter und an Nachschubproblemen. Von 9’000 Schweizer Soldaten die nach Russland zogen überlebten nur 700. Das bekannte Beresinalied gibt ihre Stimmung wieder.

Bei allen berechtigten Vorbehalten und aller Abneigung gegenüber Diktatoren muss man Napoleon zugute halten, dass er für Frankreich und für weite Teile Europas mit dem Zivilgesetzbuch (Code Civil) von 1804 ein wesentliches Element des modernen Rechtsstaates schuf.

England, Russland, Preussen und Österreich verbündeten sich, um den grössenwahnsinnigen Napoleon in die Schranken zu weisen. Ende 1813 rückten 130’000 russische und österreichische Soldaten in die Schweiz ein. Zeitweise hatten Kaiser Alexander von Russland, Kaiser Franz von Österreich und König Friedrich Wilhelm III. von Preussen ihr Hauptquartier in Basel. Napoleon wurde besiegt und auf die Insel Elba verbannt. Nach kurzer Zeit kehrte er nochmals zurück, wurde ein 2. Mail besiegt und endgültig auf die Insel St. Helena verbannt.

Tagsatzung um 1531 bis 1799

Die Schweizer Tagsatzung beeilte sich auf die Seite der Sieger zu wechseln und hob die Mediationsverfassung von 1803 auf. Sogleich brach ein Streit über die neue Ordnung aus.

Am 21. Dezember 1813 überschritten zwischen Basel und Schaffhausen alliierte Truppen die Schweizer Grenze auf dem Durchmarsch nach Frankreich, nachdem Basel vor dem österreichischen General Karl Philipp zu Schwarzenberg kampflos kapituliert hatte. Die schweizerischen Grenztruppen zogen sich kampflos zurück. Wie zuvor die französischen Truppen hielten sich auch die alliierten durch Requisitionen und Einquartierungen auf schweizerischem Gebiet schadlos. Die Präsenz der alliierten Truppen und die Agitation des österreichischen Agenten führte in Bern am 23./24. Dezember zur Abdankung der Mediationsregierung und zur Wiedereinsetzung der vorrevolutionären Regierung. Bern rief darauf Waadt und Aargau zur sofortigen Unterwerfung auf und drohte mit der Anwendung von Waffengewalt. Die Gegenrevolution drohte damit in einen Bürgerkrieg auszuufern.

Wiener Kongress von 1815

Der Preis für das Überleben der Schweiz als Kleinstaat war auf dem Wiener Kongress die Verpflichtung zur Neutralität. In einer besonderen Erklärung garantierten die Siegermächte die immerwährende Neutralität der Schweiz.

Damit war einerseits das Versprechen verbunden, die Schweiz nicht anzugreifen, andererseits aber auch die Verpflichtung der Schweiz ihrerseits keine militärischen Bündnisse mehr einzugehen und den Durchzug fremder Truppen durch ihr Gebiet zu verhindern. Diese Rolle ist die Schweiz seither mehr oder weniger gewissenhaft nachgekommen und die Neutralität ist zu einem tief verinnerlichten Prinzip geworden.

Die Tagsatzung liess 1833 eine gemässigt liberale Bundesverfassung ausarbeiten. Sie sah eine Tagsatzung mit 44 Mitgliedern, einen fünfköpfigen Bundesrat und ein Bundesgericht vor. Die Machtbefugnisse des Bundes wären wesentlich geringer als bei der späteren, im Kern noch heute gültigen Verfassung von 1848 gewesen. Insbesondere fehlte ein Nationalrat, der nach der Bevölkerungszahl zusammengesetzt den grossen Kantonen mehr Gewicht als den kleinen Kantonen der Zentralschweiz gibt. Luzern war als Sitz der Bundesverwaltung vorgesehen und hätte damit zusätzlichen Zentralschweizer Einfluss geltend machen können. Der Entwurf ging den Konservativen zu weit, den Liberalen dagegen nicht weit genug. Für den Entwurf sprachen sich nur ZH, GL, FR, SH, SG, GR, GE, SO, BL und TG aus, die grossen reformierten Kantone BE und BS lehnten sie ebenso ab wie die Zentralschweiz, während die mehrheitlich katholischen Kantone FR und SO bei den Befürwortern zu finden waren.

Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest 2010 in Frauenfeld

August 22nd, 2010

Der junge Schweizer König Kilian Wenger gibt sich überaus zurückhaltend. Doch wenn es ums Geld geht, hat er eine klare Meinung.

“Den Muni werde ich zurückgeben und das Geld nehmen”
Kilian Wenger (Horboden) gewinnt gegen Martin Grab (Rothenthurm) nach 12:56 Minuten mit Hüfter.

Tagesschau vom 22.08.2010

Das unabhängige Rätien und die Schweiz im Zeitalter der Französischen Revolution um 1800

August 15th, 2010

Soziale Situation in Rätien und der Alten Eidgenossenschaft

Tagsatzung um 1531 bis 1799

In weiten Teilen des unabhängigen Rätiens und der Eidgenossenschaft waren die einfachen Landleute von der politischen Mitbestimmung ausgeschlossen. Sie durften kein Gewerbe betreiben das die städtischen Zünfte konkurrenziert hätte. Die Bauern waren nach wie vor Leibeigene der gnädigen Herren und es herrschte immer noch eine Feudalgesellschaft. Sie wurden mitsamt dem Hof den sie bewirtschafteten wie Vieh und Fahrhabe gehandelt, mussten Frondienste verrichten und wurden von verhassten Landvögten hochmütig behandelt und schikaniert – ziemlich genau so, wie sie es seit der Gründungszeit der Eidgenossenschaft den habsburgischen Vögten vorwarfen! Es erstaunt denn auch nicht, dass es zu Aufständen kam und dass die unterdrückte Landbevölkerung sich dabei – wie schon im Bauernkrieg von 1653 – auch auf den Freiheitshelden Wilhelm Tell berief.

Ganze Bevölkerungsteile waren unzufrieden und so sind 1719 bis 1722 der Aufstand von Werdenberg gegen Glarus und 1755 derjenige der Leventina gegen Uri zu verzeichnen.

Lediglich im Toggenburg konnten sich die Bürger einige neue Rechte erkämpfen. Aber schon 1782 erzwang eine Truppe von 11’000 französischen, bernischen und piemontesischen Soldaten die Wiederherstellung (Restauration) der alten Adelsherrschaft.

Die Aufklärung
In der Folge kamen im 18. Jahrhundert immer mehr Persönlichkeiten aus dem Kreise der herrschenden Familien zu neuen politischen Vorstellungen. Zürich wurde ein Zentrum der deutschsprachigen Aufklärungsliteratur mit Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger. Schliesslich kam es 1761 zur Gründung der Helvetischen Gesellschaft. Die Gründer Isaak Iselin aus Basel, Salomon Hirzel, Salomon Gessner und Johann Heinrich Schinz aus Zürich trafen sich von nun an jährlich in Bad Schinznach um gemeinsam Geschichte und Zukunft der Schweiz zu diskutieren. In seiner Präsidentenansprache von 1777 forderte Johann Georg Stokar aus Schaffhausen ultimativ einen zentralistischen schweizerischen Einheitsstaat und gleiche Rechte für alle Bürger der Schweiz.

Es folgten weitere Forderungen, wie beispielsweise 1790 die Aufhebung der Leibeigenschaft in Basel und Hallau oder die Verweigerung des Zehnten 1793 in Gossau SG (Zall nünt, du bist nünt scholdig). 1794 erhoben sich auch die Bauern im noch immer selbständigen Rätien gegen Herrschaft, Kirche und Feudalherren.

Einfluss der Französischen Revolution
1797 verlangte die Landbevölkerung des Baselbiets – unterstützt von liberalen Politikern aus der Stadt – Freiheit und Gleichheit. Der Rat zögerte zunächst. Nun drohten die Revolutionäre offen mit einer französischen Intervention, steckten die Schlösser Waldenburg, Farnsburg und Homburg in Brand und zogen bewaffnet gegen Basel.

Die 1. Helvetische Republik von 1798 bis 1803
Nach dem Rücktritt des konservativen Bürgermeisters Andreas Merian war der zögerliche Rat endlich bereit, die berechtigten Forderungen der Landbevölkerung ohne Blutvergiessen zu erfüllen. Man führte eine Vereinigungsfeier durch. Peter Ochs reiste nach Paris um dort an einer Helvetischen Verfassung für die ganze Schweiz zu arbeiten. 121 Abgeordnete aus den Kantonen Aargau, Basel, Bern, Fribourg, Léman, Luzern, Berner-Oberland, Schaffhausen, Solothurn und Zürich versammelten sich am 12. April 1798 in Aarau um die Helvetische Republik auszurufen und ihre neue Verfassung formell zu beschliessen.

Frankreich hatte Genf, Neuenburg, Biel, den Jura und Mulhouse annektiert. Das Veltlin, Bormio und Chiavenna hatten sich von der Bündner Herrschaft schon im Juni 1797 losgesagt und sich der Cisalpinischen Republik angeschlossen. Die Verfassung der Helvetischen Republik war derjenigen der Französischen Republik sehr ähnlich, mit einem Parlament (zwei Kammern), einer zentralen Regierung (Direktorium) und einem obersten Gericht. Die föderalistische Struktur der Schweiz wurde völlig eliminiert. Äusseres Zeichen der Anlehnung an das französische Vorbild war die Einführung einer Trikolore [dreifarbige Flagge] in den Farben grün-rot-gold.

Helvetische Republik 1799

Die Urschweiz war bei der Gründung nicht dabei und lehnte die Helvetische Republik ab. Man wollte sich die neue Verfassung und den zentralistischen Einheitsstaat nicht von den Franzosen aufzwingen lassen. Die Revolutionäre aber versuchten die neue Ordnung mit Hilfe von französischen Truppen durchzusetzen, Uri, Glarus und Schwyz nahmen die Helvetische Verfassung vom 28. 3. 1798 erst an, als die Franzosen in grosser Überzahl anrückten und sie keine Hilfe fanden. Nidwalden wehrte sich bis zuletzt. Stans wurde erobert und ging in Flammen auf. Viele Kinder wurden zu Waisen. Die helvetische Regierung errichtete in einem ehemaligen Kloster ein Waisenhaus unter Leitung des berühmten Erziehers Johann Heinrich Pestalozzi, der zum Vater der allgemeinen Volksschulbildung in der Schweiz wurde.

1798 schlossen die Drei Bünde ein Militärbündnis mit Oesterreich. Frankreich betrachtete dies als Neutralitätsbruch.

Im März 1799 marschierten französische Truppen in der Surselva und im Unterengadin ein wobei es zu heftigen Kämpfen kam. Der Aufstand im Mai 1799 gipfelte in der Niederlage von 6’000 Oberländern in der Schlacht von Reichenau. In diesem und weiteren Gefechten fielen auch 638 Einheimische. Die Dörfer Tamins und Disentis wurden von den französischen Soldaten in Schutt und Asche gelegt. Sie rächten sich blutig an der Zivilbevölkerung für Massaker, welche die Bündner an französischen Gefangenen verübt hatten. Während dieser Geschehnisse erlangte Anna Maria Bühler heldenhafte Berühmtheit als „Kanonenmaid von Ems“. Beim Rückzug durch ihr Dorf griff sie in die Zügel der Pferde welche ein französiches Geschütz zogen, so dass die Bauern die Kanone erobern konnten.

Löwenapotheke in Steyr

Der Waffenstillstand zwischen Österreich und Frankreich, dem der Friede von Lunéville folgte, wurde am 25. Dezember 1800 in Steyr in der heutigen Löwenapotheke unterzeichnet. Der Krieg endete mit dem Frieden von Lunéville. Österreich musste Graubünden-Rätien räumen. Das Gebiet der “Drei Bünde” wurde als Kanton Rätien in die Helvetische Republik integriert.

Um sich gegen die reaktionären Kräfte (vor allem aus Österreich-Ungarn) zu schützen, schloss das Direktorium der Helvetischen Republik mit Frankreich ein Militärbündnis ab. In Wirklichkeit wurde die Helvetische Republik aber durch das Bündnis in die Napoleonischen Kriege hinein gezogen und zum Kriegschauplatz fremden Mächte.

Besetzung durch fremde Truppen
Der französische General Napoleon Bonaparte hatte Italien im 1. Koalitionskrieg (1792-1797) gegen die Koalition von England, Österreich, Spanien und Deutschland erobert und 1797 die Cisalpinische Republik in Norditalien gegründet, der sich u.a. die Bündner Untertanengebiete (Veltlin und Bormio) anschlossen. 1799 putschte sich Napoleon mit einem Staatsstreich in Frankreich an die Macht.
Im 2. Koalitionskrieg (1799-1802) zwischen Frankreich und den Gegnern England, Österreich, Russland wurden Süddeutschland und Norditalien und – seit Jahrhunderten nicht mehr gekannt – die Schweiz zu Hauptkriegsschauplätzen. Die Österreicher gewannen eine erste Schlacht bei Zürich, die Franzosen dagegen die zweite, während der russische General Suworow eine Armee von 25’000 Soldaten von Italien über die verschneiten Alpen heranführte und schliesslich doch zu spät kam. Bei der Überquerung des Gotthardpasses, des Kinzigkulm, des Pragel-Passes und des Panixerpasses starben insgesamt etwa 10’000 Mann. In der gegen die Helvetische Republik eingestellten Zentralschweiz wird daher die Erinnerung an General Suworow bis heute hoch gehalten.

Trikolore 1. Helvetische Rupublik

Die französische und die helvetische Republik gewannen zwar den zweiten Koalitionskrieg von 1799, aber sie verloren den Frieden. Die Helvetische Republick brachte die Abschaffung der Leibeigenschaft und der politischen Untertanenverhältnisse, es wurde auch nach dem Vorbild des französischen “code penal” ein einheitliches Strafgesetzbuch in Kraft gesetzt, das zahlreiche mittelalterliche Rechtsvorschriften ablöste und unter anderem endlich die Folter abschaffte. Die Volksschulbildung wurde stark verbessert – voll wirksam wurde diese allerdings erst über mehrere Generationen von Schülern hinweg, so dass die Voraussetzungen für eine moderne Demokratie eigentlich erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts richtig geschaffen wurden. Eingeführt wurde auch (ein erstes Mal) der Schweizer Franken, der als Einheitswährung einen grossen Münzwirrwarr ablöste.

Ende der 1. Helvetischen Republik 1803
Frankreich wurde eine Militärdiktatur des Generals Napoleon Bonaparte, die Helvetische Republik erlebte mindestens vier Staatsstreiche zwischen 1800 und 1802 und ging im inneren Chaos unter. Als Napoleon die französischen Truppen im Juli 1802 aus der Schweiz abzog, sahen die Föderalisten ihre Zeit gekommen: Am 1. August 1802 versammelten sich die Landleute von Schwyz, Nidwalden und Obwalden zur althergebrachten Landsgemeinde. Appenzell, Glarus und Graubünden stellten ebenfalls ihre alten kantonalen Institutionen wieder her. Selbst die Stadt Zürich stellte sich gegen die Helvetische Regierung. Vertreter des Ancien Regime kehrten aus dem ausländischen Exil zurück und führten mit Stecken und Werkzeugen behelfsmässig bewaffnete Bauern gegen die helvetischen Truppen in einen Bürgerkrieg (“Stecklikrieg”). Sie erobertern den Aargau und Bern und kamen bis Payerne.

Bergtour zum Davoser Schwarzhorn – 3147 müM

August 10th, 2010

Heute Dienstag soll es noch am Morgen sonnig zu sein. Gewitter sind erst für den späteren Nachmittag prognostiziert. Auf Wetterfrosch Bucheli kann man sich zwar nicht immer, aber immer öfters verlassen.

Die Uhr hat noch nicht neun geschlagen, als wir bereits unterwegs von der Flüela-Passtrasse bei Punkt 2332 Richtung Schwarzhorn losmarschieren. Zügig geht es Richtung Schwarzkopf welchen wir in östlicher Richtung am Fuss streifen. Bereits kommt uns eine junge Frau entgegen, offenbar bereits auf dem Abstieg vom Schwarzhorn. Sie sei mit ihrem Hund um 0530 Uhr aufgebrochen und habe auf dem Gipfel noch den Sonnenaufgang miterlebt. Überhaupt habe sie heute Morgen schon viele „Viecher“ (Tiere) gesehen, welche alle schon munter gewesen seien.

Wir allerdings treffen nur zweibeinige „Viecher“ an, alles Einzelgänger die uns jeweils im zügigen Schritt überholen. Männlein und Weiblein, alles Spitzensportler, welche lieber alleine in die Berge gehen und das Bergerlebnis mit niemandem teilen möchten. Oder finden sie einfach keinen Partner der mithalten könnte? Schade, denn Rücksicht auf den Schwächeren kommt bei denen wohl nicht in Frage!

Nach etwa 1 ½ Stunden Marschzeit rasten wir auf etwa 2600 müM das erste Mal 10 Minuten. Die Schwarzhornfurgga auf 2880 müM passieren wir ohne anzuhalten, denn bei uns läuft es heute prima. Kein Schneefeld hindert uns beim Hochsteigen, alles perfekter Wanderweg, vermutlich vom Davoser Verkehrsverein extra mit schnellem Kies hergerichtet. Auch die 300 Höhenmeter Gratwanderung in nördlicher Richtung zum Gipfel scheint uns heute wie im Fluge zu vergehen. Der neu angelegte Weg spart offensichtlich auch bei uns Kräfte.

Trotzdem staunen wir ein wenig später bei der Ankunft auf dem Schwarzhorngipfel auf 3147 müM ob der vielen Menschen. Einen Platz zum Sitzen finden wir vorerst nicht und so gratulieren wir uns gegenseitig mit einem herzhaften Schmutz auf den Mund für die vollbrachte Besteigung inmitten der vielen Bergsteiger. Eine Dame im besten Alter hat dies offenbar mitbekommen und fordert sofort bei ihrem Ehemann die Belohnung ein. Doch dieser winkt ab, denn seine Angetraute scheint der Kategorie von „ehemaligen Geliebten“ anzugehören. Schliesslich verlassen viele den Gipfel nach einem letzten Erinnerungsfoto vor dem Gipfelkreuz und steigen wieder ab.

Bedrohlich steigen bereits um die Mittagszeit die Cumuluswolken immer höher und drohen Regen an. Hat Wetterfrosch Bucheli heute wieder einmal nicht recht? Auch wir verlängern die Dauer des Mittagsmahl nicht speziell, sondern können uns durchaus vorstellen, dass es in etwa 2 Stunden hier regnet, stürmt und gewittert. Beim Abstieg treffen wir allerdings noch manche Wanderer an, die nicht unserer Meinung sind. Immer noch beim Aufstieg wollen sie nur wissen wie lange es noch dauert bis zum Gipfel und nicht etwa wann das Gewitter kommt. Als es um den Gipfel immer schwärzer wird verschieben wir beim Abstieg einen geplanten „Flüssigkeitshalt“. Den können wir auch noch bei unserem Auto zu uns nehmen. Bereits kommen die ersten Tropfen vom Himmel als wir die Passstrasse und unser Auto erreichen. Noch einmal Glück gehabt?

Punkt 1645 Uhr kommt in Zernez ein kräftiger Platzregen. Aber da haben wir bereits warm geduscht und brauchen keine extra Beleuchtung mehr mit Blitz und Donner. Wetterfrosch Bucheli hat sich wieder einmal verhauen!

Schwarzhorn - 3147 müM

Die Drei Bünde zur Zeit der Alten Eidgenossenschaft

August 3rd, 2010

Der Gotteshausbund, der Obere oder Graue Bund und der Zehngerichte Bund waren Reaktionen zu Problemen im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden und dauerte bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798. Diese Periode der Unsicherheiten im Kanton dauerten vom Mittelalter bis spät in die Neuzeit hinein.

Gotteshausbund
Als Bischof Peter Jelito alle seine Besitzungen gegen eine Rente an Habsburg übertragen wollte, reagierten die bischöflichen Untertanen gegen eine schleichende Übernahme des Bistums Chur durch das Haus Habsburg. Am 29. Januar 1367 gründeten deshalb die sogenannten Gottesleute in Chur den Gotteshausbund.

Unterzeichnet wurde die Urkunde von Abgesandten des Domkapitels, der bischöflichen Ministerialen, der Stadt Chur und der bischöflichen Gerichte Domleschg, Schams, Oberhalbstein, Oberengadin, Unterengadin und Bergell. Später schlossen sich weitere Gerichte an, beispielsweise 1408 das Puschlav und um 1450 die Vier Dörfer.

Das Unterengadin, Münstertal und der obere Vinschgau waren lange zwischen der Grafschaft Tirol und dem Bistum Chur umstritten. Während die ersten beiden die Herrschaft der Habsburger als Grafen von Tirol abschütteln konnten, schied 1618 das Gericht Untercalven (Chiavenna) als letzter Teil des Vinschgaus aus dem Gotteshausbund aus. Hauptort des Gotteshausbundes war die Stadt Chur.

Oberer oder Grauer Bund
Der Obere Bund, auch Grauer Bund genannt, entstand als Reaktion auf zahlreiche Fehden und Kleinkriege zwischen den Adelsgeschlechtern Belmont, Sax-Misox, Rhäzüns, Vaz, Werdenberg, dem Kloster Disentis und dem Bischof von Chur.
Am 16. März 1424 wurden die seit 1395 bestehende Bündnisse zwischen einzelnen Adligen und deren Untertanen in Trun als Oberer oder Grauer Bund auf ewige Zeiten verlängert.

Den Bund beschworen in Trun:
• Der Abt und das Gericht Disentis,
• der Freiherr von Rhäzüns für sich, seine Herrschaft Rhäzüns und die Gemeinden Safien, Tenna und Obersaxen,
• der Graf von Sax-Misox für sich und die Gerichte Ilanz, Gruob, Lugnez, Vals, Castrisch und Flims,
• der Graf von Werdenberg-Heiligenberg mit allen seinen Untertanen sowie die Gerichte Trins und Tamins,
• die Freien ob dem Flimserwald sowie die Gemeinden Rheinwald und Schams.
• Noch vor 1440 traten die Herrschaften Löwenberg, Thusis, Tschappina und Heinzenberg bei, denen der Graf von Werdenberg-Sargans ursprünglich den Beitritt untersagt hatte.
• 1441 schloss sich das Kloster Cazis an,
• 1480 die Nachbarschaften Mesocco und Soazza im Misox und
• 1496 als Letzter der Graf von Misox, Gian Giacomo Trivulzio, mit den Gerichten Misox und Calanca. Hauptort des Grauen Bundes war Ilanz.

Zehngerichtebund
Nach dem Aussterben der Grafen von Toggenburg schlossen deren Untertanen im heutigen Graubünden am 8. Juni 1436 einen Bund, der gegenseitige Hilfe und ewige Ungetrenntheit der Teilnehmer vorsah.

Beteiligt waren die Zehn Gerichte Belfort, Davos, Klosters, Castels, Schiers, Schanfigg (St. Peter), Langwies, Strassberg (Churwalden), Maienfeld (Stadt und Schloss) und Neu-Aspermont (Hohe Gerichtsbarkeit über Jenins und Malans). Hauptort des Bundes war der Flecken Davos. Auch dieses Bündnis richtete sich hauptsächlich gegen die Expansion Habsburgs nach Graubünden.

Ausnahmen
Nicht zu den Drei Bünden gehörten die Freiherrschaften Haldenstein und Tarasp. Landesherren über die Herrschaft Rhäzüns waren seit 1497 die Habsburger, das Gericht Rhäzüns verblieb jedoch im Grauen Bund.

Seit 1497/98 waren die Drei Bünde als Zugewandte Orte mit der Eidgenossenschaft verbunden. In den Mailänderkriegen gelang 1512 die Eroberung von Worms (Bormio), Veltlin (Valtellina) und Cleven (Chiavenna) als gemeinsame Untertanengebiete. Diese Talschaften gingen 1797 jedoch wieder verloren und gehören heute zu Italien.

Einen Spezialfall bildete die Bündner Herrschaft, die 1509 von den Drei Bünden als weitere gemeinsame Herrschaft erworben wurde. Die Mitgliedschaft der Gerichte Maienfeld und Neu-Aspermont im Zehngerichtebund blieb dabei bestehen, so dass die Einwohner gleichzeitig Untertanen und Herren über sich selbst waren.

Drei Bünde - Gerichte - Einteilung

Wanderung zum Murtaröl – 2579 müM

August 1st, 2010

Murtaröl - 2579 müM

Murtaröl - 2579 müM

Ein wunderschöner Tag kündigt sich von Osten her an. Heute Samstag, 31. Juli 2010 wollen wir wieder einmal einen der Hausberge von Zernez in Angriff nehmen. Neben dem Mont Baselgia kann man sicher auch den 2579 müM gelegenen Murtaröl dazu zählen.

Vom Camping Zernez aus beleuchtet jeweils die Abendsonne den Vorgipfel frech den zahlreichen Gästen des Camping’s entgegen, wenn diese schon längstens im Schatten frieren. Oftmals kann man gerade dann direkt vor der Haustüre die äsenden Gämsen am sonnigen Nordosthang mit dem Fernrohr in Grossformat ausmachen.

Nach einem gemütlichen Anstieg im Wald haben wir nach etwa 2 Stunden die horizontale Traverse auf etwa 2230 müM erreicht. Links am Hang kommt uns die erste Gämse entgegen. Ein älteres Prachtsexemplar beäugt uns ganz genau. Es hat noch immer sein Winterfell übergezogen und sieht gar nicht so mager aus. Die kalte Jahreszeit hat das Tier offensichtlich glänzend überstanden. Punkt 1300 Uhr – knapp vor Punkt 2300 – geht dafür bei mir plötzlich das „Benzin“ aus. Ohne Nachzutanken, sprich flüssiger und fester Nahrung geht bei mir Nichts mehr. Eine Stunde später, etwa 150 m unterhalb dem Grat kommt eine weitere Krise. Ist etwa Erika und Heinz daran Schuld, welche vor uns die gleiche Tour bewältigen aber nichts von ihren Verfolgern wissen? Oder sind es vielleicht die eigenen, steigenden Jahrzahlen welche diese Wanderung von Jahr zu Jahr steiler machen? Ein jüngeres, deutsches Ehepaar hat an dieser Stelle ebenfalls mit dem Berg zu kämpfen. Sie wollen jedoch erst rasten, wenn sie den Gipfel erreicht haben.

Oben auf dem Grat bin ich froh die Höhe erreicht zu haben und hundemüde. Eine ausgiebige Rast bei diesem herrlichen Wetter bis etwa1600 Uhr belohnt uns reichlich. Kein Wölkchen trübt das Blaue am Himmel. Und für den Abstieg ist noch genügend Tranksame im Rucksack. Beruhigend, denn nun geht es über den Grat an der Bellavista vorbei 1100 Meter hinunter nach Zernez.

Unterwegs schliessen wir auf das gleiche deutsche Ehepaar auf und machen von Ihnen bei der Wetterföhre noch ein Foto. Leider ist die Sicht von hier aus hinunter ins Tal nicht mehr so grandios wie früher. Liegt es vielleicht am Alter der Wettertanne oder gar an Meinem?

Von der Schmalspurbahn-Gesellschaft Landquart/Davos zur Rätischen Bahn

Juli 28th, 2010

Albula-Bahn um 1910

Beim Bau der ersten Linie wurde von vornherein darauf Rücksicht genommen, dass sie nicht bloss als Lokalbahn, sondern als erstes Stück einer nach Italien führenden Alpenbahn angesehen wurde. Deshalb wurde auch die Schmalspurbahn mit 1 m Spurbreite durchgehend als Adhäsionsbahn mit maximal 4.5 % Steigung gebaut. Aus ästhetischen Gründen wurden die Brücken denn auch möglichst aus Stein gebaut. Nur in wenigen Fällen wurde von diesem Prinzip abgewichen und günstigere Eisenkonstruktionen verwendet.

Im Sommer und während eines Teils im Winter verkehrten Salonwagen auf dem Weg von Calais nach St.Moritz. Dieser Expresszug hatte nur Wagen 1. Klasse.

Bahneröffnungen von 1889 bis 1913

Schmalspurbahn-Gesellschaft Landquart Davos
9.10.1889 Landquart – Klosters
21.7.1890 Klosters – Davos

Dampf-Lokomotive System Mallet Nr 23 der RhB

Ab 1896 Rätische Bahn
Juli 1896 Landquart – Chur
Juli 1896 Chur – Thusis
1.7.1903 Thusis – Celerina
10.7.1904 Celerina – St.Moritz
1.7.1903 Reichenau – Illanz
1.7.1908 Samaden – Pontresina
1.7.1909 Davos – Filisur
1.8.1912 Ilanz – Disentis
1.7.1913 Bevers – Schuls-Tarasp

Die gesamte Strecke der Rätischen Bahn ist damit auf 277 km Länge angewachsen.

Betrieb
Der Betrieb geschah auf dem grössten Teil des Netzes mit Dampflokomotiven. Ende 1912 besass sie 51 Lokomotiven, 182 Personenwagen, 1 Krankenwagen, 35 Gepäckwagen, 497 Güterwagen und 1 Hilfswagen für die Hilfe bei Unfällen.

Lokomotiven
16 Tenderlokomotiven mit 3 gekuppelten Achsen, 30.2 bis 33.98 Tonnen Dienstgewicht
12 Doppel-Verbund-Tenderlokomotiven, System Mallet, 44.5 bis 47.32 Tonnen Dienstgewicht
6 Zweizylinder Nassdampf-Verbund-Lokomotiven mit 4 gekuppelten Achsen, 58.9 bis 67,4 Tonnen Dienstgewicht
13 Zweizylinder Heissdampf-Zwillings-Lokomtiven mit Tender, 67.6 Tonnen Dienstgewicht
2 elektr. Lokomotiven mit 4 gekuppelten Achsen, 34 Tonnen Dienstgewicht
2 elektr. Lokomotiven mit 4 gekuppelten Achsen und je einer Laufachse vorne und hinten, 54 Tonnen Dienstgewicht
(Die 4 elektrischen Lokomotiven dienen dem Probebetrieb für die damals im Bau begriffene Linie Bevers – Schuls)

Elektro-Lok der Eingadinbahn RHB-GE24 Nr. 222

Die Personenwagen waren fast durchwegs mit Toilette ausgerüstet und haben elektrische Beleuchtung mit hell brennenden Metallfadenlampen. Auf der Albulastrecke waren diese durchwegs eingeschaltet. Bei der Bergfahrt mussten auch im Sommer die Fenster geschlossen bleiben. Bei der Talfahrt wegen dem geringeren Rauch nicht.

Quellen-Hinweis: Die Rhätische Bahn – Praktischer Reiseführer durch das Schweizer Hochland Graubünden von H. Behrmann.
1912 Herausgegeben von der Direktion der Rhätischen Bahn in Chhur
Mit freundlicher Unterstützung von Sepp Süss, Kriens

Gedanken im Aufstieg zur Fourcla Val dal Botsch, 2677 müM

Juli 20th, 2010

Fourcla Val dal Botsch 2677 müM

Trip, trap, trip, trap.
Langsam aber stetig gewinnen wir auf dem von Gewittern ausgewaschenen Weg zur Fourcla Val dal Botsch auf etwa 2100 Meter an Höhe. Haben wir letztes Jahr an dieser Stelle nicht noch Edelweisse gesehen? Die Grasnarbe ist heute nicht mehr kompakt grün sondern mit vielen Steinen durchsetzt. Die alte Beschriftung weiter unten, die auf eine markante Richtungsänderung des Weges aufmerksam macht, hängt etwa 10 Meter an einer Felswand über dem Bach. Dieser führt zwar nur mehr wenig Wasser, sodass auch der Steg darüber bei der Abzweigung auf Margunet nicht mehr notwendig ist. Dafür ist der rechtseitige Schuttkegel um etwa 10 Meter angewachsen. Ueberhaupt kennt man den Weg zwischen P7 und der Abzweigung Margunet kaum mehr. Bis vor wenigen Jahren war hier ein Rastplatz für die Parkbesucher und heute? Die Hinweistafeln mussten vom Schutt befreit werden und der halbe Rastplatz ist mit Geröll bedeckt. Keine einladende Stelle mehr zum Rasten.

Sind etwa die im Konvoi nach Livigno unterwegs fahrenden belgischen Camper schuld? Schon in Zernez fiel uns einer dieser Womo-Fahrer auf, als er – zwar mit Vortritt belastet – uns den Weg abschnitt als wir auf die Ofenpasstrasse abbiegen wollten. Ja nicht den Vordermann verpassen, denn die Schweiz ist mit einem Euro-Kurs von Fr. 1.34 viel zu teuer und das Euroland Livigno doch so nah!

Oder sind etwa die beiden spanischen Camper schuld, die auf P7 gerade ihren Schmutzwassertank auf den Parkplatz entleerten als wir dort eintrafen? Gruusig, eklig, immer wieder diese ausländischen Womo Fahrer, geht es mir durch den Kopf. Die wissen einfach nicht was sich gehört. Dabei erwische ich mich selbst dabei, dass ich vor Jahren einem Kollegen mit Womo in Korsika empfohlen habe, mangels Möglichkeiten seinen Abwassertank einfach auf einem Parkplatz zu entsorgen!

Als wir nach etwa 2 ½ Stunden auf der Fourcla Val dal Botsch sind, geniessen wir nur noch die herrliche Aussicht. Windstelle herrscht hier oben, wo doch vor wenigen Wochen ein männlicher Bär ohne Namen aber mit der Bezeichnung JJ diese Krete überschritten haben muss. Nach einem Schafriss im Tal ist er wieder verschwunden. Lebt er noch? Ist er etwa auf der Suche nach einem Weibchen wieder ausgewandert? Wir wissen es nicht.

In Richtung Süd mit Blick auf die Bernina-Gruppe kommt Bewölkung auf. Also weg von der Krete und weiter unten Rasten. Im saftigen Grün auf etwa 2400 müM liegen wir auf dem Rücken im Gras, die Schildmütze tief ins Gesicht gezogen als Heidy plötzlich ruft: Adler! Etwa einhundert Meter über uns sehe ich drei junge Adler mit ihren grauen Schwingen vorüber ziehen. Nachfolgend vier weitere Adler und – wie mir schien – bereits ausgewachsen und etwas Grösser. Also ein Familienausflug. Heidy verfolgt diese Adler mit dem Feldstecher als sie meinen Blicken Richtung Osten entschwinden.

Wir sind schon wieder unterwegs, als vermutlich die gleichen Adler mir Schatten spenden. D.h. in meinem Blickfeld sehe ich immer wieder den Schatten dieser Tiere und als ich den Kopf erhebe wird es mir beinahe schwarz vor den Augen. Die gleichen sieben Adler – nunmehr etwa 50 Meter tiefer – Kreisen sie über unseren Köpfen. Hoffentlich verwechseln sie uns nicht mit Aas? Oder wurden sie etwa von den Parkwächtern extra hierher bestellt, die mit ihren Gruppen von ca. 20 Leuten in unsere Richtung schauen und gleichzeitig auf dem Abstieg von Margunet sind?

Edelweiss-Gruppe

Eine Gruppe von Edelweiss wird noch fotografiert bevor uns wieder unser Auto auf P7 aufnimmt. Das Abwasser des Spaniers ist eingetrocknet. Nun ist alles wieder in bester Ordnung. Oder etwa doch nicht?

Das Unterengadin am Beginn der Neuzeit

Juli 18th, 2010

Geschichte Graubündes am Beginn der Neuzeit

Lage in Europa
Die Neuzeit ist eine der drei historischen Grossepochen. Sie folgt auf das europäische Mittelalter und dauert bis heute an. Der noch heute gültige Gregorianische Kalender wurde Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Reform des Julianischen Kalenders entworfen und 1582 durch Papst Gregor eingeführt. Zuletzt stellte 1926 die Türkei auf den Gregorianischen Kalender um.

Am Beginn der Neuzeit prägten technische aber auch gesellschaftliche Veränderungen das Tagesgeschehen. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um Hegemonie und zugleich ein Religionskrieg. In ihm entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden aus.

Die Feldzüge und Schlachten fanden überwiegend auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublick Deutschland statt. Die Kriegshandlungen selbst, aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen verheerten und entvölkerten ganze Landstriche. In Süddeutschland etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Nach dem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang benötigten einige vom Krieg betroffene Territorien mehr als ein Jahrhundert, um sich von dessen Folgen zu erholen. Der Dreißigjährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648.

Die Bündner Wirren
Nach Ausbruch des Dreissigjährigen Krieges begannen auch hier die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich. Dabei ging es hauptsächlich um die Kontrolle der Bündner Alpenpässe, aber auch um die konfessionelle Ordnung in Graubünden. Der Konflikt drohte zeitweilig auch die Eidgenossenschaft in den Dreissigjährigen Krieg hineinzuziehen.

Cardinal Richelieu

Kardinal Richelieu in Frankreich war damals katholisch, aber dennoch unterstützte er die protestantische Seite weil sich Richelieu durch die spanisch-habsburgischen Erfolge bedroht fühlte. Am 17. Februar 1623 schloss Frankreich mit Savoyen und Venedig ein Bündnis zur Befreiung Graubündens.
Frankreich zog ein Heer in Burgund zusammen und Jürg Jenatsch und Ulysses von Salis warben mit französischem Geld unter bündnerischen Flüchtlingen sowie eidgenössischen und französischen Söldnern ein 8000 Mann starkes Heer an, das dem französischen General François-Annibal d’Estrées, Marquis de Cœuvres unterstellt wurde.

Bereits 1618 erklärte das französisch gesinnte Strafgericht von Thusis die zum katholischen Glauben übergetretenen Brüder Rudolf Planta von Zernez und Pompejus Planta von Ardez für vogelfrei. Schloss Wildenberg in Zernez wurde zerstört und Pompejus 1621 im Schloss Riedberg ermordet.

In der Zwischenzeit erreichte der Gotteshausbund und der Graue Bund den Abzug der österreichischen Truppen unter dem Grafen von Sulz gegen Bezahlung einer Kontribution. Nur der Zehngerichtebund und das Unterengadin blieben besetzt. Erzherzog Leopold V. verkündete für die reformierten Bewohner ein Ultimatum, das eine Bekehrung binnen sechs Monaten oder die Auswanderung verlangte.

Am 28. Oktober 1624 besetzte Rudolf von Salis mit einem der Bündner Regimenter die Tardisbrücke, den Luziensteig, die Landquartbrücke und den Eingang ins Prättigau und sicherte so den Zugang nach Graubünden. Nach dem Einmarsch des Gros der Truppen de Cœuvres zogen die österreichischen Besatzungstruppen kampflos ab. Die acht Gerichte im Prättigau erneuerten die Bundesbriefe und die zurückkehrenden evangelischen Pfarrer ersetzten wieder die Kapuziner. Auch das Unterengadin wurde von österreichischen Truppen verlassen. Am 7. November beschlossen die Vertreter der Drei Bünde ihre Truppen mit den eidgenössischen und französischen Kontingenten unter De Cœuvres zu vereinigen. Die Truppen dieser Allianz besetzte das Engadin und zog über die verschneiten Pässe nach Bormio, Chiavenna und Tirano, wo De Cœuvres die Verbindung über den Apricapass zum verbündeten Venedig etablierte. So gelang noch im Dezember die Rückeroberung der ehemaligen Untertanengebiete ohne dass die päpstlichen Truppen ernsthaft Widerstand geleistet hätten. Nur die Burg von Chiavenna ergab sich vorerst nicht und wurde belagert. Verstärkt mit Nachschub, Waffen und Munition zog De Cœuvres von Tirano nach Chiavenna wo die Burg nach Artilleriebeschuss am 10. März 1625 kapitulierte.

Im Februar 1627 zogen sich die Franzosen aus dem Veltlin zurück und päpstliche Truppen besetzten dieses Gebiet. Die Bündner sahen sich aber vorerst ausserstande zu reagieren. Die Erbitterung über die Franzosen führte zu einer Annäherung an Erzherzog Leopold V., mit dem sie sich 1629 auf eine Erneuerung der Erbeinigung von 1518 verständigten. Leopold anerkannte die Zugehörigkeit der acht Gerichte und des Unterengadins zu den Drei Bünden, verweigerte aber die Religionsfreiheit der unter habsburgischen Herrschaft stehenden Gerichte.